Bambus-Kunst für den Schulhof

Artikel vom 26.11.2021

Karsten Röhr

Voll bei der Sache (v.li.): die „Transformer“ Jakob (16), Mats (15), Jorden (16) und Daniel (16) aus dem 10. Jahrgang der IGS Kreyenbrück im digital begleiteten Kunstprojekt der Oldenburger Kunstschule zur Selbstgestaltung des Schulhofes. Bild: Torsten von Reeken

Wie geht Kunst in Corona-Zeiten? Die Oldenburger Kunstschule hat einen Weg gefunden, wie man Künstler auch aus weiter Entfernung in Schulprojekte einbinden kann

Reger Kunstbetrieb herrschte in den vergangenen Tagen in den Kellerräumen der IGS Kreyenbrück – mit digital zugeschalteten Künstlern. Die Schule ist Teil eines „absoluten Premierenprojekts, eines Wahnsinns-Experiments“, sagt der Leipziger Künstler Georg Lisek über die jüngste Kunstinitiative der „Oldenburger Kunstschule“, der an diesem Morgen wieder mit der Künstlerin Julia Eichler aus Halle über Webcam und Tablet zugeschaltet ist. Auch die Grundschule Dietrichsfeld und die Oberschule Osternburg – unterstützt vom Bürgerverein Osternburg – sind dabei, in einer Vorphase bereits die Oberschule Alexanderstraße. Auch die Beteiligungsplattform „Gemeinsam Oldenburg“ ist eingebunden.

Über das Projekt

Kunstschul-Leiterin Deliane Rohlfs sagt über ihre Projektinitiative „Transformers – Zukunftswerkstatt für Stadtgestaltung“, die sie mit Marcel Pouplier und Georg Lisek entwickelt hat: „Es geht darum, mit den Kindern und Jugendlichen ihre unmittelbare Umgebung kritisch zu hinterfragen und zu transformieren. Die Kernbotschaft ist: Jeder von Euch kann die Welt verändern! Lasst uns den Klassenraum oder den Pausenhof transformieren! Was würdet Ihr ändern? Was muss passieren, damit Ihr Euch wohl fühlt?“ Gleichzeitig demonstriere das Projekt, wie „angesichts von Corona künstlerische Projekte aus der Distanz vermittelt werden können“, sagt Lisek, der auch Leiter des Oldenburger Zeichenfestivals war

Das sagen die SChüler

Die Schüler aus dem 10. Jahrgang haben haben für ihre Verschönerung bewusst nur fünf Materialien zur Verfügung: Ilona Tierbach (16) sagt: „Wir haben nur zwei Tape-Arten, Kabelbinder, Leine und Bambusstangen. Das sind Materialien, die man sonst nicht so hat, dazu die Hilfe von Assistenten und den Künstlern. Für mich ist es eine tolle Erfahrung, mit so wenig etwas Neues schaffen zu können.“

Jakob (16) und Jorden (16) sagen: „Das ist auf jeden Fall mal was anderes als Schule. Und jeder von uns kann das auch als Halbjahres-Arbeit wählen und darüber schreiben. Das finden wir gut.“ Mitschülerin Betün (17) sagt: „Ich finde es interessant und kreativ, mit nur ein paar wenigen Materialien zu arbeiten. Man kann auch daraus soviel machen!“ Ihr Lehrer Jens Voßkuhl versteht die Begeisterung. Die Schüler gingen mit einer „planerisch-ästhetischen Grundidee daran“ und hätten dann eine unglaubliche und ungewohnte Freiheit, die sie sehr schätzten und hervorragend nutzten.

Das Sagen die Künstler

So beobachtet es auch Georg Lisek: Der künstlerische Input funktioniere, „und was entsteht, ist ganz viel Freiraum und ein hohes Maß an Selbstständigkeit, die Veränderung des Schulgeländes in die Hand zu nehmen und etwas Neues, Untypisches einzubringen – das ist für Schüler ungewohnt, beeindruckend und bewegend“. Die Bambusstangen bedeuteten eine „irritierende oder verblüffende Intervention“, die zu weiterem Nachdenken anrege. Nach dem Input sähe man die Jugendlichen „im besten Fall nur noch arbeiten – und am Ende seien sie nicht nur stolz, was sie entwickelt haben, sondern sie sähen auch: sie können ihre eigene Umgebung beeinflussen – das ist Selbstwirksamkeit“.

Dabei laufe natürlich „nicht alles nur glatt“, auch der digitale Kontakt sei dem analogen grundsätzlich unterlegen. Julia Eichler sagt: „Die Anwesenheit des Künstlers ist unersetzbar – und wir wären so gerne dabei!“

Alternative

Auch Deliane Rohlfs sagt: „Dieses Projekt ist für Corona gut, ansonsten ist mehr direkte Nähe natürlich besser. Man lebt und arbeitet – auch künstlerisch – nun mal analog. Die Sinnlichkeit bleibt sonst auf der Strecke. Aber es ist als digitale Projektlinie eine mögliche Antwort auf diese Zeit, um zu zeigen, dass Künstlerisches zwischen Künstlern und Schülern trotzdem möglich gemacht werden kann.“


 

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