Rügenwalder Mühle stellt Fleischvariante des Schinken Spickers ein

Artikel vom 22.01.2024

Sabrina Wendt

Den Schinken Spicker des Markenherstellers Rügenwalder Mühle gibt es ab sofort nur noch als vegetarische und vegane Varianten. Bild: Anthony Rahayel

Schinken Spicker ohne Fleisch, geht das überhaupt? Ja, sagt der Wursthersteller Rügenwalder Mühle aus Bad Zwischenahn. Das Unternehmen reagiert damit auf einen Trend – und hat noch weitere Pläne.

Bad Zwischenahn/Im Nordwesten - Den Schinken Spicker des Wurstherstellers Rügenwalder Mühle aus Bad Zwischenahn (Kreis Ammerland) gibt es seit Jahresbeginn nur noch als vegane und vegetarische Varianten. Das teilte das Unternehmen jetzt mit. Damit seien „neben 23 klassischen Fleisch- und Wurstwaren nun knapp 50 vegane und vegetarische Produkte im Sortiment“, hieß es weiter in der Mitteilung.

Die Rügenwalder Mühle beschäftigt aktuell rund 1000 Mitarbeiter an vier Standorten in Hamburg und Niedersachsen und hat sich seit 2014 als Marktführer im Veggie-Bereich etabliert. Der Nettoumsatz des Wurstherstellers lag 2021 bei 263,8 Millionen Euro – davon 154,4 Millionen Euro im Bereich vegetarischer Produkte.

Diese Entwicklung sei „eine langfristige“ gewesen, sagte Michael Hähnel, Geschäftsführer der Rügenwalder Mühle. Der Anteil im Sortiment verschiebe sich bereits seit Jahren in Richtung der pflanzlichen Produkte. Diesen Kurs wolle man nun fortsetzen. Die Kapazitäten, die durch den Wegfall der Fleischvariante des Schinken Spickers frei geworden sind, sollen für den Veganen Hauchschnitt genutzt werden, betonte das Unternehmen.

Kein erhobener Zeigefinger

Auf Nachfrage unserer Redaktion, ob diese Entwicklung auch mit einem generellen Rückgang der Nachfrage nach Fleisch- und Wurstwaren zusammenhängt, und ob weitere Fleischwaren aus dem Sortiment verschwinden könnten, hieß es, dass man „wie der gesamte Lebensmittelmarkt, die Auswirkungen rund um Preissteigerungen, Inflation und damit einhergehende Käuferzurückhaltung“ spüre. Das gelte sowohl für Produkte aus Fleisch als auch für vegane und vegetarische Wurst- und Fleischalternativen, erklärte Claudia Hauschild, Leiterin Unternehmenskommunikation und Nachhaltigkeitsmanagement.

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Ob weitere Wurstwaren aus dem Sortiment verschwinden könnten, beantwortete die Rügenwalder Mühle nicht. Man betonte jedoch „ohne erhobenen Zeigefinger“ zu agieren. Letztlich sei die Nachfrage der Konsumenten ausschlaggebend für das Angebot.

Mit der erhöhten Nachfrage nach vegetarischen und veganen Produkten steigt auch der Bedarf an Ressourcen, beispielsweise Soja. Auf Nachfrage unserer Redaktion, teilte die Rügenwalder Mühle mit, dass man im vergangenen Jahr auf insgesamt 500 Hektar Soja in Bayern, dem Rheinland und Niedersachsen – unter anderem in Ostfriesland – angebaut habe. Das wolle man fortsetzen. Insgesamt „können wir mit dem deutschen Soja bereits 30 Prozent unseres Bedarfs decken“, hieß es weiter. Bis 2025 sollen alle pflanzlichen Rohstoffe aus Europa bezogen werden.

Nische mit Wachstumspotenzial

Dem Unternehmen sei auch bewusst, dass die veganen und vegetarischen Fleischalternativen „ein Wachstumsmarkt“ seien, „der nach wie vor viel Potenzial bietet“, erklärte Hauschild. Er sei „im Vergleich zum Fleischmarkt immer noch recht klein“, wachse jedoch kontinuierlich weiter. Das belegen auch Zahlen des Statistischen Bundesamts. Demnach hat die Produktion von Fleischalternativen von 2021 auf 2022 um 6,5 Prozent zugenommen. Im Vergleich zu 2019 war das gar ein Zuwachs von 72,7 Prozent.

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Dennoch, und auch das belegen aktuelle Statistiken, sind Fleischalternativen nach wie vor eine Nische. Nach Angaben des Statistikportals Statista lag der Umsatz im Schlachterei- und Fleischverarbeitungsgewerbe in Deutschland zuletzt bei mehr als 47 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Bei vegetarischen Alternativprodukten im deutschen Lebensmitteleinzelhandel waren es laut Statista im Jahr 2022 39,6 Millionen Euro Umsatz. Der Großteil wurde dabei mit Fleischalternativen umgesetzt. Die Rügenwalder Mühle geht jedoch davon aus, „dass sich ein genereller Wachstumstrend im Markt der veganen und vegetarischen Fleischalternativen auch weiterhin fortsetzen wird“.

Übernahme durch Zuckerhersteller

Die Rügenwalder Mühle hatte Ende November 2023 für Aufsehen gesorgt, als die mehrheitliche Übernahme des Unternehmens aus Bad Zwischenahn (Ammerland) durch den Zuckerhersteller Pfeier & Langen aus Köln bekannt wurde. Es sollen jedoch keine Arbeitsplätze abgebaut werden, hieß es seinerzeit auf Nachfrage unserer Redaktion. Das Unternehmen soll in die sogenannte „The Nature’s Richness Group“, das New Food-Geschäftsfeld von Pfeifer & Langen, angebunden werden.

Pfeifer & Langen ist mit verschiedenen Handelsmarken breit in der Nahrungs- und Genussmittelindustrie aufgestellt. Der Familienholding mit einem Jahresumsatz von rund 1,13 Milliarden Euro gehören unter anderem die Intersnack-Gruppe – mit den Marken Ültje und Funny-Frisch – sowie der bayrische Fleischersatzproduzent Endori.


 

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