Mit „Sundays for Peace“ gegen das Vergessen

Artikel vom 17.11.2021

Karoline Schulz

Kurze Ansprache am Denkmal an der Mühlenstraße: Als Bürgermeister der Gemeinde Ganderkesee hieß erstmals Ralf Wessel die Gäste der Gedenkfeier willkommen. Bild: Karoline Schulz

Der Volkstrauertag sei aktueller denn je, befand Bataillonskommandeur Tobias Schmidt bei der Gedenkfeier im Ganderkeseer Rathaus. Dort hatte erstmals Ralf Wessel als Bürgermeister die Gäste begrüßt

Ist der Volkstrauertag 80 Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkriegs und in einer Epoche, in der kaum noch jemand persönlich von den Schreckensereignissen der beiden Weltkriege berührt ist, noch zeitgemäß? Dieser Frage widmete sich Oberstleutnant Tobias Schmidt, Kommandeur des Delmenhorster Logistikbataillons 163, in seiner Rede bei der zentralen Gedenkfeier zum Volkstrauertag im Ganderkeseer Rathaus. Eingeladen hatten der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und die Gemeinde Ganderkesee, die seit Juli die Patenschaft für das Bataillon der Bundeswehr hat. Als Hausherr hieß erstmals Bürgermeister Ralf Wessel die zahlreich erschienenen Vertreter von Vereinen und Organisationen, aus Politik und Verwaltung sowie interessierte Bürger willkommen.

Bedrohliche Entwicklung

Die mahnende Botschaft des Volkstrauertages sei brandaktuell und notwendiger den je, befand Bataillonskommandeur Schmidt. So hätten Kriege und Konflikte sowie Gewalt und Vertreibung auch nach 1945 viele Millionen Opfer gefordert. Es sei „erstaunlich, wie vermeintlich überwunden geglaubte Ressentiments gegen Andersdenkende, gegenüber dem Fremden, nationale Ideologien und populistisches Wortstakkato wieder an Konjunktur gewinnen“, so Schmidt. „Für mich als Soldat wirkt dies bedrohlich wie Maschinengewehrfeuer.“

Schmidt forderte, das Engagement der Jugend für den Klimaschutz als Ansporn zu nehmen – als Ansporn, die Botschaft des Volkstrauertages für die nachfolgenden Generationen wachzuhalten. Analog zu „Fridays für Future“ brauche es „Sundays for Peace“: Die Jugend solle aufschreien und sich engagieren, wenn es wieder „Entwicklungen gibt, die Kriege Gewalt und Hass jedweder Art schüren“.

Verbindende Klänge

Die Brücke zum Alltag der Bundeswehr schlug bei der Gedenkfeier, ganz zufällig, der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Ganderkesee unter Leitung von Sabine Engelmann-Lemke: Unmittelbar vor der Rede des Bataillonskommandeurs spielten die Musiker das auf einem Irischen Reisesegen basierende Lied „Möge die Straße uns zusammenführen“ von Markus Pytlik. Genau dieses Lied, so berichtete Schmidt, sei bei seinem Einsatz in Afghanistan vor zwei Jahren allwöchentlich im Gottesdienst gesungen worden, wenn wieder ein Kamerad nach Hause verabschiedet wurde. „Als Bataillonskommandeur, der regelmäßig Soldaten in Krisengebiete entsendet, bin ich heilfroh, dass ich bislang keine Gefallenen zu beklagen hatte“, sagte Schmidt.

Kranzniederlegungen

Auf die Gendenkfeier im Rathaus folgten am Sonntagvormittag Kranzniederlegungen am Denkmal an der Mühlenstraße sowie auf dem Friedhof an der Kirche St. Cyprian und Cornelius. Auch in vielen Bauerschaften im Gemeindegebiet versammelten sich – nach pandemiebedingter Zwangspause im Vorjahr – wieder Dorfgemeinschaften und Ortsvereine zu Gedenkfeiern und Kranzniederlegungen.


 

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