Wenn die Arbeit Menschen neuen Halt gibt

von Klaus Derke

ARBEITSLOSIGKEIT - Als Ein-Euro-Kraft im Klosterbezirk tollen Rückhalt gefunden – Aber wie geht es weiter?

Als Ein-Euro-Kraft hat ein 53-jähriger Langzeitarbeitsloser im Huder Klosterbezirk tollen Rückhalt gefunden. Im September läuft die Maßnahme aus. Er möchte bleiben. Nun hoffen die Klosterfreunde und die Gutsverwaltung sowie sein bisheriger Betreuer vom Jobcenter, dass eine Anschlussmaßnahme nach dem Teilhabechancengesetz möglich sein wird.

HUDE. „Es sind keine Nummern für uns, sondern Menschen, die viel mitgemacht haben“, sagt Hans-Christian Thieme. Der Sozialarbeiter und Diakon hat in den vergangenen 15 Jahren für das Jobcenter in Wildeshausen viele Ein-Euro-Jobber betreut. Es sei so wichtig, den Betroffenen einen Weg zurück ins Leben zu ermöglichen und dafür zu sorgen, dass sie das Gefühl bekommen, nicht am Rande zu stehen und gebraucht zu werden, sagt Thieme. Er traf an seinem letzten Arbeitstag vor dem Ruhestand noch einmal den 53-jährigen Edwin Riekers in Hude. Für Thieme ein sehr positives Beispiel, wie Langzeitarbeitslose doch noch wieder langsam Fuß fassen können. Riekers arbeitet seit Anfang Dezember 2020 als Ein-Euro-Kraft für die Huder Klosterfreunde und kümmert sich um die Pflege der Anlagen der Klosterruine und des Parks.

Riekers hat viel Pech im Leben gehabt. Es fällt ihm schwer, das alles anderen Menschen zu erzählen. Am Ende ereilte ihn aufgrund seiner prekären Situation auch noch ein Herzinfarkt, von dem er sich nie ganz erholte.

Nach vielen Stationen ist er als Ein-Euro-Kraft im Klosterbezirk angekommen, unter die Fittiche genommen von Gutsverwalterin Greta von Witzleben und vor allem von Hausmeister Enno Deichmann. Die beiden sind mittlerweile ein eingespieltes Team.

Edwin Riekers hat großen Spaß an der Arbeit gefunden. Hier findet er Anerkennung und Zuwendung von den Kollegen. Jeden Morgen gut gelaunt und überpünktlich erledigt er seine Aufgaben sehr gewissenhaft. Immer im Tandem mit Hausmeister Enno Deichmann. „Fast wie siamesische Zwillinge“, sagt Greta von Witzleben. Edwin Riekers habe von allen den grünsten Daumen. Sie habe ihm auch schon ein erstes Arbeitszeugnis im Namen der Klosterfreunde ausgestellt – das beste überhaupt von allen Mitarbeitern, die bislang über das Jobcenter vermittelt worden seien.

Wirklich angekommen

Nach vielen Rückschlägen ist Riekers auf dieser Arbeitsstelle wirklich angekommen. Und er möchte hier gerne bleiben. Doch im September läuft die Maßnahme aus. Und es gibt auch keine Verlängerung, jedenfalls nicht als Ein-Euro-Jobber. Der 53-jährige würde in Hartz IV zurückfallen, seinen so wichtigen Tagesrhythmus, der ihm Halt gibt, verlieren, sagt Hans-Christian Thieme.

Eine Chance geben

„Das wäre so schade“, sagt Greta von Witzleben. Edwin Riekers müsste unbedingt eine Chance erhalten. Die gäbe es auch nach dem Teilhabechancengesetz (§ 16 i SGB II), wonach der Staat große Teile des Gehalts vorerst ganz übernimmt und danach stufenweise über fünf Jahre der Arbeitgeber einen immer größeren Anteil trägt.

Das wäre ideal, um Edwin Riekers zumindest einen Halbtagsjob zu bieten, der ihm Halt gibt. Das wäre ein „Leuchtturm-Projekt“, hieß es von allen Beteiligten. Doch im Moment seien offenbar die staatlichen Gelder für solche Maßnahmen stark begrenzt, bedauerten Hans-Christian Thieme vom Jobcenter ebenso wie auch Greta von Witzleben und Dietmar Bruns vom Verein der Klosterfreunde. Aber sie geben die Hoffnung nicht auf. „Es wäre ihm so zu wünschen, dass es doch noch klappt“, so Greta von Witzleben.


 

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