Veranstaltungstechniker sehen rot

Artikel vom 18.01.2022

Verena Sieling

Aufnahme vom Juni 2020 in Döhlen: „Hubert Light & Sound“ beteiligte sich an der „Night Of Light“.  Bild: Hubert Light & Sound

Wie hält sich während der Pandemie eine Branche über Wasser, die vor allem für Veranstaltungen die Technik organisiert? Möglichkeiten gibt es – welche, das erklärt Christian Hubert.

Christian Hubert arbeitet in einer Branche, die, wie er selbst sagt, sehr leise sei. Dabei sorgt sie wiederum dafür, dass der Ton zum richtigen Zeitpunkt stimmt: die Veranstaltungstechnik. Man könnte sagen, dass Huberts Firma in Großenkneten „Hubert Light & Sound“ in der Corona-Krise bisher mit einem blauen Auge davongekommen ist.

Absagen

„Wir haben sehr viel Zeit damit verbraucht, Sachen zu stornieren und umzuplanen“, blickt der Firmenchef auf die vergangenen anderthalb Jahre zurück. „Den Sommer über lief es einigermaßen. Ab Spätherbst kamen wieder Absagen – wir haben keine Planungssicherheit.“ Ein Gros der Veranstaltungen seien von Stammkunden, die für gewöhnlich Jahr für Jahr zur gleichen Zeit stattfinden – und die mit einigen Monaten Vorlauf geplant würden. Allein in dem Bereich sei einiges ausgefallen. „Alles, was wir sonst ein Jahr vorher planen konnten, war in der Schwebe. Und das wird auch so bleiben.“ Von den Aufträgen, die Hubert und sein Team zuvor gehabt hatten, sei in der Pandemie nur ein Viertel geblieben.

Neue Möglichkeiten

Natürlich seien in der Pandemie auch neue Aufträge hinzugekommen, sagt Hubert. Sein Unternehmen habe vermehrt in die Medientechnik – also Video- und Streamingtechnik – investiert. Stärker nachgefragt gewesen seien Online-Formate, „von Veranstaltungen, digitalen Versammlungen bis Schulungen“. Vor Ort, wo die Übertragung ins Internet gestartet wird, sorgt seine Firma dafür, dass Bild, Ton und Ausleuchtung stimmen. Zurzeit hat Hubert zwei Festangestellte. Auch digitale Konzertübertragungen plante die Firma: mit mehreren Kameras, Effekten, Dekorationen – „der Aufwand ist nicht gering“, sagt Hubert. Hinzu komme der Verkauf: So rüstete das Unternehmen in der Corona-Zeit Schulen für die Digitalisierung um. Dazu kamen Reparaturen an Beschallungsanlagen in der Gastronomie. Der Verkauf habe geholfen – sonst wäre es schwierig geworden, sich über Wasser zu halten, meint Hubert.

Ausblick

„Meiner Meinung nach wird das bleiben“, sagt Hubert bezüglich der Online-Übertragungen. Er denkt an Verbandsversammlungen, bei denen Personen aus einem weiteren Umfeld anreisen – und die auch künftig online an solch einer Versammlung teilnehmen könnten. Auch seien schon Nachfragen gekommen, ob eine Videoübertragung während einer Veranstaltung möglich wäre – beispielsweise würde der DJ dann gefilmt und auf Leinwände übertragen werden. Nicht für die Zuschauer vor heimischen Endgeräten, sondern innerhalb der Veranstaltung als zusätzliches Gestaltungselement, erklärt Hubert.

Unterstützung

Corona-Hilfen würden zwar in der Veranstaltungstechnik-Branche ausgeschüttet. „Aber wir haben kaum etwas bekommen“, sagt der Döhler. „Das mag bei anderen Firmen anders gewesen sein.“ Die finanzielle Hilfe sei sehr starr ausgelegt. „Wir sind immer wieder durch die Anforderungspunkte gefallen. Die Branche ist groß und facettenreich – das wird nicht berücksichtigt.“ Das sorge für großen Ärger und Aufruhr bei Kolleginnen und Kollegen. Weil die Branche so vielschichtig sei, habe sie vor Corona zudem kein zentrales Sprachorgan gehabt. Das habe sich während der „Night Of Light“ bemerkbar gemacht: 2020 hatten mehrere Betriebe Gebäude rot angeleuchtet, um auf deren schlechte Situation aufmerksam zu machen. „2021 gab es das auch. Es hat aber medial kein Interesse mehr geweckt. Viele Betriebe haben nicht mehr mitgemacht.“

Fazit

Vielen Betrieben gehe es immer noch schlecht, fasst Hubert zusammen. „Für uns ist die Lage auch angespannt.“ Was die leise Branche leiste, würden einige Leute nicht hören, bedauert er. Eine Veranstaltung müsse geplant, aufgebaut, betreut, abgebaut, die Geräte gewartet werden: „Es ist ein riesen Grundaufwand.“


 

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