Texte mit dem Handschuh eingeben

Großes Talent: Emma Schiller macht 2022 ihr Abitur mit Schwerpunkt Elektrotechnik am BZTG – mit ihren Spezial-Handschuhen hat sie bei „Jugend forscht“ überzeugt. Foto: Lüllmann

Huntlosen – Nachrichten im Unterricht schreiben? Kann gefährlich sein. Mindestens, wenn man erwischt wird. Emma Schiller aus Huntlosen, Schülerin der Klasse 12 des Technischen Gymnasiums am Bildungszentrum für Technik und Gestaltung (BZTG) in Oldenburg wollte genau das nicht: erwischt werden. Dafür hat sie die Wireless Input GloveS (WINGS) entwickelt.

Braille-Prinzip genutzt

WINGS sind veränderte Handschuhe. Allein durch das Berühren der behandschuhten Fingerkuppen mit den Daumen kann Emma nun Texte auf elektronischen Endgeräten schreiben. Orientiert hat sie sich dafür an der Brailleschrift – den Schriftzeichen der Blindenschrift. Eine bestimmte Finger-Daumen-Kombination steht für einen bestimmten Buchstaben.

Und was macht man mit dieser von vielen Schülern sehnlichst erwarteten Erfindung? Man meldet sich bei Jugend forscht an.

„Emma hat noch vor Corona den WINGS-Prototypen beim Jugend forscht-Regionalwettbewerb in Emden 2020 vorgestellt und diesen fulminant gewonnen“ sagt Rainer Lüllmann, Lehrkraft am BZTG. Das Landesfinale ist dann wegen Corona ausgefallen.

Emma hat die kontaktarme Zeit genutzt, um den Prototypen weiterzuentwickeln. „Ich habe mich gefragt, ob die Handschuhe nicht auch von Menschen mit beeinträchtigtem Sehvermögen zum Schreiben von Nachrichten genutzt werden können“, beschreibt sie ihre Motivation, weiter zu machen. „Und das geht. Nun wird das Berühren der Fingerkuppen von einem Mikrocontroller ausgewertet und anschließend über Bluetooth an ein empfangendes Gerät, zum Beispiel das eigene Handy, übertragen.“

Mit dieser Weiterentwicklung gewann Emma im Februar erneut den Regionalwettbewerb – und die Berechtigung für das Landesfinale. Und sie kehrt hochdekoriert ins Oldenburger Land zurück: Ihr Engagement wurde nicht nur mit Platz 3 im Fachgebiet Technik, sondern mit den Sonderpreisen der Christoffel-Blindenmission und des IT-Dienstleisters Adesso gewürdigt. Zudem wurde sie von der „Stiftung Jugend forscht“ als einzige Teilnehmerin Niedersachsens zum Studienseminar im Kerschensteiner Kolleg des Deutschen Museums in München eingeladen.

Teilnahme „tolle Chance“

Emma freut sich darüber in der ihr eigenen freundlich-bescheidenen Art: „Die Hinweise der Fachjurys haben mir neue Impulse gegeben und waren für mich noch wertvoller als die ganzen Preise.“

Zum zwölften Mal in Folge war das BZTG beim Regionalwettbewerb in Emden. Fünf Mal gewannen die Schülerinnen und Schüler. Rainer Lüllmann sagt: „Jugend forscht bietet die Möglichkeit, ein technisches Projekt selbstständig zu bearbeiten und dafür eine fachlich versierte Rückmeldung zu bekommen. Und er ergänzt: „Ich würde mir wünschen, dass sich noch mehr junge Frauen für einen technischen Ausbildungsberuf oder ein technisches Studium entscheiden. Emma zeigt, dass das sehr gut funktioniert.“ Und Emma? Sie freut sich auf die Rückkehr in den Präsenzunterricht. „Ich muss da doch meine Handschuhe noch einsetzen.“ Natürlich ohne erwischt zu werden.


 

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