Lebenslange Haftstrafe nach Messerattacke an Oldenburger Bushaltestelle

Artikel vom 22.07.2022

Franz-Josef Höffmann

In der Nähe der Bushaltestelle „Eßkamp“ am Scheideweg hatte der Mann seine Frau, die bereits getrennt von ihm lebte, mit einem Messer niedergestochen. Bild: Sascha Stüber

Der Täter hatte im Mai 2021 zwei Frauen vor den Augen kleiner Kinder niedergestochen. Bereits im November 2021 wurde er zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Der Bundesgerichtshof hat die Revision des Angeklagten jetzt verworfen.

Die Taten waren an Grausamkeit kaum zu überbieten: Am 20. Mai des vergangenen Jahres hat ein 29-jähriger Iraker an der Bushaltestelle Eßkamp am Scheideweg in Oldenburg zwei Frauen vor den Augen kleiner Kinder mit einem Messer niedergestochen.

Trennung als Motiv

Bei den beiden Frauen handelte es sich um die Ex-Ehefrau des 29-Jährigen sowie deren Freundin. Die Ex-Frau sollte sterben, weil sie sich von dem Täter getrennt hatte. Und die Freundin der Frau sollte aus dem Weg geräumt werden, um in Ruhe die Ex-Frau töten zu können.

Bereits im November war der Iraker von der Schwurgerichtskammer des Oldenburger Landgerichtes unter Vorsitz von Richter Sebastian Bührmann zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Dieses Urteil ist nun rechtskräftig geworden. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat die Revision des Angeklagten verworfen. Das bestätigte am Dienstag Richter Torben Tölle, Pressesprecher des Oldenburger Landgerichtes.

Heimtückische Attacke

Die beiden Frauen hatten die heimtückische Attacke des Angeklagten schwer verletzt überlebt. Trotzdem gab es für die Tat an der Ex-Ehefrau lebenslang, auch wenn der Angeklagte diesbezüglich „nur“ wegen versuchten Mordes schuldig gesprochen wurde. Eine abgemilderte Strafe kam für die Kammer aber nicht infrage. Zu nahe sei die Tat an der Vollendung gewesen, hatte Richter Bührmann in der Urteilsbegründung ausgeführt.

So wurde der versuchte Mord wie ein vollendeter Mord gewertet. Und auf Mord steht lebenslang. Der Bundesgerichtshof hat die Feststellungen und die rechtliche Würdigung der Bührmann-Kammer bezüglich der Tat an der Ex-Ehefrau in vollem Umfang geteilt. Was die Tat gegenüber der Freundin der Ex-Frau angeht, hat der BGH allerdings Bedenken angemeldet.

Versuchter Mord

Die Kammer hatte die Tat an der Freundin auch als versuchten Mord gewertet, schließlich war der Angeklagte von hinten an die Frau herangetreten und hatte ihr ein Messer mit einer Klingenlänge von 20 Zentimetern quer durch den Hals gezogen.

Der Bundesgerichtshof meint aber, dass der Angeklagte wegen dieser Tat nur wegen gefährlicher Körperverletzung schuldig gesprochen werden könne. Er hätte die Frau töten können, wenn er es gewollt hätte, was aber nicht geschehen ist. Von einer möglichen Ermordung sei er wohl strafbefreiend zurückgetreten.

So oder so: Einen Teilaufguss des Verfahrens wird es nun wohl nicht geben. Denn die lebenslange Haftstrafe ist rechtskräftig. Und mehr als lebenslang gibt es nicht.


 

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