Der laute Ruf nach Akzeptanz

Der Christopher Street Day (CSD) in Oldenburg findet statt und gehört zur Stadt, sagen (von links) Kai Bölle und Thomas Sieverding vom CSD-Team sowie Oberbürgermeister Jürgen Krogmann. BILD: STÜBER

OLDENBURG – Über Oldenburg wehen die Regenbogenfahnen – um grundsätzlich ein Zeichen für Vielfalt und Toleranz zu setzen, aber auch, weil der Christopher Street Day (CSD) naht. Diesmal findet er auch statt, coronabedingt am 18. September in abgespeckter Variante mit mehr Demo und weniger Party, aber mit wichtiger Botschaft: „Liebe beginnt im Herzen – Akzeptanz im Kopf“.

Laut und deutlich fordern

„Jetzt geht es zurück auf die Straße“, sagt Kai Bölle vom CSD Nordwest-Team. Man merkt ihm an: Er freut sich auf diese Variante der Veranstaltung, weil es wichtige Forderungen sind, die möglichst laut, deutlich und eindringlich vermittelt werden sollen:
 In Oldenburg sollten finanziell abgesicherte Angebote zur Hilfe und Selbsthilfe von Menschen verschiedener sexueller und geschlechtlicher Identitäten geschaffen werden – beispielsweise durch die Einrichtung einer Anlauf- und Koordinierungsstelle bei der Stadtverwaltung.
 Das Land Niedersachsen fördere zwar die Arbeit von Gruppen und Netzwerken zur Unterstützung von LGBTIQ -Menschen (LGBTQI ist eine Abkürzung für Lesbian, Gay, Bi, Trans, Queer und Intersex), kürze die Fördermittel aber seit Jahren kontinuierlich, so Kai Bölle. Diesen Initiativen werde damit das Wasser abgegraben.
 Auf Bundesebene fordern die Veranstalter den „vollen und unzweideutigen Schutz des Grundgesetzes, um die uns zustehenden gleichen Menschenrechte abzusichern“. Alle Parteien werden aufgefordert, in der nächsten Legislaturperiode Artikel 3 im Grundgesetz um das Merkmal der sexuellen und geschlechtlichen Identität zu ergänzen.

Kein Europa der Vielfalt

In der Stadt Oldenburg seien Vielfalt und Toleranz angekommen, sagt Thomas Sieverding vom CSD-Team Nordwest.
Aber andererseits sei die Reform des Transsexuellengesetzes erst vor wenigen Monaten gescheitert, die Gesetzgebung in Ungarn stehe nicht für ein Europa der Vielfalt und die Corona-Pandemie zeige, so Bolle, wie fragil Hilfsstrukturen für LGBTIQ -Menschen seien. Denn in diesen Monaten seien viele Angebote weggebrochen, in der Gesellschaft unsichtbar geworden.
Der CSD Nordwest 2021 startet am 18. September um 14 Uhr mit dem Sammeln auf dem Freigelände an der Weser-Ems-Halle. Oberbürgermeister Jürgen Krogmann wird dort ein Grußwort sprechen und freut sich darüber, dass Inhalte stark in den Vordergrund gerückt werden. Er sagt bei einer Pressekonferenz: „Bei Euch ist es bewundernswert, wie ihr Ehrenamtlichen ständig guckt, was für den CSD möglich ist.“
Um 14.20 Uhr soll sich der Demonstrationszug in Gang setzen und die Oldenburger Innenstadt umrunden.

Schausteller ziehen mit

Eine Abschlusskundgebung ist für 15.30 Uhr wieder an den Weser-Ems-Hallen geplant – in direkter Nachbarschaft zur Kramermarkt-Alternative „LaOla“.
Denn das Freigelände müssen sich die beiden Veranstaltungen teilen. Auch die Schausteller wollen mitziehen und ein Zeichen für Vielfalt und Toleranz setzen: „LaOla“ leuchtet nämlich am 18. September in den Farben des Regenbogens.


 

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