Geburt mit einer „Dienerin der Frau“

Artikel vom 24.10.2021

Friederike Liebscher

Die Doulas Kim-Denise Bourdaillier und Kerstin Bents Bild: Friederike Liebscher

 

Eine Doula begleitet eine Mutter vor, während und nach der Geburt. Auch in Oldenburg gibt es das Angebot. Eine Konkurrenz zu Hebammen soll es nicht sein. Doulas haben einen anderen Schwerpunkt

Das Wort Doula leitet sich aus dem altgriechischen Begriff Dienen ab. Und als eine „Dienerin der Frau“ sieht sich auch Kim-Denise Bourdaillier. Die 28-Jährige hat gerade ihre Ausbildung zur Doula abgeschlossen. „Ich biete eine nicht-medizinische Geburtsbegleitung an“, erklärt sie ihre Aufgabe. „Das hat eine ganz alte Tradition, die nun langsam wieder auflebt. Früher war die Hebamme auch nicht allein mit der gebärenden Frau, es haben noch andere Frauen geholfen.“ Sie selbst hat schon Mütter aus Oldenburg und dem Ammerland betreut.

In den USA verbreitet

Eine Begleitung von Schwangeren in der Zeit vor der Geburt, währenddessen und auch danach – das alles umfasse die Aufgaben einer Doula. In den USA sei dieses Angebot weit verbreitet. „Ich spreche mit den Frauen darüber, wie sie sich die Geburt vorstellen. Dabei geht es nur um sie. Sie weiß am besten, was sie möchte. Ich bin wie ein weißes Blatt, ich höre zu und gehe alles mit“, erklärt Kim-Denise Bourdaillier. Wichtig dabei sei die kontinuierliche Geburtsbegleitung. „Die Hebammen im Kreißsaal können das oft nicht leisten, weil sie mehrere Frauen gleichzeitig betreuen und im Schichtdienst arbeiten“, so Bourdaillier. Die Doula sei dagegen während der Geburt die ganze Zeit dabei, sie sei für die emotionale Unterstützung der werdenden Mutter zuständig und könne zum Beispiel auch bei der Kommunikation in der Klinik helfen. In medizinische Belange greife eine Doula allerdings nie ein, sie begleite auch keine Alleingeburten ohne Hebamme.

Ausbildung bei Verein

Das betont auch Kerstin Bents, die die Ausbildung gemeinsam mit Kim-Denise Bourdaillier abgeschlossen hat. Sie arbeitet hauptberuflich als OP-Assistentin in der Gynäkologie und hat daher schon viele Geburten erlebt. Sie suchte einen ganzheitlichen Ansatz, als sie sich für eine Ausbildung zur Doula entschied. „Ich begleite jeden Tag Frauen zur Geburt. Da hat mir noch etwas gefehlt“, sagt sie. Kim-Denise Bourdaillier kommt als Maschinenbauingenieurin „aus einer ziemlichen Männerwelt“, wie sie sagt. Sie ist Mutter einer Tochter und durch ihre eigenen Erfahrungen auf ihre neue Berufung gestoßen. Die Ausbildung zur Doula mit einem Zertifikat haben beide Frauen beim Verein „Doulas in Deutschland“ in Karlsruhe gemacht.

Kim-Denise Bourdaillier und Kerstin Bents haben bisher nur positive Erfahrungen in ihrem neuen Berufsfeld gesammelt, sowohl mit den Hebammen als auch in den Familien. „Die Frauen, und übrigens auch die Männer, fühlen sich oft sehr erleichtert durch unsere Unterstützung. Wir können auch helfen, wenn die Frau alleinstehend ist. Oder wenn der Mann aus beruflichen Gründen bei der Geburt nicht dabei sein kann“, erklären sie.

Das Angebot der Doulas wird von den Krankenkassen nur teilweise bezuschusst. „Zum Beispiel, wenn eine Frau keine Beleghebamme gefunden hat“, erklärt Kim-Denise Bourdaillier. Ansonsten müssen die Kosten von mehreren Hundert Euro privat übernommen werden.


 

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