Stecken Rechte hinter Anschlag?

125 Einsatzkräfte kämpften bis in die Morgenstunden gegen das Feuer in dem Ganderkeseer Restaurant. Foto: Nonstopnews

Ganderkesee – Ein Brand im ehemaligen Bahnhofsgebäude in Ganderkesee hat in der Nacht zu Mittwoch einen Schaden von geschätzt 500.000 Euro verursacht. Erste Ermittlungen der Polizei deuten darauf hin, dass das Feuer im Restaurant „Gantero“ durch einen rechtsmotivierten Brandanschlag entstanden ist. Ganderkesees Bürgermeisterin Alice Gerken zeigte sich tief betroffen.

Rechte Symbole entdeckt

Bei einer Untersuchung der Brandruine fanden die Ermittler Nazi-Symbole vor: Ein Hakenkreuz und die für den Hitlergruß stehende Zahl „88“ veranlassten die Brandspezialisten der Polizei und den Staatsschutz zur Bildung der gemeinsamen Ermittlungsgruppe „Gantero“.

Dass es sich um einem Brandanschlag gehandelt hat, darauf deuten auch Hinweise auf ein gewaltsames Eindringen in das Gebäude hin, berichtete eine Polizeisprecherin. Experten der Polizei Delmenhorst hatten am frühen Mittwochmorgen nach Ende der stundenlangen Löscharbeiten zudem Flaschen mit Brandbeschleuniger sichergestellt. Gebrannt habe es gleich an zwei Stellen: Wie der Einsatzleiter, Ganderkesees Ortsbrandmeister Axel Hollmann, erläuterte, zunächst im Dachstuhl: „Beim Eintreffen der ersten Einsatzkräfte schlugen schon 20 Zentimenter hohe Flammen aus dem Dach.“ Aufgrund der starken Rauchentwicklung sei erst nach rund zwei Stunden ein zunächst unentdeckter Kellerbrand bemerkt worden. Das bloße Übergreifen der Flammen vom Dach in den Keller hält der Einsatzleiter hingegen für unwahrscheinlich.

Ein rechtsmotivierter Brandanschlag werde nicht ausgeschlossen, erklärten Staatsanwaltschaft Oldenburg und Polizei Delmenhorst in einer gemeinsamen Pressemitteilung.

Jan Krieger von der Mobilen Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus des Landes Niedersachsen wies auf die Parallelen zu Brandanschlägen auf Restaurants in Syke (Kreis Diepholz) und Gnarrenburg (Kreis Rotenburg) hin: „In allen drei Fällen haben die Betreiber der Lokale einen Migrationshintergrund“, sagte Krieger. Ganderkesee müsse sich jetzt hinter die Opfer stellen.

Gegen 3.15 Uhr war die Feuerwehr zu dem Brand an der Wittekindstraße gerufen worden. 125 Brandbekämpfern aus fünf der sechs Ganderkeseer Ortsfeuerwehren, der Berufsfeuerwehr Delmenhorst sowie der Schnelleinsatzgruppe des DRK kamen zum Einsatz. Aufgrund des raschen Einsatzes der Kräfte konnte ein Übergreifen der Flammen auf andere Gebäude verhindert werden. Verletzt wurde niemand.

Die Löscharbeiten direkt an der Bahnstrecke Delmenhorst-Hesepe waren erst gegen 9 Uhr beendet. Wegen der Nähe zu den Gleisen musste der Zugverkehr zwischen Delmenhorst und Wildeshausen eingestellt werden.

Ganderkesee ist schockiert

Bürgermeisterin Alice Gerken sagte am Mittwoch: „Sollte sich ein rechtsmotivierter Hintergrund bestätigen, wäre das ein großer Schock für mich und die Bürgerinnen und Bürger in unserer Gemeinde.“ Eine solche Tat stünde gegen alles, wofür die Gemeinde Ganderkesee stehe – Ganderkesee sei bunt, offen und tolerant.


 

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