Kramermarkt ohne Barkemeyer

Artikel vom 01.10.2021

Blättert in den Fotobüchern: Monika Barkemeyer erinnert sich als Ruheständlerin an die vielen Jahre auf dem Kramermarkt zurück.   BILD: STÜBER

OLDENBURG – Normalerweise wäre Monika Barkemeyer jetzt täglich auf dem Kramermarkt. Von morgens bis abends. 54 Jahre lang war die Osternburgerin die Seele des Schankzelts Barkemeyer. Sie hätte die 55 Jahre auch gerne noch komplettiert.
Das wäre dann im Jahr 2020 der Fall gewesen. Zeitgleich hätte es das Familienunternehmen Barkemeyer 111 Jahre auf dem Kramermarkt gegeben. Doch Corona machte einen Strich nicht nur durch diese Rechnung.

Der Schlussstrich

Als zum Abschluss des Kramermarktes 2019 das letzte Bier bei Barkemeyer gezapft, der letzte Schlenderschluck ausgeschenkt worden war, ahnte niemand, dass das die letzte Runde überhaupt sein sollte.
Die Pläne der Familie Barkemeyer sahen jedenfalls anders aus. „Unser Zelt hatte noch bis zum Jahr 2021 TÜV. So lange wollten wir es auch betreiben und auf dem Kramermarkt 2021 zünftig von unseren tollen Gästen Abschied nehmen“, erzählt Monika Barkemeyer. Wegen der Pandemie gab es den Kramermarkt aber seither nicht mehr, sondern als Ersatz den temporären Freizeitpark LaOla mit eingeschränkten Öffnungszeiten. „Das hat sich einfach nicht für uns gelohnt“, erklärt die Chefin.
Weitere Gründe für die Entscheidung, den endgültigen Schlussstrich zu ziehen: „Das Zelt wird nicht besser und meine Jungs, die es aufbauen, sind auch nicht mehr die Jüngsten.“

Das Familienteam

Mit „uns“ meint die 78-Jährige zunächst einmal ihre Töchter Kai und Insa, mit denen sie seit 1998 das Geschäft im Schankzelt führt. Die Pädagogin und die Psychologin nehmen sich dafür extra frei. Das gilt mittlerweile auch für die Enkeltöchter Kisa und Janina „Meine Neffen und Nichten waren auch immer da. Beim Zeltaufbau und beim Bedienen.“ Komplettiert wird das Familienunternehmen durch „tolles Personal, auf wir uns immer verlassen konnten“, schwärmt Monika Barkemeyer.

Erinnerungen

Diese Ära endet nun und beim Blättern in Fotobüchern, die die Wirtin 2009 zum Jubiläum „100 Jahre Barkemeyer“ auf dem Kramermarkt bekam, denkt sie zurück an besondere Begebenheiten. Wie den Einsatz ihrer Kegelschwestern vom Wirtinnen-Kegelclub „Die letzten Heuler“, die an einem Tag im Jubiläumsjahr den kompletten Dienst übernahmen.
Oder wie damals der heutige Bundespräsident Frank Walter Steinmeier in seiner Funktion als Oldenburger Kohlkönig bei ihr zu Gast war. „Wir haben mit Altem Hullmann angestoßen.“ Dringende Wünsche von Müttern mit Kleinkindern hat die Wirtin hinter den Kulissen des Zeltes erfüllt: „Mal eben einen Baby-Brei aufgewärmt. Oder es zugelassen, dass ein Säugling gewickelt werden konnte. Das dürfte man heute gar nicht. Damals gab es aber auch noch keine Wickeltische in den Toilettenwagen.“

250 Dosen Feigen

Beliebt waren nachmittags das Kaffeegedeck bei Barkemeyer und abends „Wodka-Feige“. Einmal, so erinnert sich Monika Barkemeyer, war es sogar schwierig, Feigen zu bekommen. Deshalb kaufte sie dann immer en gros ein. Auch im Jahr 2020. „Und jetzt habe ich 250 Dosen Feigen im Keller“, sagt sie lachend. Ihren Gästen auf dem Kramermarkt wird sie damit nun nichts mehr mixen. Aber vielleicht ihrem Team und der Familie demnächst beim privaten Abschlussfest.
Ihre Tochter Kai fasst schriftlich zusammen, was die Familie den Gästen gern noch sagen möchte: „Die Freude, euch alle wiederzusehen, mit euch zu schnacken, zu feiern und zu lachen, war jedes Jahr aufs Neue riesengroß. Wir sind sehr traurig, uns nicht persönlich von euch verabschieden zu können. Wir werden euch vermissen.“


 

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