Warum Wald-Erlebnisse für Kinder wichtig sind

Artikel vom 30.12.2022

Antje Rickmeier

Marina Becker-Kückens und Martin Brinkmann (rechts) vom Regionalen Umweltzentrum Hollen zogen eine Bilanz des abgelaufenen Jahres. Die Waldpädagogik-Angebote von Mark Pietyra werden von vielen Schulklassen genutzt. Bild: Antje Rickmeier

Zurück zur Normalität ging es in diesem Jahr im Regionalen Umweltbildungszentrum Hollen (RUZ). Mehr als 900 Kurse wurden angeboten. Warum viele Kinder dabei zum ersten Mal einen Wald besuchten.

Das Regionale Umweltbildungszentrum Hollen (RUZ) ist gut durch die Corona-Zeit gekommen. Die Zahl der Veranstaltungen in Hollen und Huntlosen lag in diesem Jahr nach Angaben von Geschäftsführerin Marina Becker-Kückens bei 905 – und erreichte damit fast die Zahl aus dem Vor-Corona-Jahr 2019. „Wir konnten 2022 wieder loslegen“, sagte die RUZ-Leiterin bei der Vorstellung der Bilanz.

Ausflüge in den Wald

Da sich die Corona-Regelungen in einigen Bereichen noch auswirkten, gelang es laut Marina Becker-Kückens allerdings nicht, bei den Veranstaltungen die 1000er-Marke zu knacken. So habe das Team aus dem Lernort in Huntlosen nur wenige Kitas besuchen dürfen. Andere Angebote erlebten eine hohe Nachfrage. Dazu gehörten mehr als 100 Termine im Bereich Wald- und Naturerfahrung: „In der Corona-Zeit hat es einen Run auf die Termine gegeben“, sagte Forstwissenschaftler und Waldpädagoge Mark Pietyra. Die Kinder, die lange isoliert gewesen seien, hätten dort wieder soziales Miteinander erleben können, berichtete er.

Neuland für Kinder

Für viele Jungen und Mädchen aus Delmenhorst ist der Schulausflug zum RUZ der erste Besuch in einem Wald. Einige Kinder aus dem Stadtgebiet hätten wenig Berührungspunkte mit der Natur, sagte Mark Pietyra. „Es kommt vor, dass sie das erste Mal in den Wald gehen und ihn als Erlebnisraum gar nicht kennen.“ In seiner Arbeit geht es deshalb nicht so sehr um die Bäume und Tiere des Waldes, sondern um das Erlebnis an sich: „Mal Erde in die Hand nehmen, einen Käfer über die Hand krabbeln lassen oder ein Tipi aus Stöcken bauen“, beschreibt Pietyra seine Arbeit mit den Grundschülern. Es sei schön zu sehen, wie schnell sie im Wald ankommen würden. Allerdings sieht er auch Unterschiede: Kinder aus ländlichen Orten wie Hude sind demnach durchaus mit dem Wald vertraut.

Für die Ausflüge mit Schülerinnen und Schülern nutzt der Mitarbeiter ein Waldstück in unmittelbarer Nähe des RUZ. Früher sei er mit den Schulklassen ins Stenumer Holz gegangen. Doch seit der Wald ein Naturschutzgebiet sei, sei dafür eine Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde erforderlich.

Vorträge auch online

Auch andere Angebote des RUZ kamen 2022 gut an: Dazu gehörten Vorträge zum Insektenschutz, die per Computer auch von Zuhörern und Zuhörerinnen aus ganz Deutschland genutzt wurden. Mit einem 3D-Rundgang durch den Garten des RUZ bekommen Garten-Fans außerdem Tipps für ein insektenfreundlich angelegtes Grundstück. Besonders gefragt sind nach Angaben von Martin Brinkmann Kurse zu Energiesparen und Nachhaltigkeit. Das mache sie auch etwas betroffen, sagte Marina Becker-Kückens. „Was wir seit Jahren für den Klimaschutz machen, wird jetzt gesucht, weil es ums Geld geht.“ Zurzeit werden Poster für die Ganderkeseer Schulen erstellt, auf denen Schüler und Schülerinnen Hinweise zum Energiesparen erhalten.


 

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