Diakonisches Werk Oldenburg ruft um Hilfe

Artikel vom 29.01.2024

Christoph Kiefer

Helfer in der Not: Die Ev.-Luth. Kirche Oldenburg hat die Hälfte der Zentrale des Diakonischen Werks an der Oldenburger Kastanienallee gekauft – damit der Wohlfahrtsverband liquide bleibt. Bild: Torsten von Reeken

Die Diakonie kämpft mit wirtschaftlichen Problemen. Bereits zwei Einrichtungen mussten Insolvenz anmelden. Ein Defizit im vergangenen Jahr musste durch den Notverkauf der Zentrale gestopft werden. Einschneidende Veränderungen stehen an.

Oldenburg/Im Nordwesten - Das Diakonische Werk der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg steht vor weitreichenden Weichenstellungen für die künftige Struktur der Arbeit. Bereits im Herbst – das heißt schon vor der Insolvenz der Dietrich-Bonhoeffer-Klinik und des Diakonie-Dienstleisters Diadema – hatte der damalige Vorstand den Oberkirchenrat über einen Verlust von voraussichtlich zwei Millionen Euro im Jahr 2023 in Kenntnis gesetzt. Darüber wurden die Vertreterinnen und Vertreter der Synode bei ihrer Tagung im November in Rastede informiert. Der Vorstand hatte zudem um einen Kredit der Kirche gebeten, um die Liquidität zu sichern.

Diakonie braucht Geld

Der Gemeinsame Kirchenausschuss hat sich mit der Bitte des Diakonievorstands befasst, wie es in den Unterlagen zur Synode weiter heißt. Beschlossen wurde demnach ein Kaufangebot der Ev.-Luth. Kirche Oldenburg für die die Hälfte der Liegenschaft Kastanienallee – das heißt die Zentrale der Diakonie. Ein Wertgutachten soll die Grundlage bilden für Grundstück- und Gebäudepreis. Mindestens zwei Millionen Euro wurden erwartet. Der Verkauf ist mittlerweile über die Bühne, teilte die Diakonie am Freitag mit.

Debatte über Zusammenschluss

Die Frage der strukturellen Weiterentwicklung beschäftigt Diakonie und Ev.-Luth. Kirche schon länger. So hat der Aufsichtsrat des Diakonischen Werks den Aufbau einer „Stiftung Diakonie Oldenburg“ beschlossen, die derzeit in Gründung ist. Sie soll alle unternehmensbezogenen Einrichtungen, die bislang meist als gGmbH geführt werden, umfassen. Geprüft wird ferner, ob der Landesverband des Diakonischen Werks in Oldenburg dem Diakonischen Werk evangelischer Kirchen in Niedersachsen beitreten soll. Ziel dieser Überlegungen ist es, Doppelstrukturen aufzulösen und niedersachsenweite Synergien zu schaffen. Die Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg könne so mit ihrer Diakonie Teil der Diakonie-Familie Niedersachsens werden, hatte Oberkirchenrat Detlef Mucks-Büker im Herbst der Synode erläutert. Der Vorschlag wird kontrovers diskutiert.

Beratungen in Arbeitsgruppe

Den Angaben des Oberkirchenrats zufolge hat seit Herbst eine „AG Zukunft Diakonisches Werk Oldenburg Landesverband“ mögliche Strukturreformen beraten. Die Positionen bei den verschiedenen Modellen hätten „zum Teil weit auseinander“ gelegen, führte der Oberkirchenrat aus. Dabei sei vor allem darüber diskutiert worden, ob und wie ein eigenständiger Landesverband der oldenburgischen Diakonie neben dem gemeinsamen diakonischer Spitzenverband aller evangelischen Kirchen in Niedersachsen bestehen sollte.

Zahlreiche Einrichtungen

Anfang Januar haben die beiden Theologen Mario Behrends und Friedrich Ley die bisherigen Diakonie-Vorstände Uwe K. Kollmann und Thomas Feld, die in Ruhestand verabschiedet wurden, abgelöst. Mitte Januar hatte die Diakonie zunächst für die Fachklinik in Ahlhorn für Jugendliche und junge Erwachsene Insolvenz beantragt. Wenige Tage später folgte der Insolvenzantrag für die Diadema, in der Reinigungs- und Caterer-Dienstleistungen für Einrichtungen der Diakonie zusammengefasst sind. Das Diakonische Werk beschäftigt in zahlreichen sozialen Einrichtungen rund 1500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.


 

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