Von Gassi-Pflichten und dem Internet

Von Christina Hinrichs

Die „Gassi-Pflicht“ für Hunde, eine Idee von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, hat Sonnntagsblatt-Redakteurin Christina Hinrichs die Sprache verschlagen.BILD: HINRICHS

OLDENBURG – Wir leben in unruhigen Zeiten. Klima-Wandel, politisches Gezank und Machtgerangel und - als wäre das alles noch nicht schlimm genug: jetzt auch noch ein Virus, welches die Welt auf den Kopf stellt.
Als Kind der späten 50-ziger Jahre hab ich schon einiges erlebt. Also: bewusst erlebt. Die erste Mondlandung beispielsweise. Die Ölkrise in der 70-zigern, Fahrverbote, den Krieg im ehemaligen Jugoslawien und nicht zuletzt das Atomare Unglück in Tschernobyl. Verglichen mit dem Leben meiner Großmutter, die zwei Weltkriege erleben musste, ist das alles harmlos, ist meine Generation doch bislang gut durchgekommen.
Nun arbeite ich ja nicht grundlos bei der Zeitung. Nachrichten  haben mich schon immer interessiert. Aufgewachsen mit Tagesschausprecher Karl-Heinz Köpke, haben meine Geschwister und ich durch  unseren Ferneher im elterlichen Wohnzimmer in die Welt hinaus geblickt. Jeden Abend.
Nun gibt es ja heute  dieses Internet. Und ich gebe zu: eine geniale Erfindung! Ich nutze die neuen Medien. Jeden Tag. Auch ich beziehe regionale und überregionale Nachrichten über das world wide web. Das Smartphone ist stets dabei. Klein und handlich. Ohne das Ding verlasse ich das Haus gar nicht mehr.
Und jetzt komm ich mal zum Punkt! Mir flattern - vorausgesetzt ich will das lesen - rund um die Uhr mehr oder weniger wichtige Nachrichten in die Hardware. Heute auch wieder. Meist guck‘ ich drüber weg. Es ist so viel unwichtiges Zeugs dabei. Für mich nicht von Interesse. Dass die Ex von Dieter Bohlen, „Naddel“, immerhin aus Berne, nun Werbung für unser gemütliches Sehestedt macht. Oder dass Schlager-Fiddi M.W., (Michael Wendler, 48), jetzt in der Jury von DSDS sitzt, immerhin DIE Unterhaltungsshow mit den höchsten Einschaltquoten im deutschen Fernsehen. Aber was soll ich sagen, Peanuts. Das sind doch alles Peanuts im Gegensatz zu der Schlagzeile, die mir gestern die Sprache verschlug: „Gassi-Pflicht“ für Hunde. Hier. Bei uns in Deutschland.
Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner plant strengere Regeln für Hundehalter. Hä?!? In Zeiten von Corona, Klimawandel und dessen (land-)wirtschaftlichen und anderen zerstörerischen Auswirkungen, macht sich unsere Landwirtschaftsministerin Gedanken über das Wohlbefinden der Vierbeiner in deutschen Haushalten.
Zweimal täglich sollen die Tiere an der Leine spazieren geführt werden. Der Dackel meiner Nachbarin hat Rücken. Der wird meist geschoben. Und der Terrier meiner Schwester will immer nicht raus. Höchstens in den Garten. Holt manchmal auf Zufuf den weggeworfenen Ball. Meistens aber eher nicht. Was soll ich da jetzt machen? Die Polizei rufen? Ordnungsamt? Mich mit der Nachbarschaft überwerfen oder gar die Familie denunzieren?
Ich bin ehrlich ratlos.  Ob die Frau Ministerin wohl weiß, dass der Umsatz für Hundetrockenfutter in 2019 bei 452 Millionen Euro lag? Und dass diese Menge von über 9 Millionen Hunden vertilgt wird? Ich habe das jedenfalls in diesem Internet gelesen und glaube: den Hunden in diesem Land geht‘s  gut!


 

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