Arbeitgeberverband begrüßt Lockerungen

Von Lars Ruhsam

Leere Tische: Gastronomie und Tourismus liegen seit dem Lockdown im März brach. Aus Tourismuskreisen werden daher Hilfen gefordert, kurz- und langfristig.  BILD: PIXABAY

Oldenburg. Als „zwingend erforderlich“ bezeichnet Jörg Waskönig, Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes Oldenburg (AGV), die in dieser Woche beschlossenen Lockerungen. Dieser Weg müsse nun konsequent weitergegangen werden. Besonders hart getroffen sind Gastronomie und Tourismus.

„Ein Auf und Ab und neue Beschränkungen darf es nicht geben“, betont Waskönig. Die Rückkehr zum öffentlichen und wirtschaftlichen Leben müsse zügig angegangen werden. Allerdings seien auch alle aufgefordert, daran mitzuarbeiten. Die zwischen Bund und Ländern vereinbarte „Notbremse“ sei richtig und wichtig. Sprich: Zu leichtfertiges Umgehen mit den Lockerungen, die einen deutlichen Anstieg der Infiziertenzahlen nach sich ziehen, gilt es ebenfalls zu vermeiden. Im Nordwesten sei es teils zu massiven Rückgängen von Beschäftigung, Einkommen und Nachfrage gekommen, ergänzt Jörg Waskönig. „Und diese Verwerfungen werden sicherlich auch nach Abklingen der Infektionswelle noch länger fortbestehen“, betont er.

Alle Branchen betroffen

Wie sehr die Unternehmen getroffen sind, mag die starke Inanspruchnahme der Kurzarbeit verdeutlichen. „Ende April haben 6.149 Unternehmen mit über 83.000 Mitarbeitern bei der hiesigen Agentur für Arbeit Kurzarbeit beantragt“, berichtet AGV-Hauptgeschäftsführer Jürgen Lehmann. Im April 2019 waren es gerade einmal 12 Unternehmen mit 48 Beschäftigten.
Die Lockerungen hätten für etwas mehr Optimismus bei den Unternehmen gesorgt. „Und diese Portion Optimismus brauchen wir auch. Aus Umfragen wissen wir, dass jedes vierte Unternehmen Entlassungen befürchtet“, so Lehmann. Allerdings sind Meinungsbild und Auswirkungen der Krise, trotz grundsätzlicher Skepsis ob der weiteren Entwicklung, auch stark von der jeweiligen Branche abhängig. Während im Baubereich und im Handwerk die Arbeit relativ normal weiterlief, haben in der Textil- und Bekleidungsindustrie 80 Prozent der Betriebe Kurzarbeit angemeldet.  

„Vollbremsung im Tourismus“

Besonders hart getroffen wurden Gastronomie und Tourismus. „Wir befinden uns seit März in einer Vollbremsung. Und die wird auch noch bis Ende Mai anhalten“, sagt Dr. Norbert Hemken. Er ist nicht nur Geschäftsführer der Kurbetriebsgesellschaft Bad Zwischenahn, sondern auch Vorsitzender des Heilbäderverbandes Niedersachsen. Die Tourismusbranche sei direkt aus der Winterpause gekommen und durch die Corona-Maßnahmen komplett ausgebremst worden: keine Touristen, keine Übernachtungen zu Ostern und zu den Feiertagen im Mai, keine Tagestouristen. „Daher sind die jetzt zugelassenen Öffnungen und die in Aussicht gestellten sehr wichtig“, betont Hemken.
Am Beispiel von Bad Zwischenahn wird deutlich, wie wichtig der Tourismus-Bereich für viele Regionen Niedersachsens ist – und wie sehr die Branche bereits gelitten hat. „Rund 2.900 Arbeitsplätze hängen in unserer Gemeinde direkt und indirekt vom Tourismus ab. Die Betriebe erwirtschaften einen Jahresumsatz von rund 150 Millionen Euro, 40 Millionen davon sind bereits jetzt verloren“, sagt der Kurdirektor.

Hilfen sinnvoll einsetzen

Entsprechend fordert er ein Hilfspaket für Gastronomie und Tourismus. Das Land habe bereits 300 Millionen Euro an Unterstützung zugesagt. Hemken regt an, den Mehrwertsteuersatz über mehrere Jahre auf sieben Prozent zu reduzieren.
Lob gibt es vom AGV-Vorsitzenden Jörg Waskönig für die finanziellen Hilfsprogramm von Land und Bund. Diese seien kurzfristig überlebenswichtig gewesen. Ein Dauerzustand könne das allerdings nicht sein. Man brauche „ein wohl durchdachtes Konjunkturprogramm, das die Wirtschaft schnell wieder anschiebt, „aber keine Geldgeschenke aus der Gießkanne“.


 

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