Jungunternehmer erobern mit „Neotaste“ die Gastro-Szene

Artikel vom 12.10.2021

Katja Lüers

Die Neotaste-Gründer auf Erfolgskurs: Tobias Düser aus Wildeshausen (links) und Hendrik Sander aus Harpstedt. Bild: Luis Budow

Sie wollen mit ihrer App die Oldenburger Gastronomen- und Gästewelt erobern: die Neotaste-Gründer Tobias Düser und Hendrik Sander. Angst vorm Scheitern haben die beiden 29-Jährigen nicht

Einer seiner besten Kumpels bringt den Stein ins Rollen: Vor gut zwei Jahren besucht der Harpstedter Hendrik Sander seinen Freund David Custodis in Oldenburg. Der leitet in der Innenstadt den Coffeeshop Captiva. Damals werfen die beiden Männer einen Blick auf die digitale Kasse und die Umsätze des Cafés. Sander, der in Osnabrück Wirtschaftswissenschaften studiert hat, interessiert sich vor allem für die Umsatz-Peaks. Sein Freund klärt ihn schnell auf: die klassischen Gutscheinbücher bescheren dem Jungunternehmer diese Spitze.

Warum braucht man eine solche App?

„Warum gibt es ein solches Angebot nicht auch digital für Restaurants?“, fragt sich damals Hendrik Sander – mit dem Gutscheinbuch in der einen und Google Maps auf dem Smartphone in der anderen Hand, um herauszufinden, wo die teilnehmenden Restaurants aus dem Gutscheinbuch liegen. Viel zu umständlich, findet Sander. „Eine entsprechende App muss her“, dachte sich der 29-Jährige – und animiert seinen Freund Tobias Düser aus Harpstedt.

Der hat Interaction-Design studiert – ebenfalls in Osnabrück: ein Studiengang, der Design mit den Grundlagen der Informationstechnologie, Psychologie und Kommunikationstheorie verbindet, Programmieren eingeschlossen.

Woher kennen sich die Firmengründer?

Düser und Sander kennen sich schon aus Jugendzeiten – gemeinsam haben sie die Schulbank im Gymnasium Wildeshausen gedrückt. Beide sind sich auf Anhieb einig, dass es für die Gastro-App-Idee viel Bedarf gibt: Auf Seiten der Gastronomen und auf Seiten der Nutzer – „die App sollte beide Zielgruppen zusammenführen“, erklärt Düser.

Acht Monate brauchen die beiden, bis Neotaste programmiert und einsatzbereit ist. „Der Name bedeutet so viel wie etwas Neues entdecken, auf einen neuen Geschmack kommen“, erklärt Sander. Bevor das Startup 2020 allerdings überhaupt loslegen kann, kommt Corona.

„Eine harte Zeit, aber wir haben sie sinnvoll genutzt, um unsere Ideen und damit auch das Unternehmen weiterzuentwickeln“, beschreibt Sander.

Eine sechsstellige Summe haben die beiden Firmengründer investiert. Inzwischen gehören acht Männer und Frauen zum jungen Kernteam, zwölf weitere freie Mitarbeiter hat Neotaste, das Büro liegt auf dem Hafencampus in Osnabrück. Sander und Düser sind mit 29 Jahren die ältesten, der jüngste ist erst 20. Während sich Sander um die strategische Planung kümmert, steht Düser zwischen Technik und Design und gibt vor, wie die App funktionieren soll, die Entwickler setzen seine Ideen um.

Haben die beiden Männer Angst vorm Scheitern?

Angst vorm Scheitern haben die beiden Jungunternehmer nicht. Im Gegenteil, sie verbinden mit dem Schritt in die Selbstständigkeit ein Stück Freiheit, denn beide haben Spaß daran, ihre Ideen schnell und unkompliziert umzusetzen, ohne lange Chef-Überzeugungsgespräche zu führen. „Als Startup muss man aber auch damit rechnen, dass es am Ende nicht funktioniert“, sagt Sander. Momentan sieht es aber nicht danach aus: Oldenburg ist nach Osnabrück und Hannover die dritte „Neotaste“-Stadt – und das Startup will stetig wachsen. Mehr als 10.000 Menschen nutzen bereits die App, 150 Gastronomen machen mit, mehr als 50 sind es in Oldenburg – Tendenz stark steigend. „Wir liegen aktuell auf Platz 12 im App Store – vor riesigen Firmen wie HelloFresh, Flaschenpost oder Yelp. Für uns ein überragender Erfolg“, freut sich Sander. Langfristig wollen die beiden Männer das Konzept in allen Städten etablieren, in denen mehr als 100.000 Einwohner leben. Oldenburg liege ihnen natürlich besonders am Herzen: Denn immerhin nimmt ihre Gründungsgeschichte hier ihren Anfang.


 

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