Spektakuläre Funde im Neubaugebiet

Dirk Dödtmann legt einen Steinbrunnen frei (großes Bild). Stephanie Böker (kleines Bild) leitet die Ausgrabungen in Großenkneten. Fotos: Jana Wollenberg

Großenkneten – Eigentlich sollte auf der Fläche an der Döhler Straße in Großenkneten, am Abzweig zur Straße „Lehms“, Wohnraum entstehen. Kurz nachdem die Arbeiten losgingen, war aber vorerst Schluss: Ein Fund am Rande der Baustelle deutete darauf hin, dass hier schon vor mehr als 800 Jahren Menschen ihre Spuren hinterlassen haben.

Seit Ende September ist Grabungsleiterin Stephanie Böker mit einem Team vom Archäologiebüro Nordholz aus Bremen damit beschäftigt, diese Spuren zu Tage zu befördern. In dieser Woche sollen die Arbeiten beendet sein.
Angestoßen hat die Ausgrabungen ein Fund von Gemeindearchivar Dirk Faß. Was er entdeckt hat, ist ein „Grapenfuß“, wie Böker erklärt: Ein Stück von einem Kochgefäß mit drei Beinen, das über dem Feuer steht. Im Laufe der Grabungen sei dann immer mehr Keramik gefunden worden, erzählt die Archäologin.

„Aber was für uns viel spektakulärer ist, sind die Hausgrundrisse.“ Drei davon, die sich gegenseitig überlagern, haben Böker und ihre Kollegen entdeckt. Die Häuser standen dort also nicht gleichzeitig, sondern nacheinander.

Für das Laienauge auf den ersten Blick kaum zu sehen: Die Grundrisse werden durch Holzpfosten erkennbar, die beim Bau im Boden verankert wurden. An den meisten Stellen deuten nur Verfärbungen im Sand darauf hin, wo diese gestanden haben.
Dazu kommen drei Brunnen – einer aus einem ausgehöhlten Baumstamm, ein Feldsteinbrunnen und ein dritter, der noch nicht genauer bestimmt wurde.

Über vieles kann die Archäologin nur Vermutungen anstellen. Zum Beispiel darüber, wie genau die Häuser ausgesehen haben, auf die sie und ihre Kollegen gestoßen sind. Fest steht aber: „Es ist eine mittelalterliche Siedlungsstelle“, sagt Böker. Das erste der drei Häuser sei im 12. Jahrhundert entstanden. „In der Nachbereitung können wir die Grundrisse zuordnen.“ Diese können dann mit denen anderer Häuser aus der gleichen Zeit verglichen werden. Das neueste der Häuser in Großenkneten könnte noch in der Neuzeit, also nach dem 15. Jahrhundert, dort gestanden haben, meint Böker.

„Wir waren weniger überrascht, weil es in der Vergangenheit immer wieder Funde gegeben hat“, sagt Peter Nieslony, Leiter der Unteren Denkmalbehörde des Landkreises. Aber die Dichte und Intensität, in der die Funde vorlägen, seien schon etwas Besonderes.

Auch vom Zustand des Gefundenen ist die Archäologin begeistert: „Es ist selten, dass man so gut erhaltenes Holz hat.“ Einer der Holzpfosten sei fast vollständig erhalten. Er habe überlebt, weil er genau unter dem Fundament einer Mühle lag, die später auf dem Gelände gestanden hat, meint die Expertin.

„Wenn wir wieder weg sind, ist die Archäologie auch weg“, sagt Böker. Was auf der Fläche gefunden werde, werde genau dokumentiert, das meiste gehe während der Ausgrabungen kaputt. Die Fundstücke wie der Grapenfuß, den Dirk Faß entdeckt hat, werden archiviert.

Der Wohnraum, der an der Döhler Straße entstehen soll, ist durch den Fund nicht gefährdet. „Es wird ausgegraben, was ausgrabungswürdig ist, geborgen, was bergungswürdig ist, und anschließend wird die Baustelle freigegeben“, erklärt Nieslony. Durch das Vorhaben sei eine Verzögerung von ungefähr sechs Wochen entstanden.

Finanziell werden die Ausgrabungen aber ihre Spuren hinterlassen. Die Kosten für die Arbeiten trägt der „Verursacher“ – in diesem Fall also der Bauherr.


 

Liveticker

Weitere interessante Artikel

Viel Unruhe auf den Feldern

Landkreis – „Zurzeit ist viel Unruhe auf den Feldern“, sagt Jan-Bernd Meyerholz, Leiter des Hegerings Ganderkesee. Durch die Ernte auf den Maisflächen verlören viele ...

Heimliches Comeback des Fischotters

Landkreis – Immer wieder hat es in den vergangenen Jahren Hinweise auf die Rückkehr des Fischotters in den Landkreis Oldenburg gegeben. Hier fanden sich mal Trittsiegel, dort lagen ...

Keine Indizien für rechtsradikale Szene

Gandserkesee – Eine rechtsradikale Szene gibt es in Ganderkesee definitiv nicht!“ Mit Entschiedenheit wies Bürgermeisterin Alice Gerken in der vergangenen Woche im Gespräch mit ...

Zeitgemäß Vergangenheit bewahren

Kirchhatten – Eine optisch überzeugende Mischung aus Alt und Neu: So präsentiert sich der jetzt offiziell eröffnete neue Vorplatz des Hatter Rathauses. 481.000 Euro hat die ...