Warum Familie Wachtendorf ihre Erzeugnisse selbst vermarktet

Artikel vom 10.08.2022

Karoline Schulz

Das Schild muss bis zur Eröffnung am Sonntag noch angebracht werden: Alke und Kai Wachtendorf vor ihrem neuen Hofladen an der Straße Im Fladder in Immer. Bild: Karoline Schulz

Familie Wachtendorf aus Immer vermarktet die Produkte vom eigenen Hof ab sofort selbst. Was sie in ihrem Hofladen anbieten und warum dieser Schritt auch eine politische Dimension hat.

Einen Teil seiner Ställe lässt Kai Wachtendorf derzeit lieber leerstehen, als dort Schweine und Puten aufzuziehen, für die er vom Handel so wenig Geld bekommt, dass er am Ende draufzahlt. Folglich ist die Entscheidung, in die Selbstvermarktung einzusteigen, auch eine berufspolitische: „Wir wollten einfach nicht mehr so viel für den Lebensmitteleinzelhandel produzieren, weil dort die Preisstruktur von oben nach unten gedrückt wird“, begründet der Landwirt aus Immer, warum er zusammen mit Ehefrau Alke jetzt einen Hofladen eröffnet.

Zielgruppe sind zum einen Fahrrad-Ausflügler, die bei kalten Getränken und Speiseeis – Letzteres bezieht die Familie vom Hof Faß in Friedeburg – vor dem Haus eine Rast einlegen können. Ansprechen wollen Wachtendorfs aber auch Verbraucher, die sehen möchten, woher das Fleisch auf ihren Tellern stammt. Nicht nur Gänse für die Weihnachtszeit wachsen auf dem Betrieb in Immer heran, sondern auch die Puten, Rinder und Schweine, die am Ende als Fleisch in der Tiefkühltruhe des Hofladens landen.

Auch Fleischprodukte bietet Familie Wachtendorf an: Zusammen mit Metzger Marco Schnurre hat Kai Wachtendorf mehrere Sorten Bratwurst, Leberwurst, Mettwurst, Gekochte und Schinken entwickelt. „Wir haben den ganzen letzten Herbst damit zugebracht, Rezepte auszutüfteln“, berichtet der 36-Jährige. Dabei beschreitet er gern auch neue Wege. Gerade versucht er, Schinken aus Gänsebrust herzustellen. Im Herbst werde es auch Hackgrütze aus Geflügelfleisch geben, kündigt er an.

Wachtendorf lässt Kunden gerne auch einen Blick in die Ställe oder auf die Gänseweide werfen. Auch Nachfragen seien willkommen, betont er. Ab dem kommenden Jahr will die Familie Weiderinder halten, und die gute Handvoll Schweine, die auf dem Hof ausschließlich für die eigene Verwertung gehalten werden, sollen künftig auf Stroh laufen.

Aber nicht ausschließlich Fleischprodukte bieten Alke und Kai Wachtendorf in ihrem Hofladen an. Bei anderen Waren des täglichen Bedarfs kooperieren sie mit anderen Betrieben aus der Umgebung. So stammen etwa die Kartoffeln vom Hof Moorschlatt in Hengsterholz, Nudeln, Gemüse und Wieseneier vom Hof Bruns in Bergedorf, Milch und Joghurt vom Hof Kastens in Groß Mackenstedt, Käse vom Hof Haverkamp in Hurrel, Eier aus Bodenhaltung vom Hof Schweers in Munderloh und der Honig von einem Imker aus Immer. Fruchtaufstriche stellt Alke Wachtendorf selbst her. „Gerade gibt es ,Weiße Kirsche mit Zimt’ und Mirabelle von den eigenen Bäumen“, berichtet die 41-Jährige.

Abnehmer für alle Produkte und zugleich kritische Test-Esser finden sich auch in der eigenen Familie: Marleen (8) und Jan (6), die Kinder der Hofladen-Betreiber, kennen nicht nur die eigenen Erzeugnisse genau, sondern sind schon vor der Eröffnung große Fans der leckeren Eissorten.

ERÖFFNUNG AM SONNTAG

An diesem Samstag haben zunächst die Nachbarn Gelegenheit, sich „Wachtendorf’s Hofladen“ anzuschauen – am Sonntag, 7. August, beginnt der Verkauf an der Straße Im Fladder 29 dann offiziell. Täglich mindestens von 8 bis 20 Uhr, an sieben Tagen in der Woche, wird die kleine grüne Holztür, die direkt in den Verkaufsraum führt, künftig geöffnet sein.

Kunden dürfen sich selbst bedienen und gerne auch Anregungen zum Sortiment geben. Um Vorbestellung bitten die Betreiber einzig für ganze Vögel oder dann, wenn fertig mariniertes Fleisch gewünscht wird. Bezahlt werden kann in Bar und künftig auch via Paypal.


 

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