Über den Aufstieg in die 1. Bundesliga 

Artikel vom 20.05.2022

Gabriele Richardt

Menschenmenge im Weser-Stadion nach dem Spiel Werder Bremen gegen Regensburg. Bild: Vivien Paradies

Am vergangenen Sonntag ging es für Werder Bremen um den Aufstieg in die 1. Bundesliga. Für alle Werder Bremen Fans ein extrem wichtiger Tag. Auch für meine Kollegin Vivien Paradies, denn sie ist ein absoluter Werder Bremen Fan. Wie sie den Tag erlebt hat, erfahrt ihr in diesem Interview.

 

 

Frage: Wie ging der Tag los?

 

Antwort: Wir sind morgens schon ziemlich früh los, denn um 12.00 Uhr haben sich die Fans in Bremen am Marktplatz getroffen. Diese Info habe ich von einem anderen Fan über WhatsApp erhalten. Ich habe am Marktplatz mit ein paar hundert Fans gerechnet, es waren aber 14.000 Fans.

 

Frage: Wie war es dann vor Ort?

 

Antwort: Das war eine unbeschreibliche Menschenmasse. Ich habe versucht, das zu filmen, jedoch hat das nicht so sonderlich gut funktioniert, da man den Anfang und das Ende nicht gesehen hat. Es wurde gesungen, getrommelt und gehupt. Da war richtig gute Stimmung. Obwohl es noch gar nicht losging, war dies schon ein absoluter Gänsehaut Moment.

 

Frage: Seid ihr dann alle (14.000 Menschen) gemeinsam zum Stadion gelaufen?

 

Antwort: Ja, genau. Wir sind da durch das Viertel gelaufen. Die Anwohner saßen auf ihren Balkons und haben ebenfalls mitgejubelt und mitgefilmt.

 

Frage: Wie war es dann im Stadion?

Antwort: Obwohl ich Mitglied im Verein bin, habe ich für dieses Spiel leider keine Karten bekommen. Wir sind dann weiter und wollten in eine Kneipe. Die meisten Kneipen in Weser Stadion Nähe waren reserviert oder schon voll, weshalb wir dachten, das wird nichts. Gott sei Dank war bei einer Kneipe draußen eine Leinwand, sodass wir mit hunderten von Fans vor dieser Leinwand standen.

 

Frage: Was ist passiert als das erste Tor gefallen ist?

 

Antwort: Wir haben alle gejubelt, gesungen und zusammen gefeiert. Man hatte auch das Gefühl, als wäre man vor live dabei gewesen. Als das 2:0 für Werder Bremen gefallen ist, war die Situation dann auch schon fast klar, dass Werder Bremen wirklich aufsteigt.

 

Frage: Seid ihr dann noch zum Stadion?

Antwort: Ja, 10 Minuten vor Abpfiff sind wir zum Stadion gelaufen, weil wir dachten: „Ja, vielleicht kommen wir noch rein.“  Wir standen dann in der Ostkurve vor den Toren. Diese wurden aber natürlich nicht aufgemacht.

 

Frage: Ihr seid also nicht ins Stadion gekommen?

 

Antwort: Ein Fan hat ein Bengalisches Feuer gezündet, alle waren am Feiern und haben sich wahnsinnig gefreut. Gleichzeitig wurde hinter uns an der Seite ein Tor geöffnet. Da sind dann Fans direkt hin gestürmt. Mein Freund und ich sind ebenfalls dort hingerannt und haben es ins Stadion geschafft.  

 

Frage: Wie war es in dem Stadion?

 

Antwort: Da war ein ziemliches Gedränge. Ich habe mich auch leicht am Arm verletzt, weil ich stark gegen dieses Tor gedrückt wurde. Das war es aber auf jeden Fall wert. Ich bin dann im Stadion erstmal nach oben und habe ein Foto gemacht, weil diese Menschenmenge so unglaublich war.

 

Frage: Wie ging es dann weiter?

 

Antwort: Ich bin dann von der Tribüne runter auf den Platz und das war so ein unbeschreibliches Gefühl. Man hat einfach den Rasen gerochen, die Leute waren am Feiern, am Singen, Tanzen und Grölen. Ich war schon oft im Stadion, aber den Geruch des Rasens habe ich noch nie wahrgenommen. Im gesamten Stadion war ein krasses Feeling, dass ich wieder Gänsehaut bekommen habe. Einige Leute sind auf das Tor geklettert. Da wurde direkt auf der Anzeigentafel eingeblendet: „Bitte nicht auf die Tore klettern“. Die Werbung und die Banner wurden abgebaut und mitgenommen. Rasen wurde mit den Plastiktrinkbechern ausgestanzt, sodass nachher ein großes Stück Rasen fehlte. Irgendwann wurde das Tor auch auseinander gebaut. Das habe ich allerdings nicht mitbekommen, weil ich da schon wieder draußen war.  Nach einer halben Stunde sind wir  wieder runter vom Platz, weil es in der Sonne viel zu heiß war. Später habe ich im Viertel jemanden gesehen, der so eine große Reklame aus dem Stadion mit sich herumgetragen hat.

 

Frage: Ihr wart dann aber doch noch nicht fertig mit Feiern?

 

Antwort: Nein, quatsch! Wir sind dann zurück ins Viertel. Die Stimmung war super. Alle waren gut gelaunt. Im Viertel haben die Anwohner wieder mit uns gefeiert und gesungen. Die Straßenbahn konnte nicht fahren, weil alles voll war. Es war einfach eine geile Stimmung.

Frage: Habt ihr denn noch den Bus mit den Spielern gesehen?

Antwort: Nein, leider nicht. Das Spiel war gegen 17.30 Uhr vorbei und wir waren seit morgens 9 Uhr unterwegs. Zudem mussten wir am nächsten Tag auch arbeiten, weswegen wir darauf dann verzichtet haben. Allerdings haben wir einige Bilder gesehen und das sah schon ziemlich cool aus.

 

Frage: Ist es vergleichbar wie der Ausnahmezustand damals bei der WM?

Antwort: Ja, absolut. Es war auch so, dass alle auf einmal Werder Bremen Fan waren und dann auch mitgefeiert haben. Auch die Leute, die sonst nicht so viel mit Fußball zu tun haben. Das war schon großartig. Zudem war es auch schön zu sehen, wie sich alle miteinander verstanden haben, obwohl man sich nicht kannte.  Das ist aber typisch für Fußball.

 

Frage: Dann hast du bestimmt auch einige Leute kennengelernt?

 

Antwort: Ja, ich habe durch den Fußball und den Verein in all der Zeit auch Freunde gefunden und viele tolle Bekanntschaften gemacht. Das ist schon schön.

 

Frage: Was denkst du, wie geht es nun weiter mit Werder Bremen?

 

Antwort: Schwierig zu sagen. Viele sagen, dass die Mannschaft vielleicht noch nicht für die 1. Bundesliga bereit ist, aber ich denk mir: „sollen sie es versuchen“. Wieder absteigen wäre nicht so schön, aber ich glaube, die schaffen es ins gute Mittelfeld. Die Chance darauf, Meister zu werden oder in die Champions League zu kommen, halte ich aktuell jedoch für gering.

 

 

Frage: Was hast du abschließend zu diesem Tag zu sagen?

 

Antwort: Es war eine Ausnahmesituation. Ich bin schon seitdem ich klein bin Werder Bremen Fan und war schon oft im Stadion. So etwas habe ich aber auch noch nie erlebt. Es ist definitiv einer der besten Tage meines Lebens gewesen - Ein Tag, den ich niemals vergessen werde.


 

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