Gemeinsam neue Wege mutig beschreiten

Artikel vom 27.11.2021

Markus Minten

Starteten gemeinsam das akademische Jahr an der Universität Oldenburg (von links): Werner Brinker (UGO-Vorsitzender), Minister Björn Thümler, Präsident Ralph Bruder, Oberbürgermeister Jürgen Krogmann und Hochschulratsvorsitzender Jörg Waskönig Bild: Torsten von Reeken

Mehr als 100 Tage ist Prof. Dr. Ralph Bruder schon Präsident der Carl von Ossietzky Universität. Am Donnerstag wurde er offiziell in sein Amt eingeführt. Und er hat viel vor

Das vielleicht größte „Geschenk“ zur Amtseinführung hatte Prof. Dr. Ralph Bruder bereits vor ein paar Tagen bekommen, als das Land nach langem Hin und Her endlich die Finanzierung der versprochenen zusätzlichen 40 Medizinstudienplätze für die European Medical School (EMS) unter Dach und Fach gebracht hatte. Viele gute Wünsche zur Amtseinführung folgten dann am Donnerstagnachmittag. Seit dem 1. August ist der Arbeitswissenschaftler Bruder Präsident der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Zur feierlichen Amtseinführung und zur Eröffnung des Akademischen Jahres waren geladene Gäste ins Hörsaalzentrum gekommen – selbstredend unter Einhaltung der Hygieneregeln der Corona-Pandemie.

EMS und mehr

Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) bescheinigt der Universität einen „guten Lauf“: Er nannte beispielhaft die Weichenstellungen der Kooperation mit Groningen – ein zentraler Baustein für die neue Herausforderung EMS –, die Stärke der Sonderpädagogik und der Oldenburger Schlüsseltechnologien – von der Hörforschung bis zur Meeresbiologie. Das Departement für Informatik ist eine „Perle dieser Universität“. Durch den IT-Campus verspricht sich Thümler eine Stärkung für Niedersachsen. Bruder habe viel vor sich: Innovationskraft bündeln, Stärken pflegen und den nächsten Exzellenzwettbewerb angehen. Die EMS sei keine Spielerei der Universität – „dahinter steht die Region, sie steigert die Lebensqualität von Osnabrück bis zur Küste“.

„Es ist nicht nur so, dass die Region das will“, betonte Oberbürgermeister Jürgen Krogmann. „Die Region hat ein Recht auf eine angemessene medizinische Versorgung.“ Es sei ein historisches Versäumnis, dass es Medizinerausbildung im Nordwesten nicht gab. Krogmann sprach von „einer sehr langen Liste“ von gemeinsamen Interessen – von größerer Sichtbarkeit der Uni in der Stadt bis hin zur gleichzeitig angestrebten Klimaneutralität 2035.

Schnellere Umsetzung

Das Thema Klimaschutz griff auch Honorarprofessor Dr. Werner Brinker auf. Der Vorsitzende der Universitätsgesellschaft Oldenburg wies auf die jahrzehntelange Tradition von Forschung in zukunftsweisenden Technologien hin: „Die Universität Oldenburg war anderen Hochschulen in Klimaforschung und Erneuerbaren Energien immer mindestens einen Schritt voraus.“ Allerdings dauere die Transformation zu lange: Man könne es sich angesichts der Herausforderungen der Zukunft nicht mehr leisten, 20 bis 30 Jahre von der Erkenntnis bis zur Umsetzung zu warten.

Hochschulratsvorsitzender Jörg Waskönig forderte Bruder in einem unterhaltsamen Vergleich der Fakultäten mit einem großen Orchester auf, die einzelnen Spieler der Universität zu Höchstleistungen anzutreiben.

Treiber der Entwicklung

Bruder – seit gut 100 Tagen im Amt – beschrieb in seiner Rede die Universität Oldenburg als einen besonderen Ort des Lehrens, Lernen, Forschens und Arbeiten. Für den Präsidenten verknüpft die Uni „eine Haltung, die im Sinne ihres Namensgebers Carl von Ossietzky für eine offene und menschliche Wissenschaft eintritt, mit einem zukunftsweisenden inhaltlichen Profil, das auf eine nachhaltige gesellschaftliche Entwicklung zielt“. Dabei sei die Universität ein wichtiger Treiber der regionalen Entwicklung im Nordwesten. Er bekräftigte das Bemühen um den Transfer anwendbaren Wissens in die Gesellschaft und kündigte an, diese Rolle weiter ausbauen zu wollen.

Auch Bruder sieht im „engen Zusammenwirken von Universität und Stadt“ einen Schwerpunkt seiner (mindestens) sechsjährigen Amtszeit. Ihm schwebt ein „Campus Oldenburg“ vor, der über die Universität hinaus geht, der weitere Orte umfasst, der die Bürger einbindet. Es gebe keinen besseren Ort, einen neuen Weg zu beschreiten, als Oldenburg. „Sie haben Themen benannt, von denen wir heute sagen, die sind hochaktuell: Nachhaltigkeit, Mensch und Technik, Digitalisierung.“ Diese Themen würden seit Dekaden bearbeitet, man laufe keinen Trends hinterher: „Das macht glaubwürdig.“ Er rief aber auch zu mehr Selbstbewusstsein auf, dazu Bündnisse zu knüpfen, aber auch zu mehr Eigenständigkeit. „Lassen Sie uns gemeinsam neue Wege gehen.“


 

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