Kurze Auszeit vom Krieg in der Heimat

Artikel vom 01.06.2022

Markus Minten

Knapp 40 Kinder und Jugendliche aus der Ukraine sind derzeit bei der Jugendkulturarbeit zu Gast – und haben sichtlich Spaß. Bild: Markus Minten

Die Jugendkulturarbeit Oldenburg ist derzeit Gastgeber für fast 40 ukrainische Kinder und Jugendliche. Und viele weitere sollen folgen. Dafür wird noch Unterstützung gebraucht.

Jegor kann wieder befreit lachen: Seit ein paar Tagen ist der Zwölfjährige in Oldenburg. Urlaub machen, abschalten, Spaß haben. Gemeinsam mit fast 40 anderen Kindern und Jugendlichen sowie einigen Betreuern ist er zu Gast bei der Jugendkulturarbeit in Neu-Donnerschwee. In einer Mischung aus Ukrainisch und gebrochenem Englisch berichtet Jegor, wie er sich gemeinsam mit seinen Eltern zu Hause in Kiew im Badezimmer versteckt hat, wenn in der Ferne Einschläge des Raketenbeschusses zu hören waren. Auch wenn er die schlimmsten Grauen des Krieges nicht miterleben musste, kennt er kaputte Häuser und auch Betroffene. „Man muss immer vorsichtig sein, immer mit der Gefahr rechnen. Hier ist es viel ruhiger. Hier kann ich mich entspannen.“

Buntes Programm

So geht es auch Slata (13) und Nastja (15). Auch sie genießen das Programm aus Ausflügen in die Stadt und Umgebung, Kreativangeboten und theaterpädagogischen Ansätzen. Vier Gruppenangebote gibt es jeden Tag – und darüber hinaus genügend Freizeit, damit sich Freundschaften bilden können, die vielleicht über den Aufenthalt andauern. Unterstützt wird das Team von ukrainischen Flüchtlingen, die seit Ausbruch des Krieges Unterkunft in Neu-Donnerschwee gefunden haben.

Auch eine psychologische Betreuung gehört dazu – übernommen von einer Ukrainerin, die bereits vor einigen Wochen geflohen und nach Oldenburg gekommen ist. Derartige Hilfe könnte sich Dettmar Koch, Leiter des Internationales Jugendprojektehaus „Weiße Rose 1“, und seine Kollegin Agnieszka Adamczak-Waschow auch von anderen Ukrainerinnen und Ukrainern vorstellen, die in Oldenburg Unterkunft gefunden haben: Künstler oder Pädagogen, Sportler oder Handwerker. Wer den Aufenthalt der Kinder und Jugendlichen unterstützen will – auch durch Aufbesserung der Ausstattung oder vergünstigten Eintritt in Einrichtungen der Region – kann sich melden unter Tel. 39010550 oder per Mail an info@jugendkulturarbeit.eu. Während Grundversorgung samt psychologischer Betreuung gesichert sind, kommen die Organisatoren bei Eintrittsgeldern oder Anschaffungen von Spielgeräten schnell an ihre Grenzen. Mehrere andere Gruppen sollen bis Sommer folgen, untergebracht teilweise in Oldenburg, aber auch in Einrichtungen in der Region. Insgesamt sollen so 200 Kinder und Jugendliche hier eine Auszeit vom Krieg haben.

Probleme gemeistert

Möglich machen die Besuche direkte Kontakte in die Ukraine und die Zusammenarbeit mit dem Deutsch-Polnischen Jugendwerk, gefördert werden sie vom Auswärtigen Amt. Die meisten der Kinder und Jugendlichen sind Binnenflüchtlinge. In der nächsten Gruppe sollen auch Mädchen und Jungen aus Mariupol sein, der Stadt die wie keine andere als Symbol des Putin-Krieges gegen die Ukraine geworden ist. Dass die Umsetzung nicht ganz ohne ist, wird auch daran deutlich, dass die beiden ukrainischen Kooperationspartner doch nicht wie geplant das Land verlassen und die Gruppe begleiten durften. Andere Kinder und Jugendliche konnten nicht mitkommen, weil ihre Papiere nicht rechtzeitig fertig waren.

Den Kontakt in die Heimat lassen auch Slata und Nastja nicht abreißen: Über Telefon und Computer versuchen sie regelmäßig mit ihren Eltern zu sprechen, zudem nehmen viele digital am Schulunterricht in ihrer Heimat teil. Am Donnerstag wird die erste Gruppe Oldenburg verlassen. Bis dahin wird Jegor mit seinen Freunden wohl auch nochmal den benachbarten Fußballplatz an der Schliefenstraße nutzen – für den Fan von Dynamo Kiew und Schachtar Donezk „ein Fußballfeld wie bei der Europameisterschaft“.


 

Blaulicht-Ticker

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