Bei Problemen droht eine Sperre des Anschlusses

Artikel vom 04.08.2023

Jörg Schürmeyer

Brennerdüsen wie diese tauscht EWE Netz derzeit für das H-Gas aus. Bild: EWE Netz

Bei den meisten Haushalten im EWE-Netzgebiet klappt die Umstellung auf H-Gas problemlos. Bei einigen tauchen jedoch Probleme auf. Dann bleiben nur zwei Möglichkeiten, wie ein Paar aus Oldenburg erfahren musste.

Oldenburg - Hunderttausende Gaskunden im Nordwesten haben in den vergangenen Monaten und Jahren schon Besuch von einem Heizungsinstallateur bekommen, bei vielen weiteren steht dies in den kommenden Monaten noch an. Grund: Seit 2018 stellt die EWE Netz in ihrem Netzgebiet die Erdgas-Versorgung schrittweise von sogenannten L-Gas auf H-Gas mit einem höheren Brennwert um. Bis 2027 soll das komplette Netzgebiet mit H-Gas versorgt werden.

Ein Großteil der Heizungen lässt sich auf die neue Gas-Art umstellen. Bei einigen tauchen jedoch Probleme auf.

Zu diesen Betroffenen gehören auch Maike Hecheltjen und Ulrich Punke aus Oldenburg. In ihrem Haus steht eine Gastherme, die zwar schon aus dem Jahr 2000 stammt, aber bis dato abgesehen von kleineren Reparaturen nie Probleme bereitet hat, wie Hecheltjen sagt. Um die alte Heizung für das neue H-Gas nutzbar zu machen, muss eine spezielle Düse eingebaut werden. Dieser Einbau konnte an der Gastherme im Haus ihrer Mieter aber nicht durchgeführt werden, weil bei einer Messung ein zu hoher ppm-Wert (Kohlenmonoxid) – verursacht durch eine defekte Gasableitung – festgestellt wurde. „Daraufhin wurden wir von der EWE angeschrieben, die Ursache zu beheben, weil sie uns ansonsten das Gas abstellen müssten“, sagt Hecheltjen. Problem: Trotz aller Bemühungen gab es die entsprechenden Teile nicht mehr. „Nun sind wir gezwungen, eine neue Gastherme zu kaufen, da die EWE unseren Mietern sonst das Gas abstellt“, sagt Hecheltjen.

Anteil von rund 98 Prozent

EWE Netz geht davon aus, dass sich in Oldenburg rund 96 bis 98 Prozent aller Kundengeräte an H-Gas anpassen lassen. „Viele Geräte, die wir nicht umrüsten können, passen dann erfahrungsgemäß Handwerksbetriebe mit Material aus ihrem Lager an“, erläutert ein Sprecher. In eher ländlich geprägten Regionen im Netzgebiet lag der durchschnittliche Anteil angepasster Geräte so nach seinen Angaben bei 98,5 Prozent.

Schwierigkeiten träten vor allem bei Geräten von Herstellern auf, die es heute – etwa aufgrund einer Insolvenz – nicht mehr gebe, oder bei älteren Geräten, bei denen der Hersteller die Unterstützung aufgekündigt habe, so der Sprecher. In der Regel treffe dies nur Geräte, die mehr als 25 Jahre alt sind. Problem aus Sicht von EWE Netz: Für diese Geräte sei häufig auf dem Markt kein Original-Umrüstmaterial mehr erhältlich. „Wir dürfen Erdgasgeräte laut Verordnungen jedoch nur mit zertifiziertem beziehungsweise Originalmaterial umrüsten.“

Gefahr für Hausbewohner

Ist ein Gerät nicht umrüstbar, dann bleibt nach EWE-Netz-Angaben in der Tat nur die Möglichkeit, das Gerät komplett auszutauschen oder das Gas abzudrehen. „Von einem nicht angepassten Erdgas-Gerät könnte eine Gefahr für alle Hausbewohner ausgehen, sobald es mit H-Gas versorgt wird“, erläutert der EWE-Netz-Sprecher. So könnte zum Beispiel Kohlenmonoxid ausströmen. Verordnungen verlangten daher, dass EWE Netz eine Sicherheitssperre für die Gasversorgung vornimmt. „Hier haben wir leider keinen Entscheidungsspielraum und müssen den Zähler oder Gasanschluss zum Schutze der Hausbewohner sperren.“ Ähnlich sei die Situation auch, wenn – wie im Fall von Maike Hecheltjen – ein Defekt oder erhöhte Kohlenmonoxidwerte bei der Erfassung oder Geräte-Anpassung festgestellt werden. „Wenn eine Mangelbehebung nicht oder nicht fristgerecht vom Heizungsfachbetrieb durchgeführt werden kann, hat der Betrieb die Möglichkeit, das Gerät auszutauschen oder außer Betrieb zu nehmen“, erläutert der EWE-Netz-Sprecher.

Ein kompletter Geräte-Austausch stellt Betroffene wie die Oldenburgerin aber durchaus vor einige Herausforderungen. Nicht nur, dass neue Anlagen kostspielig sind. Es ist auch schwierig, angesichts von Lieferengpässen und viel beschäftigten Installateuren in der Kürze der Zeit eine neue Heizungsanlage zu beschaffen und einbauen zu lassen. Die Oldenburgerin hätte sich da in Gesprächen mit der EWE durchaus etwas mehr Verständnis für die schwierige Situation gewünscht, schließlich drohe Betroffenen, dass ihnen das Gas abgedreht werde.

Frühzeitig informieren

Der EWE-Netz-Sprecher sagt hingegen, dass das Unternehmen sich des Problems durchaus bewusst sei. Deshalb informiere man Kunden, deren Gerät nicht anpassbar ist, auch möglichst frühzeitig, üblicherweise rund sieben Monate vor dem Schalttermin. Zudem spendiere die EWE einen Gutschein für eine unabhängige Energieberatung durch die Verbraucherzentrale Niedersachsen. Auch sei das Unternehmen in Gesprächen mit der Sanitär-Heizung-Klima-Innung sowie Fachverbänden, um Möglichkeiten zu finden, dass von der Erdgasumstellung betroffene Kunden bevorzugt Termine und Geräte erhalten.

Bei Maike Hecheltjen und Ulrich Punke hat es letztlich gerade noch rechtzeitig geklappt. Pünktlich zum 24. Juli, dem Stichtag, an dem das Gas bei ihren Mietern abgedreht werden sollte, habe der Installateur eine neue Therme beschaffen und einbauen können. „Die neue Gastherme läuft seit dem 24. Juli einwandfrei“, sagt sie. Und auch EWE Netz bestätigt: „Ein Austausch ist offensichtlich jetzt erfolgt, sodass der Erdgasanschluss nicht vom Netz getrennt werden muss.“


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