„Wir sind da wirklich mit dem Herzen dabei“

Artikel vom 18.05.2022

Christin Hufer

Dürfen auch in diesem Jahr nicht fehlen: Carolin Melle liegt der traditionelle Verkauf ihrer Geranien am Herzen.
Bild: Christin Hufer

Tradition trifft auf risikoreiche Zeiten: Im Gartencenter Melle in Ganderkesee ist der Verkauf der Sommerblumen gestartet. Doch der ist nicht die Haupteinnahmequelle des Betriebs.

Wenn die Eisheiligen enden, nimmt der traditionelle Sommerblumenverkauf im Gartencenter Melle Fahrt auf. Im Interview mit dieser Redaktion erzählt Inhaberin Carolin Melle von aktuellen Trends, Ungewissheiten und persönlichen Begegnungen.

Frage: Mamertus, Pankratius und Servatius – in dieser Woche sind die Eisheiligen. Sind sie heutzutage überhaupt noch ein Thema?

Carolin Melle: Ich würde sagen, dass sie bei den jüngeren Kunden kein Thema mehr sind. Wenn sie Lust haben, den Garten zu bepflanzen, dann fangen sie auch schon im März damit an. Mit gutem Gewissen kann ich dann aber nicht sagen, dass Sommerpflanzen draußen überleben.

Frage: Weil es noch ganz schön kalt werden kann?

Melle: Ja, genau. Das haben wir ja im April gesehen. Da waren die Nächte noch ziemlich kalt. Jetzt merkt man aber schon, dass die Nächte wieder wärmer sind. Dass wir zu den Eisheiligen noch einmal Frost kriegen, denke ich nicht.

Frage: Dann kann der Verkauf der Sommerblumen ja jetzt starten.

Melle: Oh ja. Ich denke, dass es am Samstag dann richtig losgeht.

Frage: Was wird dann am liebsten gekauft?

Melle: Bekannt sind wir natürlich für unser Geranien. Aber auch unsere bunten Mixtöpfe sind immer sehr beliebt.

Frage: Werden die denn von Jung und Alt gleichermaßen gerne gekauft?

Melle: Natürlich haben wir ältere Stammkunden, die schon seit Jahrzehnten bei uns einkaufen. Die kommen vor allem für unsere Geranien. Aber die haben auch ihre Enkelkinder dabei. Und das ist uns auch sehr wichtig.

Frage: Alle Generationen anzusprechen?

Melle: Ja. Wir wollen allen etwas bieten. Letzte Woche hatten wir einen tollen Aktionstag. Da gab es beispielsweise eine Pflanz-Aktion für Kinder, Berliner und Crêpes von Mantau. Da war eben für jeden etwas dabei.

Frage: Und wie sieht es mit dem Sortiment aus? Gibt es da Trends?

Melle: Ja! Erst einmal steht Nachhaltigkeit vor allem bei jüngeren Menschen ganz klar im Fokus. Sie wollen etwas anpflanzen, was im nächsten Jahr wiederkommt. Das sind zum Beispiel Stauden und seit zwei Jahren auch Eukalyptus. Den hätte man ja vor einigen Jahren nie im Garten erwartet. Ganz beliebt sind dieses Jahr die Trommelstöckchen. Die sieht man aktuell ganz viel in den Sozialen Medien.

Frage: Trotzdem fokussieren Sie sich in ihrem Betrieb auf den Verkauf von Heide. Warum ist das so?

Melle: Der Verkauf unserer Heide an Großhändler ist unsere Haupteinnahmequelle. Der macht mittlerweile 80 Prozent unseres ganzen Umsatzes aus. Dieses Jahr erreichen wir unser Ziel, noch einmal zu expandieren. Wir konnten unseren Anbau um drei Hektar vergrößern.

Frage: Liefern Sie auch an Kunden im Ausland?

Melle: Ja. Wir vermarkten viel an die Schweiz und Österreich. Aber auch nach Skandinavien und Osteuropa. Es geht aber auch noch einiges nach Frankreich, Belgien und England.

Frage: Hat sich denn in Hinblick auf den Verkauf nach Osteuropa etwas aufgrund des Krieges in der Ukraine verändert?

Melle: Ja. Man hat gespürt, dass vor allem in Schweden und Finnland, die ja nicht in der Nato sind, sich das Denken zu Kriegsbeginn stark verändert hat. Ein Großhandelspartner hat berichtet, dass er große Probleme hat, Pflanzen zu verkaufen, weil sich die Menschen mit anderen, lebenswichtigen Dingen eingedeckt haben. Aber das ist ja auch klar. Wer möchte schon Pflanzen kaufen, wenn Krieg herrscht?

Frage: Bereiten Sie sich denn auf die Ungewissheiten vor? Gibt es einen Plan B?

Melle: Ich denke, vieles ist einfach risikoreich. Wir gehen mit unserem Anbau ja in gewisser Weise immer in Vorleistung. Klar haben wir schriftliche Zusagen von unseren Abnehmern, aber wir müssen die Heide schon eineinhalb Jahre vor Verkauf anpflanzen. Da muss man Ungewissheiten, wie die politische Lage, aber auch das Wetter natürlich, einfach einkalkulieren.

Frage: Das klingt nach einem sehr zeitintensiven Geschäft. Warum bieten sie zusätzlich noch den Verkauf von Sommerblumen an?

Melle: Das ist eine Tradition, die noch aus den Anfängen meines Vaters kommt. Mit seinen Beet- und Balkonpflanzen hat er sich einen Namen gemacht und ganz viele Preise gewonnen. Dadurch hat er einfach eine große Kundschaft aufgebaut. Natürlich kann man aber sagen, dass mittlerweile der Schwerpunkt woanders liegt.

Frage: Trotzdem wollen Sie nicht auf den Verkauf verzichten?

Melle: Nein! Diese zwei Monate geben mir und meinen Mitarbeitern ganz viel. Wir sind wirklich mit dem Herzen dabei. Der persönliche Kundenkontakt ist einfach ganz anders als bei den Großabnehmern. Wenn mir meine Kunden sagen, wie toll die Geranien im letzten Jahr geblüht haben, macht mich das glücklich.

Zur Person

Carolin Melle ist 31 Jahre alt und Geschäftsführerin der Gärtnerei Melle in Ganderkesee. Kurz nachdem sie ihr Studium der internationalen Betriebswirtschaft begonnen hatte, wurde sie vor elf Jahren von einem Tag auf den anderen zur Firmenchefin. Nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters Günter Melle trat sie mit 20 Jahren in seine Fußstapfen.




 

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