17.000 Menschen setzen in Oldenburg ein starkes Zeichen gegen Rechtsextremismus

Artikel vom 22.01.2024

Thomas Husmann und Markus Minten 

Tausende haben sich auf dem Oldenburger Schlossplatz versammelt, um gegen Rechtsextremismus und die AfD zu demonstrieren. Bild: Thomas Husmann 

Tausende auf dem Oldenburger Schlossplatz, schließlich sogar 17.000 Menschen bei einem Umzug durch die Stadt: Der Protest gegen Rechtsextremismus ist friedlich geblieben – aber unmissverständlich in der Aussage.

Oldenburg - 17.000 Menschen haben nach Schätzungen der Polizei an diesem Samstag an Kundgebungen gegen Rechtsextremismus und die AfD teilgenommen. Weit mehr als 5000 – auf diese Zahl hatte die Polizei die Kapazität des Schlossplatzes geschätzt – waren schon zu Beginn der Kundgebung gekommen, zu der Jusos und Grüne Jugend Oldenburg aufgerufen hatten, und die von mehr als 40 Organisationen, Initiativen, Vereinen und Verbänden unterstützt wurde. Auch auf angrenzenden Straßen und Plätzen drängten sich die Menschen.

Und der Strom der Menge riss nicht ab. Richtung Innenstadt waren noch Hunderte Fußgänger, Rad- und Autofahrer unterwegs, die noch teilnehmen wollten. Die Versammlung stand unter dem Motto „Demokratie verteidigen – Gemeinsam gegen Rechts“. Unter den Versammelten waren auch Oberbürgermeister Jürgen Krogmann, Polizeipräsident Johann Kühme, Bischof Thomas Adomeit und Ammerland-Landrätin Karin Harms.

Jetzt Präsenz zeigen

Krogmann sagte in seiner Rede, man müsse jetzt Präsenz zeigen, damit die kruden Pläne einer Partei, die leider schon in vielen Parlamenten sitze, nicht wahr werden. Der Oberbürgermeister spielte damit offenkundig auf die AfD an. „Eine solche Politik grenzt Menschen aus und verängstigt. Diese Menschen darf man nicht an den Rand drängen. Wir zeigen, dass wir eine Stadt für alle sind. Wir müssen uns um die kümmern, die sich aufhetzen lassen, dürfen sie nicht rechts liegen lassen, sondern müssen das Gespräch suchen.“ Die Beteiligung so vieler Menschen sei ein kräftiges Zeichen, das seine Wirkung entfalten werde.

Klare Position

Pastorin Anja Kramer betonte, dass rassistisches Denken dem Christentum widerspreche. Die Kirchen stellten sich klar gegen Antisemitismus und Antiislamismus, gegen jede Form von Rassismus. „Wir müssen uns alle erheben, wenn Gedankengut der AfD Einzug in Programme anderer Parteien hält.“ Zu glauben, damit nehme man der AfD Wähler weg, sei eine kurzsichtige Illusion. Sie rief dazu auf, Demokratie zu leben und zu gestalten, wählen zu gehen, sich einzubringen. „Wir sind viele, das zeigt sich heute.“

Ilias Yanc, Vorsitzender des Yezidischen Forums, sagte: „Schön, dass Oldenburg Flagge zeigt in einer Zeit, in der unsere Demokratie gefährdet ist von ewig Gestrigen.“ Dies geschehe auch, „weil wir unsere Hausaufgaben nicht machen und wählen gehen“. Es gelte nun, Arm in Arm den Rechtsradikalen Paroli zu bieten. „Remigration ist Deportation und steht für nichts anderes als ,Ausländer raus.‘“

Nach der Kundgebung setzte sich ein Demonstrationszug über Huntestraße, Stau, Güterstraße, Karlstraße, Donnerschweer Straße, Pferdemarkt, Am Stadtmuseum, Staulinie, Heiligengeistwall, Theaterwall, Kasinoplatz (Straße) zurück zum Schlossplatz in Bewegung.- „Wir haben eine Durchlaufzeit von 45 Minuten und benutzen alle Fahrbahnspuren“, sagte Polizeieinsatzleiter Ralf Christöpfler. Auch ältere Kollegen könnten sich an eine derart große Demonstration in Oldenburg nicht erinnern.

Eine Schätzung der Teilnehmerzahl fiel auch der Polizei schwer: Mehr als 10?000 auf jeden Fall hieß es zunächst, nach erneuten Schätzungen der Menge, die rund Zweidrittel der gesamten Wegstrecke von knapp vier Kilometern einnahm, kam man schließlich auf 17?000 – oder auch mehr.

Friedlicher Verlauf

Die Demonstration nahm einen friedlichen Verlauf, so Christöpfler. Nur hin und wieder hätten Autofahrer versucht, ihren Weg durch den Demonstrationszug hindurch fortzusetzen. Sie wurden daran von den Einsatzkräften gehindert und zurückgewiesen. Aufgrund des großen Zulaufs sei die Straße „Am Schloßplatz“ zusätzlich zum Versammlungsort erklärt worden. Auch auf dem Rathausmarkt und dem Kasinoplatz hätten viele Menschen gestanden.

In Höhe des Theaters hielt die Polizei den Demonstrationszug für rund zehn Minuten an, weil die Beamten aus der Autonomen Szene heraus beleidigt wurden. Nach einer Ansprache durch die Polizei konnte der Demonstrationszug fortgesetzt werden.

Einzelne Besucher zeigten sich irritiert von Teilnehmern dieser linksradikalen Szene. Sie wurden vor allem während der zweiten, von linken Antifaschisten organisierten Kundgebung sicht- und hörbar. Unverständnis geäußert wurde auch über Teile einer Rede, in der ein Vergleich zwischen den bekannt gewordenen Remigrationsideen von Rechtsextremen und AfD-Politikern sowie der aktuellen Asylpolitik der Bundesregierung gezogen wurde.

Von rund 50 Menschen besucht war am Samstag eine Kundgebung Pro-Palästina, die vom Bahnhofsvorplatz aus ebenfalls um den Innenstadtring zog. Am Sonntag gab es auf dem Julius-Mosen-Platz eine Kundgebung „Solidarität mit Israel – gegen jeden Antisemitismus“.


 

Blaulicht-Ticker

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