Museumsverein vor Auflösung

Tag des offenen Denkmals: Jahrelang hat sich der Museumsverein für die Dampfkornbranntweinbrennerei in Wildeshausen daran beteiligt und Führungen in der Brennerei angeboten, so  wie hier 2018. Foto: Christoph Koopmeiner

Wildeshausen – Der Museumsverein für die Dampfkornbranntweinbrennerei in Wildeshausen hat seine Auflösung eingeleitet. Die Mitgliederversammlung hat am Dienstagabend mit zwölf Ja- und drei Nein-Stimmen bei fünf Enthaltungen die Liquidation empfohlen. Das teilt die Vorsitzende Karin Holtmann-Kolloge mit. In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung soll demnächst die Auflösung beschlossen werden. Dafür ist eine Dreiviertelmehrheit erforderlich.

Kontroverse Sitzung

Dass dieser Schritt in der Versammlung noch nicht vollzogen wurde,  hat nach Darstellung der Vorsitzenden formale Gründe. Zunächst hätten die Beschlüsse für die Vereinsjahre 2020 und 2021 gefasst werden müssen. Dazu zähle auch die Entscheidung, dass von den 90 Mitgliedern für 2021 und 2022 keine Jahresbeiträge (10 Euro) mehr eingezogen werden. Aktuell verfüge der Museumsverein über ein Guthaben von rund 10.000 Euro. Im Falle einer Liquidation gehe das Vereinsvermögen für gemeinnützige Zwecke je zur Hälfte an die Stadt und den Landkreis.

„Die Mitgliederversammlung war sehr kontrovers“, berichtet Holtmann-Kolloge. Auch Bürgermeister Jens Kuraschinski als Vertreter der Stadt (Vereinsmitglied) sei dabeigewesen. Er habe das Aus für das Brennereimuseum und die Auflösung des Vereins bedauert.

Doch gerade die Stadt sei es gewesen, die den Museumsverein in den vergangenen Jahrzehnten im Stich gelassen habe, kritisiert die Vorsitzende. „Für das Ehrenamt brauchst du positiven Rückenwind der Stadt. Den haben wir vermisst.“ Der Pachtvertrag mit dem Eigentümer der Brennerei sei gekündigt, so dass dem Verein die Grundlage für seine Arbeit fehle.

Eigentümer der Brennerei ist Karsten Kolloge, Ehemann der Museumsvorsitzenden Karin Holtmann-Kolloge und auch Vereinsmitglied. Er hatte die Brennerei in der Vergangenheit dem Museumsverein für die symbolische Miete von einem Euro im Jahr verpachtet. Kolloge habe kein Verständnis dafür, dass die Stadtverwaltung jetzt Krokodilstränen vergießt, weil das Museum schließt, andererseits aber den Zuschuss von einst 3.527,91 Euro (ab 1994) auf zwei Euro pro Jahr (seit 2012) zurückgefahren habe. „Dadurch ist der Verein in die Situation gekommen, das Museum eigentlich nicht mehr betreiben zu können“, so Kolloge.

Nur weil seine Familie die Arbeit von Reinigungskräften und Handwerkern ehrenamtlich übernommen habe, sei die Schließung des Museums vor Jahren verhindert worden. In Summe seien das 222 Stunden pro Jahr gewesen, also fünf Handwerkerwochen. „Ich bin jetzt 65 Jahre alt. Mit 85 kann ich bestimmt nicht mehr auf den Dachbalken herumturnen und Handwerkerarbeiten erledigen“, sagt Kolloge. Seinen Erben könne er nicht zumuten, fünf Wochen im Jahr zu opfern, damit Wildeshausen ein Museum hat.

Zuschuss mit Pferdefuß

Um die Schließung der Brennerei zu verhindern, habe der Museumsverein einen höheren Zuschuss bei der Stadtverwaltung angefragt. Daraufhin habe der Stadtrat eine institutionelle Förderung von jährlich 4.500 Euro bewilligt. Laut Stadtverwaltung ist das Geld für die laufenden Kosten vorgesehen, nicht aber für Renovierungen.

Genau das ist für Karsten Kolloge der Pferdefuß. „Vor einem Zuschussantrag muss der Museumsverein erst alle Eigenmittel aufgebraucht haben“, erklärt er. „Doch wie soll der Verein zum Beispiel die Brennereifassade streichen lassen, wenn er keine Eigenmittel anspart?“


 

Liveticker

Blaulicht-Ticker

Weitere interessante Artikel

Wirtschaftpreis an Gastronomen

WILDESHAUSEN – Kein Starauftritt und kaum Ehrengäste: Die Mittelstandsvereinigung (MIT) Wildeshausen musste – wie so viele andere Organisationen und Vereine – ihre ...

Wetterhahn kehrt wieder zurück

HUNTLOSEN/SAGE – Dass ein Mensch viel in der Welt herumkommt, kann schon mal passieren. Auch Tiere ziehen mitunter um. Aber ein bronzener Wetterhahn? Der wird in der Regel fest auf einem Dach ...

Aus Übergang wurden 40 Jahre

STENUM – Es war ein emotionaler Tag in der Fachklinik für Orthopädie in Stenum: Nach knapp 40 Jahren verabschiedete das Team die Pflegedienstleitung Ingeburg Masukowitz in den ...

Zugpferd und Stimmengarant

TUNGELN – Nach mehr als 40 Jahren in der Wardenburger SPD darf man sicherlich – unabhängig vom Alter – von einem „Urgestein“ reden. Auf Detlef Sonnenberg aus ...

Manager soll City aufpeppen

LANDKREIS – Sechs von acht Kommunen im Landkreis Oldenburg profitieren vom Sofortprogramm „Perspektive Innenstadt“ des Landes Niedersachsen. Wildeshausen, Hude, Wardenburg, ...

Stadt weist Vereinskritik zurück

WILDESHAUSEN – Das Brennereimuseum in Wildeshausen sollte für die touristische Entwicklung der Stadt eine Leuchtturmfunktion haben. Mit dieser Einschätzung hat die Stadt am Freitag ...

Polizei blitzt bei den Schulen

WILDESHAUSEN – Die Ferien sind vorüber, am Donnerstag hat der Schulalltag wieder begonnen. Das bedeutet nicht nur eine Umstellung für Lehrkräfte, Schülerinnen und ...

Corona macht Tierschützern viel Arbeit

Versammlung in Rhade – Kritik an Tierhandel und -haltung

Auch fürs Filet gibt’s den Sommelier

Wildeshausen – Wer an einen Sommelier denkt, sieht in der Regel einen akkurat gekleideten Weinkellner vor dem geistigen Auge, der dem Gast mit Kennermiene erklärt, was ihm da gleich ...

„Neues“ Rathaus wird 25 Jahre alt

Ganderkesee – Viele Ganderkeseer können sich noch daran erinnern, Verwaltungsangelegenheiten im heutigen Gebäude der regioVHS oder an einem der bis zu sechs weiteren Standorte der ...

Einen Teil zum Wiederaufbau beitragen

Wildeshausen – Immer noch prägen Zerstörung, Schlamm und kaputte Straßen das Bild im Ahrtal. Nach der Flutkatastrophe hatten die Stadt Wildeshausen und die Wildeshauser ...

Bummeln und Kaufen bis 22 Uhr

 Wardenburger planen den „Langen Freitag“ – Gemeinsame Aktion Verkaufsoffene Sonntage kennen ...