„Rolli-Tour“ offenbart viele Probleme

von Jana Budde

ERLEBTEN BEI EINER „ROLLI-TOUR“ MIT SPD-RATSFRAU DORIS JOSQUIN (2. V. RE.) GANDERKESEES ORTSKERN VON EINER GANZ NEUEN SEITE: (VON LINKS) CAROLA HÜTTENMÜLLER (VORSITZENDE GRÜNEN-ORTSVERBAND), BÜRGERMEISTERKANDIDAT UDO HEINEN (GRÜNE), ULF MORITZ (SPD-FRAKTIONSVORSITZENDER) UND CHRISTEL ZIESSLER (SPD). BILD: JANA BUDDE 

Mitglieder der Grünen und der SPD versuchsweise mit Rollstuhl und Rollator unterwegs

Wie es ist, wenn man auf Rollstuhl oder Rollator angewiesen und damit im Ganderkeseer Ortskern unterwegs ist, erfuhr jetzt Bürgermeisterkandidat Udo Heinen (Grüne): Bei einer „Rolli-Tour“ zeigte Doris Josquin ihm und Mitgliedern der SPD und der Grünen Ganderkesee aus ihrer Sicht. Denn die SPD-Ratsfrau sitzt selbst im Rollstuhl. Sie führte zu einigen der „Stolpersteine“, die auf dem Weg zur Barrierefreiheit bestehen.

„Holpriger“ Start

Die Tour startete gleich „holprig“: Mit den vom Sanitätshaus GanderMed geliehenen Geräten rollte die Gruppe vom Rathaus aus in den Schlackeweg Lange Wand. Im Slalom ging es um die Schlaglöcher. Die nächste Herausforderung lauerte gleich um die Ecke: Beim Abbiegen in die Lindenstraße bot der dortige Gehweg kaum ausreichend Platz für die Rollstühle. „Morgens ist hier auch Kindergartenverkehr und Schulkinder sind unterwegs“, konkretisierte Doris Josquin die Problematik.

„Man wird demütig, was eine kleine Kante für ein Hindernis sein kann“, bemerkte Udo Heinen auf dem unebenen Gehweg. „Es ist eine ganz andere Perspektive.“

Nachdem Doris Josquin gezeigt hatte, dass die örtliche Polizeidienststelle für gehbehinderte Menschen nur über das Rathaus zugänglich ist – für Fälle, wenn dies geschlossen ist, gibt es eine Klingel – überquerte die Gruppe die Ampel über die Bergedorfer Straße in Richtung Ring. „Viele Ampelphasen sind zu kurz“, stellte Christel Zießler fest.

In der Rathausstraße offenbarten sich dann gleich mehrere Schwierigkeiten: Der Zugang zur Behinderten-Toilette am Alten Rathaus sehe zwar schön aus, sei mit dem Kopfsteinpflaster aber sehr ruckelig. „Das ist völlig unpraktisch“, befand Udo Heinen. Auch die Regenrinnen in der Straße sind mit Rollstuhl und Rollator nicht einfach zu durchfahren.

Schon viel erreicht

Zudem sind viele Eingänge von Geschäften in der Einkaufsstraße bisher nicht barrierefrei. Bei der „Jeans Scheune“ soll sich das allerdings in absehbarer Zeit ändern: Für das Bekleidungsgeschäft ist nämlich eine Lösung für Rollstuhlfahrer in Planung, erläuterte Inhaberin Renate Drieling der Gruppe. Voraussichtlich werde eine mobile Rampe installiert.

„Man muss Menschen mit Handicap viel mehr einbeziehen“, zog Udo Heinen auf dem Marktplatz ein Fazit der Erfahrung. Falls er Bürgermeister werde, wolle er im Ganderkeseer Rathaus „viel mehr auf Anwohner hören“. Als „stark verbesserungswürdig“ schätzt Christel Zießler die Barrierefreiheit im Ortskern ein: „Es braucht Zeit, bis das in den Köpfen ankommt.“

Viel Verbesserungspotenzial sieht auch Doris Josquin, oft werde die Barrierefreiheit vergessen. Allerdings wies sie auch auf die bereits geleistete Arbeit in der Gemeinde hin: „Wir haben schon viel erreicht.“


 

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