Einsamkeit am Schreibtisch lange geübt

Von Torben Rosenbohm

Thomas Pletzinger gelang mit „The Great Nowitzki“ ein Bestseller. BILD: JULIANE HENRICH

Oldenburg. In „The Great Nowitzki“ (Kiepenheuer & Witsch) erzählt Thomas Pletzinger von der Karriere des Basketballers Dirk Nowitzki. Mitten in die Zeit der Lesungen fiel die Corona-bedingte Zwangspause im Kulturbetrieb. Im Interview spricht Pletzinger über den Stand der Dinge.

Thomas, wir kennen uns jetzt seit einigen Jahren, und ich ahne, wie schwer es dir fällt, von heute auf morgen ausgebremst zu werden. Wie hast Du darauf reagiert, als feststand, dass deine Lesereise abgebrochen werden muss?
Das war für mich persönlich natürlich ärgerlich, weil man sich auf eine solche Reise ja immer sehr freut, wenn man vorher monatelang am Schreibtisch sitzt und schreibt. Aber letztlich ist das nur eine Kleinigkeit. Die meisten Lesungen werden nachgeholt, wenn wir das alles überstanden haben.

Beim Auftritt im PFL in Oldenburg sprachst Du über die anstehende Verfilmung deines Romans „Bestattung eines Hundes“. Wie sehr beeinflusst die Corona-Krise das Projekt?
Das ist tatsächlich eine ziemliche Herausforderung. Das Buch – und die Serie – spielen ja in New York, Norditalien und Brasilien. Die Dreharbeiten beeinflusst die aktuelle Situation natürlich sehr. Die Schauplätze sind eine Herausforderung, klar, aber auch die Zusammenarbeit eines Filmteams wird anders laufen als üblich. Aber wir sind sehr guter Dinge.

Wie sehen Deine aktuellen schrifstellerischen Pläne aus? In „The Great Nowitzki“ schreibst du auch über konkrete Vorstellungen für einen neuen Roman.
Tatsächlich habe ich in den Krisenmonaten viel Zeit mit dem nächsten Roman verbracht. Ich habe jetzt zwei Sachbücher und eine Fernsehserie geschrieben – aber jetzt ist es an der Zeit, wieder einen Roman zu schreiben.

Du hast drei Kinder und wohnst mitten in Berlin. Wie kommt Ihr schadlos durch diese besondere Zeit?
Es waren anstrengende Zeiten, klar, aber wir hatten sehr gute Voraussetzungen. Meine Frau und ich arbeiten sehr frei und flexibel. Unsere Kinder spielen sehr gut miteinander, sie lesen und malen viel. Und wir haben genug Platz. Ich habe jahrelang geübt, allein am Schreibtisch zu sitzen, und jetzt kommt mir die Erfahrung zugute. Einige Lesungen sind ausgefallen, aber die besondere Situation überstehen wir gut.

Welche Spuren wird Corona im kulturellen Leben hinterlassen? Viele Anbieter fürchten um ihre Existenz.
Die Situation ist für viele extrem schwierig. Verlage, Filmproduktionen, Schauspielerinnen, Bühnenarbeiter, Autorinnen und Autoren, viele andere Kulturbereiche. Viel wird verschoben und abgesagt, und es steht in den Sternen, ob und wann all die Konzerte, Lesungen und Dreharbeiten wieder beginnen können. Das reißt Riesenlöcher in Geldbörsen und Etats.

Du bist Basketball-Fan. Was denkst Du darüber, dass die Bundesliga ihre Saison im Turnierformat fortsetzt?
Ich freue mich, wenn ich wieder Basketball sehen kann. Das ist eine besondere Situation und ein Wagnis. Aber ich finde es wirklich interessant, wie Basketball in dieser Sondersituation erzählt werden wird. Die Teams sind ja alle an einem Ort, und es wird täglich und sehr dicht berichtet werden, die üblichen Mechanismen und Choreographien funktionieren nicht. Das ist viel Platz, um Basketball anders als üblich zu erzählen, tiefer und unkonventioneller. Darauf bin ich gespannt.


 

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