Zwischen Call by Call und Glasfasernetz

Artikel vom 25.09.2021

Telekommunikation zwischen gestern und heute: (von links) EWE-Marktvorstand Michael Heidkamp sowie Thorsten Wieting und André Wieschollek.   BILD: MEYER

OLDENBURG – 1996 sah die Welt noch etwas anders aus: Helmut Kohl war  Bundeskanzler, im Radio wurde „Macarena“ rauf und runter gespielt und  ein Ferngespräch per Telefon kostete beim einzigen Anbieter in Deutschland, der Telekom, noch bis zu 62,6 Pfennig (32 Cent) pro Minute.
Doch das sollte sich bald ändern: Mit dem am 25. Juli 1996 in Kraft getretenen Telekommunikationsgesetz fiel zunächst das Monopol der Telekom, bald darauf fielen auch die Preise. Eine der ersten, die damals in den neuen Markt einstieg, war die  EWE. Am 17. September 1996, also vor 25 Jahren, wurde  EWE Tel in Oldenburg gegründet.

Die Anfänge

„Heute ist der Telekommunikationsmarkt hart umkämpft. Damals gab es einen großen Player, die Telekom,  und zunächst bis zur Liberalisierung überhaupt keinen Wettbewerb“, erinnert sich Thorsten Wieting, einer der gerade einmal vier Mitarbeiter, die die  EWE-Tochter anfangs hatte. „Das war  tatsächlich ein komplett neues Feld und wir konnten – mit Unterstützung des Konzerns – etwas ausprobieren“, sagt  André Wieschollek, ebenfalls EWE-Tel-Mitarbeiter der ersten Stunde.  „Wir galten so ein bisschen als die  jungen Wilden bei EWE“, sagt Wieschollek,  heute  Leiter Planung Telekommunikation bei EWE.

Der Weg

Als der liberalisierte Markt nach einer Übergangsphase dann am 1. Januar 1998 startete, begann EWE Tel mit einem eigenen Markenauftritt als Call-by-Call-Anbieter. Heißt: Wer vor der Vorwahl eine zusätzliche Vorwahl wählte, im Fall von EWE Tel war das die 01014, zahlte in der Regel für die Festnetzminute deutlich weniger als beim Platzhirsch.
Anders als andere Wettbewerber besaß EWE aber bereits bei der Öffnung des Marktes ein eigenes rund 8000 Kilometer langes Telekommunikationsnetze, das bis dato zur Steuerung des Strom- und Gasnetzes und zur eigenen betrieblichen Kommunikation genutzt wurde. Dieses baute EWE Tel in der Folgezeit aus und bot bald auch eigene Festnetzanschlüsse. Zu den ersten großen Kunden gehörte die Volksbank Oldenburg. Im Herbst 1998 wurde in Rastede das erste Ortsnetz direkt angebunden, so dass dort erstmals Haushalte im Nordwesten ihren Anschlussanbieter  wählen konnten. Zudem wuchs EWE Tel  durch Übernahmen (u.a.   Nordcom und Osnatel).  

Die Situation Heute

Heute verfügt die EWE über ein mehr als 50?000 Kilometer langes Telekommunikationsnetz, davon fast 40?000 Kilometer Glasfaser, auf die die Oldenburger schon vergleichsweise früh gesetzt hatten. Knapp 700?000 Kunden zählt  EWE Tel heute.
„Früher war Telekommunikation Daseinsvorsorge, heute ist sie der Innovationstreiber Nummer eins“, meint EWE-Marktvorstand Michael Heidkamp.  „Alle Themen von morgen, egal ob Digitalisierung oder Klima, basieren auf Telekommunikation.“ Deshalb sei es auch strategisch richtig, Energie und Telekommunikation zusammen zu denken.
EWE habe sich daher entschieden,  zum einen  auf  Glasfaser   und  zum anderen auf Bündelangebote rund ums Zuhause zu setzen – auch wenn man dann nicht zu den  günstigsten Anbietern gehöre. „Wer Preisführer sein will, muss auch Kostenführer sein“, so Heidkamp. „Das ist aber mit der Struktur der EWE nicht zu vereinbaren, weil  wir dann alle Shops  schließen und den Service herunterfahren müssten – und das wollen wir nicht.“
Als Meilenstein in Sachen Glasfaserausbau wertet er die  2020  zusammen mit der Telekom gegründete  Glasfaser Nordwest. Das Joint Venture möchte in den kommenden Jahren bis zu 1,5 Millionen Haushalte und Firmen im Nordwesten mit Glasfaser erreichen und hierfür  zwei Milliarden Euro investieren.
Für Tel-Pionier Wieting, heute als Netzregionsleiter bei EWE tätig, schließt sich damit auch ein Kreis: „Anfangs sind wir von der Telekom belächelt worden und heute nimmt sie uns als gleichwertigen Partner wahr.“ Die Welt sieht heute eben anders aus als 1996. 


 

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