Die Strick-Königin aus der Oldenburger Innenstadt dankt ab

Artikel vom 09.01.2023

Karsten Röhr

Schon als fünfjähriges Mädchen hat sie sich begeistert für Wolle und Handarbeit: Susanne Lüschen hat 45 Jahre lang „Wolle Lüschen“ geführt. Bild: Sascha Stüber

„Wolle Lüschen“, das ist ein Stück Oldenburger Stadtgeschichte. Nach 45 Jahren plant Susanne Lüschen ihren Abschied aus der Langen Straße.

Sie ist in Oldenburg die Frau fürs Bestrickende: Mit zarten 21 Jahren hat sich Susanne Lüschen mit Wolle selbstständig gemacht, 1978 war das, am Großen Kuhlenweg in Ohmstede. Seitdem ist der Weg unzähliger Lieblingspullover zur selben Quelle zurückzuverfolgen: Seit 45 Jahren verkauft die 66-Jährige „mit Liebe und Herzblut“, sagt Tochter Katharina, ihre Strick- und Häkelgarne. Das gibt die Mutter aber sehr gerne auch „an meine Mitarbeiterinnen weiter“.

Die Haarenstraße

Der Schritt in die Innenstadt kam 1980 mit dem Start in der Haarenstraße (später war dort das Uhren- und Schmuckgeschäft Kramer, heute ist hier die Goldschmiede Mansholt), drei Jahre später eröffnete sie zusätzlich gegenüber von Kreienborg (Wild und Geflügel) in der Achternstraße, gleichzeitig in Wilhelmshaven. „Damals gab es ganz viele Wollgeschäfte in Oldenburg, mindestens 15“, sagt Susanne Lüschen über die Gründerjahre. Seit 35 Jahren hat sie ihren Laden jetzt an der Langen Straße, gegenüber von „Völker’s“.

Die Oma

Warum Wolle? „Meine Oma hat immer zu mir gesagt, Susanne, ich will später mal bei dir die Wolle kaufen“, sagt sie. Die ganze Familie war „strickverrückt“ und die kleine Susanne schon mit fünf Jahren mittendrin. Aber wie lernt man Woll-Unternehmerin? „Da reichte die Begeisterung, gelernt hat man durch Fehler“, sagt die Einzelhändlerin, die eigentlich eine Ausbildung zur Chemielaborantin bei der Landwirtschaftskammer gemacht hat.

In Paris

Plötzlich fand sich Susanne Lüschen auf den großen Woll-Messen in Paris wieder, vor allem in den 80er-Jahren, „als die große Naturwelle losbrach und immer neue Wollfirmen aus dem Boden schossen – das wurde richtig abgefahren damals, schon fast abgedreht“, sagt sie. „In den ersten zehn Jahren gab es echt viele Woll-Spinner“, lacht sie und bezieht sich da völlig mit ein. Susanne Lüschen organisierte damals eigene Modeschauen in der Weser-Ems-Halle, auch in Wilhelmshaven. Nach zehn Jahren wird ihr „der Kaufmann anerkannt“, sie erhält den Ausbilderschein und bildet zahlreiche Azubis aus.

Die Begeisterung

Mit „Madame Wolle“, ihrem ersten Online-Shop, geht die Unternehmerin schon vor 25 Jahren an den Start, mit einfachsten Mitteln, später pflegt ihre Tochter Katharina das Angebot an Strickmode, Accesoires, Wolldecken und Kissen, irischen Wollpullovern, Shirts und Röcken aus Naturseide oder Bambus aus eigener Begeisterung. Katharina Lüschen sagt: „Dieser Laden ist für mich die pure Heimat. Ich saß bereits als kleines Mädchen auf dem Tresen und habe mich in erstem Kundenkontakt geübt. Stricken ist unsere Leidenschaft! Denn was gibt es Tolleres, als wenn dein Lieblingsmensch für dich in liebevoller Handarbeit einen Pullover kreiert hat? Das bedeutet ganz schön viel Nähe und Wärme.“

Fast fünf Jahrzehnte Wollgeschichte – „dafür muss man Leidenschaft mitbringen“, sagt Susanne Lüschen. „Aber das Schöne ist: Ein Wollgeschäft hat nur nette Kunden, nett und treu.“ Sie liebt es, wenn mit jedem Wollkauf auch ein Stück Lebensgeschichte mit in den Laden kommt, sie schätzt die Gespräche und sie mag es, Teil dieses kreativen Schaffensprozesses zu sein, zusammen nach Lösungen zu suchen, sie dekoriert gerne, und sie liebt es, wenn die neuen Farben kommen und sie alles an ihren Platz sortieren kann. Sie sagt: „Allein der Geruch von Wolle, ich liebe ihn, es riecht wie auf einer Wiese, oder auch wie im Stall, und dann diese Farben!“

Susanne Lüschen freut sich auf ihren großen Garten, töpfern möchte sie, aber die Welt von „Wolle Lüschen“, die wird sie sehr vermissen, wenn sie ihr Geschäft in der Langen Straße am 31. März aus Altersgründen schließt.


 

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