Diese Oldenburgerin erhebt für Europa ihre Stimme

Artikel vom 06.01.2022

Christoph Kiefer

Die Oldenburger Studentin Berit Pippert beim EU-Bürgerforum. Bild: privat

Der Zufall wollte es so: Die 24 Jahre alte Oldenburger Studentin Berit Pippert reist zum nächsten EU-Bürgerforum nach Maastricht. Es geht um ein heißes Eisen: die europäische Migrationspolitik.

„Spannend“ – dieses Wort fällt regelmäßig, wenn Berit Pippert vom Europäischen Bürgerforum spricht. Spannend sei die Teilnahme an einer internationalen Konferenz, erzählt die 24-Jährige. Spannend seien die unterschiedlichen Standpunkte der Teilnehmenden aus den verschiedenen Ländern. Spannend sei nicht zuletzt auch, was mit den Ergebnissen der aufwendigen Konferenzen geschieht, berichtet die Studentin der Universität Oldenburg.

Zufallsprinzip

Drei Wochenenden nimmt sich Berit Pippert Zeit, um unter der Überschrift „Die EU in der Welt“ mit anderen Bürgerinnen und Bürgern aus allen 26 Ländern der Europäischen Union über das heiße Eisen Migrationspolitik zu diskutieren. „Ich interessiere mich für internationale Politik“, sagt die Studentin, „aber im engeren Sinn habe ich mich mit dem Thema Migrationspolitik nie befasst“.

Meinungsbild

Genau so soll es auch sein. Das Europäische Parlaments, der Europäischen Rats und die Europäische Kommission haben nach dem Zufallsprinzip 800 Bürgerinnen und Bürger eingeladen, über Zukunftsthemen der EU zu diskutieren. Sie sollen der „großen Politik“ in Brüssel ein Meinungsbild von der „Basis“ geben. Um den Bürgerinnen und Bürgern eine fundiertere Diskussion zu ermöglichen, geben Expertinnen und Experten Informationen zu verschieden Gesichtspunkten der Migrationspolitik. Zudem gebe es die Möglichkeit zum Faktencheck, um Aussagen in der Diskussion bei Bedarf überprüfen zu können. Das Thema der Migration werde kontrovers und skeptisch diskutiert, wobei klar werde, dass in den verschiedenen Ländern unterschiedliche Schwerpunkte und Interessen vertreten werden. Aber „ganz extreme Meinungen“ oder europa-feindliche Stimmen würden in den von einer Moderatorin geleiteten Diskussionen nicht laut, berichtet Berit Pippert. „Ich glaube, so jemand würde nicht mehrere Wochenenden opfern.“

Weitere Bürgerforen

Neben Migration beschäftigen sich innerhalb dieses Beteiligungsprozesses drei weitere Bürgerforen mit Demokratie, Klimawandel sowie Bildung und digitaler Wandel. Hehres Ziel: Bis April 2022 soll diese so genannte „Konferenz zur Zukunft Europas“ die Leitlinien für die künftige Politik der EU erarbeiten. Die europäischen Institutionen hätten sich „verpflichtet, den Bürgerinnen und Bürgern zuzuhören und den Empfehlungen in ihrem jeweiligen Zuständigkeitsbereich zu folgen“, versprechen die Organisatoren.

Für die große Politik

Was genau diese Selbstverpflichtung bedeutet, weiß auch Berit Pippert noch nicht. „Diese Frage habe ich mir auch gestellt“, sagt die gebürtige Kielerin, die derzeit ihren Master in Nachhaltigkeit und Wirtschaft absolviert. Sinnvoll sei es in jedem Fall, große Fragen der Europäischen Union breit zu diskutieren und dadurch Multiplikatoren zu gewinnen, meint die Studentin. Nach einem ersten Wochenendtreffen in Straßburg wurde das zweite corona-bedingt nur als digitales Treffen veranstaltet. Auch die bevorstehende dritte und letzte Zusammenkunft in Maastricht wurde schon wegen der Pandemie von Mitte Januar auf den 11. bis 13. Februar verschoben.

Die Unterkunfts- und Reisekosten der 800 Bürgerinnen und Bürger übernehmen die Organisatoren der Konferenz. Zudem gibt es eine Aufwandsentschädigung von 70 Euro pro Tag. Die Kommunikation innerhalb der Gruppe ist auch ohne Englisch-Kenntnisse leicht möglich: Alle Redebeiträge werden simultan in die Landessprache jeder Teilnehmerin und jedes Teilnehmers übersetzt – auch eine spannende Erfahrung.


 

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