Aus Übergang wurden 40 Jahre

Artikel vom 17.09.2021

Dr. Jan Spiller, leitender Arzt der Klinik Stenum, fuhr Pflegedienstleitung Ingeburg Masukowitz nach ihrem Abschied mit dem historischen Krankenwagen nach Hause.BILD: BUDDE

STENUM – Es war ein emotionaler Tag in der Fachklinik für Orthopädie in Stenum: Nach knapp 40 Jahren verabschiedete das Team die Pflegedienstleitung Ingeburg Masukowitz in den Ruhestand. „Es ist ein Stück Geschichte, das geht“, sagte Daniela Wolff, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit, nicht ohne Bedauern.
Eigentlich gelernte Kinderkrankenschwester, kam Ingeburg Masukowitz 1981 in die Stenumer Klinik. „Das war Erwachsenenpflege, also was ganz anderes“, erinnerte sich die 63-Jährige zurück. „Ich habe erst gedacht, hier bleibe ich nicht.“ Doch aus dem „Übergang“ wurden letztlich 39 Jahre und elf Monate.

Pflege ist noch Pflege

Angefangen hat Ingeburg Masukowitz mit einer geteilten Stelle. „Das war schon sehr modern damals“, betonte Daniela Wolff. „Meine erste Station war eine reine Männerstation, das war als Kinderkrankenschwester erst komisch. Aber man wächst mit seinen Aufgaben“, erzählte Ingeburg Masukowitz.
Aus Teilzeit wurde eine Vollzeitstelle und schließlich eine Position als stellvertretende Stationsleitung. 2005 „rutschte“ sie in eine Stabsstelle und arbeitete der Pflegedienstleitung zu, die sie 2012 selbst übernahm.
Dazu beigetragen, dass sie schließlich doch so lange in Stenum blieb, haben auf jeden Fall die familiäre Atmosphäre und der Zusammenhalt untereinander, so Ingeburg Masukowitz. Die Klinik sei ein spürbar kleines Haus, in dem jeder jeden kennt: „Füreinander einspringen, füreinander da sein, das ist Stenum“, fasst die Ex-Pflegedienstleitung zusammen.
Wichtig war ihr außerdem immer, dass in der Klinik Pflege noch Pflege ist: „Der Patient steht hier immer noch an erster Stelle.“ Die Mitarbeiter hätten auch Zeit, mit den Patienten einfach mal zu reden. Das liegt einerseits an der recht guten Personallage – von etwa 125 Mitarbeitern insgesamt seien etwa 40 bis 45 Personen in der Pflege beschäftigt, verteilt auf 23 Vollzeitstellen. Andererseits hängt es auch damit zusammen, dass es keine Akutfälle gebe, alle Eingriffe sind geplant.

Viele Veränderungen

In der langen Zeit hat Ingeburg Masukowitz viele Veränderungen mitbekommen, Umbaumaßnahmen, Vergrößerungen, die Einführung der digitalen Patientenakte. Auch an nicht so schöne Erlebnisse erinnert sie sich: „Das Schlimmste war für mich der Brand ’89. Nicht zu wissen, ob es weitergeht.“
Dennoch hat sie ihre Berufswahl nie bereut: „Ich wollte das immer. Ich arbeite gern mit Menschen und kann gut zuhören“, beschreibt die 63-Jährige ihre Motivation. Jetzt freut sich die Delmenhorsterin auf ihren Ruhestand, auf mehr Zeit mit ihrem Mann und für ihren Garten und ihrem Hobby, dem Malen, endlich wieder zu frönen. Nicht zuletzt möchte sie ihre Tochter in England häufiger besuchen.
In der Stenumer Klinik wird die Pflegedienstleitung schwierig zu ersetzen sein, war sich Dr. Jan Spiller am Dienstag sicher: „Sie ist ein Vorbild in ihrer Einsatzbereitschaft und Kommunikation und eine der ehrlichsten und gutmütigsten Mitarbeiterinnen, die wir je hatten – und eine der temperamentvollsten“, sagte der leitende Arzt schmunzelnd. Bei Ingeburg Masukowitz habe man immer gewusst, woran man ist.
Neben einem emotionalen Abschiedsvideo und Geschenken wartete eine besondere Überraschung auf Ingeburg Masukowitz: Dr. Jan Spiller fuhr sie mit dem historischen Krankenwagen, Baujahr 1972, nach ihrem letzten Tag nach Hause.


 

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