Gesicht zeigen für eine Institution

Von Torben Rosenbohm

Eike Ait Liebenow, Janna Liebenow-Taubert, Anna Marie Liebenow und Jan-Hendrik Fleßner (von links) wollen mit Aktionen die Diskussionen rund um das ehemalige Wallkino beleben. BILD: MANNS

OLDENBURG – Das Wallkino in Oldenburg wird am 1. Dezember 2020 sicherlich nicht neu eröffnet. Warum das so deutlich erwähnt werden muss? Ein Banner an den verschlossenen Toren des Gebäudes am Heiligengeistwall verkündet seit Kurzem die Neueröffnung für genau diesen Tag.

Hinter dem plakativen Hinweis steckt die junge Oldenburger Agentur „guerilla|substitue.“, die sich erst vor einigen Wochen gründete – und sich direkt mit der Corona-Krise konfrontiert sah. Geschäftsführer Jan-Hendrik Fleßner und Kreativdirektor Eike Ait Liebenow widmeten sich in dieser kniffeligen Lage zunächst einmal zwei besonderen Projekten: Einerseits richteten sie die Plattform „restaurantboten“ ein, um Oldenburger Gastronomiebetrieben eine Möglichkeit zu geben, in Zeiten der Corona-bedingten Schließung zumindest per Lieferservice aktiv zu bleiben.
Andererseits entwickelten sie gemeinsam mit dem Cine k, dem Kino in der Kulturetage, ein Autokino-Format.

Projekt Nummer drei sind nun die Aktionen rund um das Wallkino. Ein Plakat am Eingang, eine Facebook-Seite, eine rasch aufgesetzte Website – und schon war das Interesse geweckt. „Kultur braucht eine Bühne“, erklärte Eike Ait Liebenow im Rahmen einer Online-Pressekonferenz, die das vierköpfige Team – neben Liebenow und Fleßner sind noch Anna Liebenow (Social Media) und Janna Liebenow-Taubert (Presse & Kommunikation) an Bord – im sonnigen Garten abhielt.

Bewusst werde kein Versuch unternommen, mit Verantwortlichen der Stadtverwaltung oder dem Hausbesitzer in Kontakt zu treten. „Wir gehen aktiv auf die Oldenburger zu“, erklärt Eike Ait Liebenow. Und eben die sollen via Foto (am 13. Juni ist eine „Photo Booth“ geplant, auch eine Einsendung per Facebook oder Mail ist möglich) ein Bekenntnis zu „ihrem“ Wallkino ablegen.

Mehr unter www.wallkino.de oder bei Facebook.

Kommentar von Torben Rosenbohm

Jede Stadt hat ihre „Und täglich grüßt das Murmeltier“-Momente; Themen, die immer wiederkehren, ohne sich recht vom Fleck zu bewegen. In Oldenburg sind das unter anderem die Diskussionen über viele Radwege, auch die Brücke, die über die Mühlenhunte zum Schlossgarten führt, ist gerade dabei, sich zu einem Klassiker der Endlosigkeit zu entwickeln.

Immer und immer wieder zum Gesprächsthema wurde und wird das ehemalige Wallkino am Rande der Innenstadt. Viele Menschen in der Stadt – und der ganzen Region – verbinden mit dieser besonderen Kulturstätte Erinnerungen an Filme, Begegnungen, vielleicht auch zaghaftes Händchenhalten und erste Küsse.

Dass eine kleine Oldenburger Agentur nun die Initiative ergriffen hat, das Thema inhaltlich zu besetzen, ist – ja was eigentlich? Frech? Clever? Innovativ? Es ist wohl von allem etwas. Das Interesse am vor sich hin vegetierenden Gebäude ist nach wie vor groß, doch die Wahrscheinlichkeit, dass hier in absehbarer Zeit tatsächlich etwas passiert, ist äußerst gering. Die Situation ist vollkommen verknotet.


 

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