So wirken sich Hitze und Trockenheit auf die Ernte aus

Artikel vom 21.07.2022

Imke Harms

Kontrolle auf dem Feld: Jannik Haverkamp und sein Sohn begutachten die Wintergerste. Der Linteler Landwirt ist besorgt um die nun kommende Mais- und Triticale-Ernte. Bild: Privat

Hohe Preise für Diesel und Dünger, eingeschränkte Versorgungslage bei Getreide – und jetzt auch noch Hitze und Trockenheit. Wer dieser Tage einen landwirtschaftlichen Betrieb führt, braucht ein dickes Fell. Oder besser einen Ventilator. Wie steht es mit der Ernte im Landkreis Oldenburg?

 RWG Hunte-Weser

Andreas Forster kümmert sich bei der Raiffeisen Warengenossenschaft Hunte-Weser als Bereichsleiter in Wildeshausen um den Bereich Landwirtschaft. „Besonders hart ist dieses Jahr das Preisgefüge – und zwar in jeder Hinsicht. Zwar werden die Erlöse steigen – aber die mindestens um das Doppelte gestiegenen Betriebsmittel fressen alles wieder auf.“ Die Wintergerste lief gut – wider Erwarten. Bei der restlichen Ernte müsse man noch abwarten, sagt Forster, doch er wagt eine Prognose: „Aus Erfahrung wissen wir, dass, wenn die Gerstenernte gut ausfällt, das Gegenteil bei Weizen und Roggen der Fall ist.“ Wissen könne man das aber erst, wenn die Saison abgeschlossen sei. „Die Wahrheit kommt auf der Waage.“ Generell werde ihm rückgemeldet, dass die Liquidität auf den Höfen angespannt sei. „Wir wissen nicht, wo es hingeht mit den Preisen für Saatgut. Der Dünger bleibt wahrscheinlich auf dem hohen Niveau“, schätzt der Experte. Die Lage sei eine Herausforderung. „Und der müssen sich Landwirte und der Handel stellen.“

Hof in Lintel

Das weiß auch Jannik Haverkamp (28) aus Lintel. Gemeinsam mit seinen Eltern und seiner Frau betreibt er Ackerbau und mästet Schweine, bewirtschaftet rund 140 Hektar. „Wir haben in Hude leichte Sandböden, die speichern kein Wasser. Dieses Jahr ist der Punkt gekommen, wo wir das massiv an den Erträgen merken werden“, mutmaßt er. Er kann Andreas Forster bestätigen, auch bei ihm und seiner Familie lief die Gersten-Ernte „besser als erwartet“. Doch: „Für den Mais und das Grünland ist die Trockenheit schlimm. Der Mais krüllt die Blätter auf und versucht so, die Verdunstung zu minimieren.“ Auf dem Hof der Haverkamps ist das deshalb nachteilig, weil sie das Getreide nicht verkaufen, sondern selbst verfüttern. „Wir haben enorme Produktionskosten, aber es bleibt kaum was hängen. Und wenn es schlecht läuft, müssen wir noch Futter zukaufen.“

Aktuell ist die Ernte der Triticale gestartet, einer Kreuzung aus Roggen und Weizen. „Bisher ist es mau. Kleines Korn, schlechter Ertrag“, bilanziert Jannik Haverkamp. Zum Glück lebe die Familie nicht ausschließlich vom Ackerbau. Das sei zu unsicher. „Die Wetter-Extreme werden heftiger. Die Schwankungen sind enorm und Niederschlagsmengen ungleichmäßig.“ Planungssicherheit habe man keine: „Es werden dreimal täglich die Preise angepasst. Man weiß nicht mehr, womit man rechnen soll.“

Jannik Haverkamp verliert aber nicht den Mut, will an den Herausforderungen wachsen. „Ich denke zum Beispiel über neue Fruchtfolgen nach. Darüber, ob man trockentolerantere Sorten eingliedern kann. Ich hoffe auf Züchtungen, die hitzebeständiger sind. Und auf Regen.“


 

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