Spieldorf-Haus dokumentiert NS-Kultstätte

In Haus 21 des Spieldorfs brennt wieder Licht: Handwerker haben mit der Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes begonnen, das künftig das Informationszentrum Freilichtbühne Bookholzberg (IFB) beherbergen soll. Foto: Karoline Schulz

Bookholzberg – Lange hatte das Haus 21 im sogenannten Spieldorf auf dem Gelände des Berufsförderungswerks in Bookholzberg im Dornröschenschlaf gelegen – nicht gerade zum Vorteil des Erhaltungszustandes des denkmalgeschützten Gebäudes. Doch seit wenigen Tagen brennt hinter den Sprossenfenstern endlich wieder Licht: Die Sanierungsarbeiten für das künftige Informationszentrum Freilichtbühne Bookholzberg (IFB) haben begonnen.

Die Freilichtbühne und das Spieldorf diente zur NS-Zeit als Aufführungsort für das Bühnenstück „De Stedinge“ des Oldenburger Heimatdichters August Hinrichs. Die Veranstaltungen auf der modernen Thingstätte, die von der NSDAP als „Oberammergau des Nordens“ bezeichnet wurde, sollten als „weltanschauliche und politische Kraftquelle aller Menschen im Raume Weser-Ems“ wirken. Im Haus 21 der ehemaligen NS-Kultstätte soll zukünftig das IFB die Geschichte des Spieldorfes durch Bücher, Fotos, Dokumente und Artefakte dokumentieren und präsentieren.

Nachdem kürzlich das Amt für regionale Landesentwicklung Weser-Ems die beantragten 100.?000 Euro aus dem EU-Förderprogramm Leader freigegeben hatte, ging alles ganz schnell: Die Gemeinde Ganderkesee, die das Gebäude im Oktober 2019 für 50.000 Euro von der Landesstiftung für berufliche Rehabilitation erworben hatte, konnte die Aufträge für die Bauarbeiten vergeben. Insgesamt 257.000 Euro sind für die Sanierung veranschlagt.

Vorige Woche hat ein Oldenburger Malereibetrieb damit begonnen, die alten Türen und Doppelfenster abzuschleifen. Letztere sollen neu gekittet werden und – nach den Vorgaben des Denkmalschutzes – einen leinölbasierten Anstrich erhalten.

Auch das Ständerwerk außen gilt es einer Frischzellenkur zu unterziehen – ebenfalls nach den Vorgaben der Behörde: So kann das Holz nicht maschinell bearbeitet, sondern muss von Hand mit einer Messingbürste gereinigt werden.

Ihre Arbeit im künftigen Informationszentrum aufgenommen hat auch eine Ganderkeseer Tischlerei: Sie sind damit betraut, die Türzargen im Innenraum auszutauschen und die Türblätter anzupassen oder zu erneuern.

Das verwitterte Reetdach wird ebenso erneuert wie das Ständerwerk ersetzt wird. Dazu wird das Gefache erst entnommen und abschließend wieder eingesetzt.  Zum Schutz der Holzfußböden sollen Hartfaserplatten verlegt werden und auch die Elektrik wird komplett erneuert.

Einen echten Motivationsschub erhalten haben mit dem Förderbescheid und der Auftragsvergabe die ehrenamtlich tätigen „Motoren“ des Projekts – der Förderverein Freilichtbühne Bookholzberg und der Arbeitskreis „Stedings­ehre“. Beide müssen seit vielen Jahren langen Atem beweisen. „Wenn der Bauzeitenplan vorliegt, können wir uns darauf fokussieren“, so Fördervereins-Vorsitzender Dietmar Mietrach.

Auch Mietrach will demnächst einen Förderantrag auf den Weg bringen: 86?.000 Euro für die Innenausstattung des IFB wünscht sich der Verein aus dem Leader-Programm. Zum weiteren Zeitplan sagte Mietrach, dass die Gemeinde eine Übergabe des Gebäudes im ersten Halbjahr 2021 in Aussicht gestellt habe.


 

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