Aktivisten ziehen die Reißleine und bauen Zelte ab

Artikel vom 29.07.2022

Chelsy Haß

Ist am Dienstag abgebaut worden: Das Oldenburger Klimacamp am Theaterwall. Bild: Sascha Stüber

Das Oldenburger Klimacamp ist am Dienstag abgebaut worden. Die Entscheidung dazu sei kurzfristig gefallen. Auch die Anfeindungen der letzten Wochen haben dabei eine große Rolle gespielt.

Die vergangenen Wochen im Oldenburger Klimacamp seien anstrengend gewesen. Auf dem Platz am Theaterwall mussten die Klimaaktivistinnen und -aktivisten zuletzt lange Nachtwachen halten, weil sie in der Dunkelheit immer wieder von einer Personengruppe belagert wurden. Böller flogen ins Camp, grelle Lichter blendeten absichtlich in die Zelte, andauernd kam es zu Beleidigungen und Bedrohungen.

Kein Sicherheitsgefühl

Kurzfristig habe man sich dazu entschieden, das Camp am Dienstag abzubauen. Pavillons, Zelte und Regale wurden nach und nach eingepackt. Bald wird nicht mehr zu erkennen sein, dass hier bis Anfang der Woche noch Menschen übernachtet haben. „Das Camp wurde nicht mehr als sicher empfunden“, sagt Stiven Haseloh, der von Anfang an dabei war und beim Abbau geholfen hat. Das sei einer von mehreren Gründen, aus denen man sich recht kurzfristig dazu entschieden habe, das Klimacamp für dieses Jahr abzubauen.

Seit dem 10. April stand es neben dem Staatstheater. Von der Stadt wurde das Camp als zeitlich unbegrenzte politische Versammlung genehmigt. Dreieinhalb Monate lang verbrachten Schülerinnen und Schüler, Studentinnen und Studenten und viele weitere junge Menschen hier ihre Freizeit.

Jetzt seien die Kapazitäten jedoch am Ende. Wiederholt mussten die Camper im Juni und Juli die Polizei rufen und um Hilfe bitten. Doch auch von den Beamten ausgesprochene Platzverweise hielten die Personengruppe nicht fern. „Diese spezielle Aktionsform macht für uns derzeit nicht mehr viel Sinn. Es kann nicht sein, dass sich unsere Leute hier psychisch aufbrauchen“, erklärt der Klimaaktivist.

Aktionen in Planung

Und das, nur um das Camp am Leben zu erhalten. Denn eigentlich sollte es darum gehen, Workshops und Demonstrationen zu organisieren und sich zu vernetzen. Zuletzt sei das kaum noch möglich gewesen. Doch nicht alles sei schlecht gewesen: „Wir wollten mit Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch kommen. Das hat tatsächlich gut funktioniert. Wir haben viele tolle Gespräche geführt“, sagt Haseloh. Auch zahlreiche neue Mitstreiter habe man für sich gewinnen können.

Der Abbau des Klimacamps, das es in Oldenburg schon 2021 gegeben hat, soll nicht als Aufgeben verstanden werden. „Wir wollen im nächsten Jahr wiederkommen“, sagt Haseloh. Jetzt wollen sich die Aktivisten jedoch erstmal auf andere Projekte konzentrieren. Zum Beispiel auf den Globalen Klimastreik, der am 23. September, unter anderem auch in Oldenburg, stattfindet.

Klimagerechtigkeit: Das ist es, was die jungen Oldenburger wollen. „Der Klimawandel muss ernst genommen werden. Dazu gehört auch, dass nicht nur darüber gesprochen wird, sondern es auch ernstzunehmende politische Entscheidungen gibt, die der Krise entgegenwirken“, fasst Haseloh die Ziele der Aktivistinnen und Aktivisten zusammen. Dafür werden sie weiter auf die Straße gehen, Aktionen planen und wieder ein Klimacamp aufbauen – nur eben erst im nächsten Jahr.


 

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