Wie die Technik das Leben von Pflegern und Pflegebedürftigen erleichtern kann

Artikel vom 17.11.2021

Stephanie Meyer

Roboter können zwar nicht die menschliche Nähe eines Pflegers ersetzen, dennoch können sie Pfleger bei ihrer Arbeit unterstützen und Aufgaben vereinfachen. Bild: Archiv/Torsten von Reeken

Die regioVHS lädt in Ganderkesee zum Vortrag über technische Unterstützung im Alter ein. Die Wissenschaftler Frerk Müller-von Aschwege und Tobias Krahn erklären, was es damit auf sich hat
Mit der Frage, wie Senioren möglichst lange im eigenen Zuhause leben können, beschäftigen sich Dr.-Ing. Frerk Müller-von Aschwege und Dr.-Ing. Tobias Krahn aus dem Pflegeinnovationszentrum (PIZ) des OFFIS in Oldenburg. Wie technische Konzepte die häusliche Versorgung und Unterstützung verbessern, neue Kommunikationsmöglichkeiten bieten und Mobilität unterstützen können. Die beiden Wissenschaftler erforschen und untersuchen den Einsatz von Robotik wie auch anderen Technologien in den verschiedenen Standorten der Pflege Zuhause, in Pflegeheimen, und auf Intensivstationen.

Frage: Herr Müller von Aschwege, Herr Krahn, Sie sprechen über Ambient Assisted Living (AAL). Was ist das eigentlich?

Müller-von Aschwege: Der Begriff Ambient Assisted Living (AAL) oder auch Ambient Health Technologies (AHT) beschreibt zunächst einmal ein Konzept und kein Produkt. Wir gehen davon aus, dass in Zukunft nicht einzelne Geräte, sondern eher hybride Produkte bestehend aus einem Gerät und einer Dienstleistung wichtig werden. Ähnlich wie Sie das auch von dem Hausnotrufsystem kennen. Dieser könnte als klassisches Produkt eines AAL-Systems angesehen werden.

Frage: Inwiefern kann denn die Technik tatsächlich Pflegekräfte ersetzen?

Krahn: Technik kann und wird Pflegekräfte nicht ersetzen, sondern „nur“ unterstützen: Pflege ist im Gegensatz zu vielen industriellen Anwendungen nicht standardisierbar und bringt für die Digitalisierung viele Herausforderungen mit sich, die auch in vielen Jahren nicht ohne Weiteres aus technischer Sicht beherrschbar sein wird, insbesondere im Bereich Robotik. Ziel ist es, mehr Zeit für die menschliche Nähe zu verschaffen und Aufgaben wie zum Beispiel die Dokumentation zu vereinfachen.

Frage: Wer kann sich so eine Technik leisten?

Müller-von Aschwege: Für Technik gilt natürlich grundsätzlich, dass der Preis von der Stückzahl abhängt. Kaufen mehr Menschen das Produkt, wird es günstiger. Grundziel ist für uns immer der Nachweis der Wirksamkeit. Wenn es uns gelingt zu zeigen, dass die Technologie am Ende mehr Kosten spart als sie verursacht, wird die Kranken- oder Pflegekasse die Zahlung voraussichtlich übernehmen.

Frage: An wen richtet sich Ihr Vortrag in Ganderkesee?

Krahn: Der Vortrag ist für alle Neugierigen, die sich fragen, wie die Zukunft wohl aussehen könnte und wie man sie vielleicht jetzt schon für sich nutzbar machen kann. Der Vortrag soll helfen, über den eigenen Tellerrand zu schauen und ein bisschen die Angst vor der Technik zu verlieren. Unser Ziel ist es, Technik als positive Unterstützung im Leben zu erfahren.

VORTRAG IM RATHAUS AN DIESEM DIENSTAGABEND

Ein Vortrag zu technischer Unterstützung im Alter findet an diesem Dienstag, 16. November, 18 Uhr, im Sitzungssaal des Rathauses in Ganderkesee, Mühlenstraße 2-4, statt. Eine vorherige Anmeldung bei der regioVHS unter Telefon 04222/44444 ist unbedingt erforderlich. Zwei wissenschaftliche Mitarbeiter des Oldenburger OFFIS – Institut für Informatik informieren über die Möglichkeiten der Unterstützung im Alter und geben einen Einblick in die aktuelle Forschung.

Dr.-Ing. Frerk Müller-von Aschwege (42) leitet am OFFIS die Forschungsgruppe „Biomedizinische Geräte und Systeme“. Er koordiniert Projekte im Bereich des Remote-Monitorings in der häuslichen Umgebung sowie der Notfall- und Telemedizin. Mit dem Thema AAL beschäftigt er sich seit 15 Jahren.

Dr.-Ing. Tobias Krahn (36) leitet die Forschungsgruppe „Assistive Technologien für Versorgung und Pflege“ und koordiniert das PIZ. Er beschäftigt sich insbesondere mit innovativen Technologien, um Pflegekräfte in ihrem Arbeitsalltag zu entlasten und Pflegebedürftige durch Technologien zu unterstützen.


 

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