Siebtklässler treiben an ihrer Schule die Energiewende voran

Artikel vom 26.12.2022

Karoline Schulz

Wünschen sich, dass auf dem Dach des Neubaus (im Hintergrund) zügig Strom erzeugt wird: Enno (vorn, links) und die Klasse 7m des Gymnasiums Ganderkesee verliehen ihrer Forderung mit einer langen Unterschriftenliste Nachdruck, die sie jetzt im Beisein von Schulleiterin Dr. Renate Richter an Landrat Dr. Christian Pundt übergaben. Bild: Karoline Schulz

Der Landkreis Oldenburg will klimaneutral werden. Das trifft sich gut, denn Siebtklässler des Gymnasiums Ganderkesee wünschen sich vom Schulträger eine Photovoltaikanlage. So stehen ihre Chancen.

Fast 600 Unterschriften haben die Schülerinnen und Schüler der Klasse 7m des Gymnasiums Ganderkesee binnen acht Tagen für ihr Anliegen gesammelt: Auf dem G-Trakt, dem Neubau des Gymnasiums, soll so schnell wie möglich eine Photovoltaikanlage Strom aus Sonnenlicht erzeugen. Eine Kopie der meterlangen Liste und dazu ein Anschreiben mit ihrer Forderung haben sie an Landrat Christian Pundt überreicht.

Dicke Bretter zu bohren hatten die Schüler beim Schulträger gleichwohl nicht: Politik und Verwaltung des Landkreises hätten das Thema bereits auf der Agenda, wie Pundt beim Ortstermin erklärte. Doch der Vorstoß der Gymnasiasten ging über die reine Forderung hinaus: „Wir haben uns ein Finanzierungsmodell überlegt“, sagte Enno (13), der für seine Klasse sprach. Die Idee der Schüler: Die Dachfläche solle einem lokalen Energieversorger zur Verfügung gestellt werden, der im Gegenzug den erzeugten Strom vergünstigt an den Landkreis abgibt.

2024 soll PV-Anlage am Netz sein

„Ich freue mich total, dass ihr euch darüber Gedanken macht“, bedankte sich Pundt für den Denkanstoß. Auch innerhalb der Kreisverwaltung habe man bereits verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten abgewogen und denke über den Betrieb durch eine Energiegenossenschaft oder auch zur Eigenversorgung nach. Die Planung für die PV-Anlage des Gymnasiums liege bereits vor, auch im Kreistag sei das Vorhaben bereits vorgestellt worden, so Pundt. Spätestens 2024 solle die Anlage in Betrieb gehen. „Vielleicht kriegen wir es jetzt auch noch schneller hin“, sagte er an die Gymnasiasten gewandt.

Pundt berichtete vom erklärten Ziel des Landkreises, so schnell wie möglich klimaneutral zu werden. So sei nicht nur geplant, alle kreiseigenen Immobilien, sofern geeignet, mit Photovoltaik auszustatten. Auch die Fahrzeugflotte des Kreises werde komplett auf E-Antrieb umgestellt. Den erforderlichen Strom, so der Plan der Kreisverwaltung, sollen sie künftig von Photovoltaikanlagen auf dem Parkplatz des Kreishauses in Wildeshausen beziehen. Bereits weit vorangeschritten ist laut Pundt der Plan, auf dem Dach der Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) in Ganderkesee eine Anlage zu installieren. Diese soll von einer Energiegenossenschaft betrieben werden.

Solarkataster ermöglicht Potenzialanalyse

Als beendet sieht die Klasse 7m ihre Mission unterdessen noch nicht: „Es wäre supertoll, wenn alle Dächer der Schule zugepflastert werden könnten“, sagte Enno. Ob auch dieses nächste Etappenziel auf dem Weg zu mehr Klimaschutz realisierbar wäre, können die Schüler mit einfachen Mitteln selbst recherchieren: Landrat Pundt warb für das Solarkataster des Kreises im Internet, in dem für jede Immobilie eine Potenzialanalyse vorgenommen werden kann. „Das, was geht, werden wir umsetzen“, versprach Pundt den Schülern. Auch die Möglichkeit zur „Erfolgskontrolle“ sollen sie für ihren Vorstoß bekommen: eine Anzeigetafel, die künftig im Schulgebäude den Ertrag der Sonnenstrom-Ernte anzeigt.


 

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