Schule trennt sich von Namen

Der NSDAP-Mitgliedsausweis von Robert Dannemann, der seinerzeit in Oldenburg lebte. Quelle: Bundesarchiv Berlin

Wardenburg – Zum letzten Mal werden in der kommenden Woche in Westerstede Zeugnisse mit dem Schriftzug „Robert-Dannemann-Schule“ ausgegeben. Das steht fest, nachdem am Dienstagabend der Westersteder Gemeinderat deutlich gegen Dannemann gestimmt hat. Einstimmig, so das Votum, das den gebürtigen Tungelner Dannemann als Namensgeber absetzt. Es war letztlich keine große Überraschung mehr: Zu deutlich fiel das Gutachten des Historikers Prof. Dr. Lorenz Peiffer über die Nazi-Vergangenheit Dannemanns aus.

Kein Vorbild

Gremien aus Politik und Schule waren sich einig, ein Mann mit solcher Vergangenheit ist kein Vorbild. Die Diskussion um den Schulnamen zog enorme Kreise. Die Westersteder Dannemann-Debatte wurde auch in der Gemeinde Wardenburg beobachtet. In Dannemanns Heimatdorf Tungeln gibt es eine Straße, die nach ihm benannt ist. Ein erster Antrag der SPD-Fraktion, sich mit der Zukunft des Straßennamens auseinanderzusetzen, ist bei der Wardenburger Verwaltung eingegangen. Über ihn soll am Donnerstag, 23. September, im Hoch- und Tiefbau-Ausschuss beraten werden.

Sogar eine Holocaust-Überlebende äußerte sich zu den Ereignissen in Westerstede. Dr. Michaela Vidláková aus Prag wurde mit ihrer jüdischen Familie im Dezember 1942 nach Theresienstadt deportiert. „Vielleicht hat Dannemann keinen persönlich getötet, vielleicht sogar keinen Tod persönlich verursacht, obwohl er in einer ziemlich hohen Funktion tätig war. Kein Verbrechen ist ihm bewiesen worden. Ganz harmlos war er jedenfalls aber auch nicht“, äußerte sie sich. „Er verdient ganz sicher nicht, dass eine Schule, Straße, ein Platz oder was auch immer seinen Namen trägt.“ Vidláková besucht regelmäßig Schulen auch in Deutschland und tritt dort als Zeitzeugin auf.

Die Sicht des Sohns

„Die frühere Parteimitgliedschaft meines Vaters beschämt auch mich“, schreibt Robert Dannemanns Sohn Bernd Dannemann. „Es schmerzt mich als Angehörigen aber, dass sein Leben in der öffentlichen Diskussion verkürzt wird auf diese Aspekte und nicht die Leistungen und das Engagement würdigt, mit denen er in der Nachkriegszeit entscheidend zum Aufbau und Erhalt demokratischer Strukturen beigetragen hat.“

Bernd Dannemann hätte sich gewünscht, dass die zu Recht angestrebte Beleuchtung des früheren Namensträgers den ganzen Menschen in den Blick genommen hätte und nicht nur einzelne Aspekte einer bestimmten Zeit, „zumal nicht aufgrund einer aus meiner Sicht einseitigen und teils fehlerhaften Untersuchung“.

Welcher Name die Robert-Dannemann-Schule künftig trägt, steht allerdings noch nicht fest. Zunächst wird es eine Schule ohne Namen: schlicht und einfach „Oberschule Westerstede“.


 

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