Vom Landwirt zum Chef einer Mietwagenflotte

Artikel vom 28.12.2022

Dirk Wieting

Verdient heute als Taxiunternehmer und Fahrzeugaufbereiter sein Geld: Heiko Stubbemann. Bild: Dirk Wieting

Eigentlich wäre Heiko Stubbemann gerne Kfz-Mechaniker geworden – eine Ausbildung absolvierte er dann aber in der Landwirtschaft. Heute betreibt der 56-Jährige in Ganderkesee ein Taxiunternehmen.

In seinen bisherigen 56 Jahren hat er schon so manche Höhen und auch Tiefen erlebt, so fing er zum Beispiel im Alter von 50 Jahren beruflich praktisch wieder bei null an. Die Rede ist von Heiko Stubbemann.

Aber der Reihe nach. Heikos Eltern hatten in der Gemeinde Hude einen landwirtschaftlichen Betrieb, auf dem er mit seinen fünf Geschwistern aufgewachsen ist. Natürlich musste er schon früh auf dem Hof mithelfen. „Mit acht Jahren saß ich schon auf dem Trecker und habe das Heu gewendet“, erinnert sich Heiko. Auch das Melken der Kühe oder das Ausmisten der Schweine machte ihm Spaß. Gerne ging er auch ins Huder Freibad zum Schwimmen oder begleitete seinen Onkel zum Angeln. Schon früh zeigte er auch sein musikalisches Talent. Im Vielstedter Spielmannszug spielte er Fanfare und Trompete.

Alle diese Freizeitaktivitäten machten ihm viel Spaß, aber seine Leidenschaft waren Autos. Zusammen mit einem seiner Brüder hatte Heiko in der Scheune seiner Eltern in einer Ecke eine kleine Werkstatt eingerichtet. In jeder freien Minute wurde an Autos geschraubt. Während seiner Schulzeit machte er ein Praktikum im Autohaus Leverenz. Nur zu gerne hätte er eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker gemacht, aber zu der Zeit gab es keine freien Lehrstellen. Als Alternative absolvierte er eine Ausbildung zum Landwirt. Nach der bestandenen Prüfung passte es gut, dass das Lohnunternehmen E. Meyer für seinen landwirtschaftlichen Betrieb einen Mitarbeiter suchte. Mit dem jungen und engagierten Heiko Stubbemann war dieser schnell gefunden.

So mancher wäre mit dieser Arbeit ausgefüllt gewesen – nicht aber Heiko. Da seine Eltern einen Pachtbetrieb bewirtschafteten, wollte Heiko gerne etwas Eigenes. Ebenfalls in der Gemeinde Hude baute er zusammen mit seinen Eltern, neben seiner Anstellung bei Meyer, ein Wohnhaus und Stallungen für Rindviehhaltung und Hähnchenmast. Damit aber immer noch nicht genug. Im Alter von 20 Jahren war Heiko bereits verheiratet und Vater von Andre (heute 36), etwas später vergrößerte Nicole (heute 31) die junge Familie.

Nach fünf Jahren auf dem Familienbetrieb von E. Meyer konnte Heiko in Sage-Haast die Stelle als stellvertretender Betriebsleiter auf einer Legehennenfarm antreten. Nach sieben Jahren wechselte er, wieder als stellvertretender Betriebsleiter, zum Unternehmen „Gutshof Ei“ – ebenfalls in Sage-Haast. Nach einigen Jahren sah er auf einem Betrieb für Champignonzucht eine noch bessere Perspektive für sich. Doch da sollte er sich täuschen. Nach zwei Jahren mussten Stellen abgebaut werden und alle Mitarbeiter, die zuletzt eingestellt wurden, mussten gehen – und dazu gehörte auch Heiko Stubbemann.

Was nun? Da passte es perfekt, dass die Zimmerei Claußen in Hude Mitarbeiter suchte. Die Arbeit in luftiger Höhe machte Heiko viel Spaß. Da zu der Zeit die Hähnchenmast nicht rentabel war, gab er den landwirtschaftlichen Betrieb auf. Vielleicht würde er heute noch als Zimmermann arbeiten, wenn ihm seine Gesundheit keinen Strich durch die Rechnung gemacht hätte. Heiko stand oben auf dem Dach, als ihm von einer Sekunde zur anderen seine Bandscheibe große Probleme bereitete. Auf einer Europalette und per Kran wurde er vom Dach heruntergeholt. Als Zimmermann arbeiten konnte er nun nicht mehr.

Seine Ehe war inzwischen gescheitert. Mit seiner neuen Lebensgefährtin hatte er mit Jonas (heute 25) noch einen weiteren Sohn bekommen. Schon während seiner Zeit bei der Zimmerei verdiente Heiko sich als Taxifahrer noch Geld dazu. Er übernahm 2005 ein Taxiunternehmen in Ganderkesee und er machte seine Leidenschaft zu den Autos zum Beruf.

Taxifahren bedeutet aber auch, zu jeder Tageszeit und an Wochenenden bereit zu sein. Für Heiko kein Problem, so war es auch kein Wunder, dass er nach einigen Jahren schon vier Taxis in seinem kleinen Unternehmen hatte. Dann wieder ein beruflicher Rückschlag. Er trennte sich von seinem Verpächter. Was nun?

Mit 50 Jahren musste Heiko wieder ganz von vorne anfangen. Seine Freunde nannten ihn gerne „Stubby“ und so gründete er 2015 seine Firma „Stubby’s Mietwagen“. Die Zentrale war zunächst in seinem Haus in Immer, wo er mit seiner jetzigen Lebensgefährtin Kathrin lebt. Seine Kathrin lernte er übrigens durch eine Taxifahrt kennen, als er 2007 eine Kundin zu einer Arztpraxis bringen musste. Dort arbeitete Kathrin als Arzthelferin.

Seit 2016 hat Heiko die ehemaligen Räumlichkeiten von GaLaBau-Kreye gepachtet und sein Angebot um die Fahrzeugaufbereitung erweitert. In dieser Woche hat sich der Fuhrpark um ein weiteres Taxi erweitert. Dazu sucht Heiko noch weitere Aushilfsfahrer. „Stubby’s“ neue Firma läuft. „Autos waren schon immer meine Leidenschaft, und vielleicht hätte ich schon viel früher mit einem Taxiunternehmen anfangen müssen“, sagt Heiko lächelnd. Aber wie heißt es so schön: „Lieber spät, als nie.“


 

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