Lichtmiete-Gründer kämpft um sein Lebenswerk

Artikel vom 11.01.2022

Christoph Kiefer

Alexander Hahn, Gründer und bislang Chef der Unternehmensgruppe Deutsche Lichtmiete, ist nach wie vor von seinem Geschäftsmodell überzeugt. Bild: Lichtmiete

 


 

Die Staatsanwaltschaft hat alle Konten eingefroren, bundesweit prüfen besorgte Anleger rechtliche Schritte: Lichtmiete-Gründer Hahn schreibt dennoch in seiner Abschiedsmail, er gebe nicht auf.

Es ist ein vertraulicher Ton, den Alexander Hahn gegenüber der Belegschaft anschlägt. „Leider muss ich Euch heute eine sehr traurige Mitteilung übermitteln“, formuliert der bislang starke Mann der Deutschen Lichtmiete zum Einstieg seiner brisanten Mail mit Datum Donnerstag, 30. Dezember 2021, um vier Minuten vor 18 Uhr. Und lässt dann mit der – von Insidern erwarteten – Nachricht von der Zahlungsunfähigkeit die Katze aus dem Sack: „Ich sehe mich gezwungen, heute die Insolvenz der ersten drei Deutsche Lichtmiete Firmen anzumelden.“

„Gekämpft wie nie zuvor in meinem Leben“

Wenige Stunden vor Ablauf wichtiger Fristen ist der Unternehmenschef den Schritt zum Insolvenzgericht gegangen; bis zuletzt wollte den Alexander Hahn, der Gründer und Taktgeber der Deutschen Lichtmiete, mit allen Mitteln verhindern. Er habe in den vergangenen Wochen „jeden Tag alles gegeben und gekämpft wie nie zuvor in meinem Leben“, schreibt Hahn in der Mail, die mit „Liebe Mitarbeiter, liebe Mitarbeiterinnen, liebe Kollegen, liebe Kolleginnen“ adressiert ist. Warum es soweit kommen musste, ist aus seiner Sicht klar: Die Staatsanwaltschaft Oldenburg habe „sämtliche Konten aller Firmen“ gesperrt. „Wir sind daher leider handlungsunfähig und auch zahlungsunfähig.“

„Zweistelliger Millionenbetrag auf den Konten“

Hahn kann nicht verstehen, warum die Ermittler gegen sein Unternehmen in dieser Weise vorgegangen sind. Es sei „nicht so, dass wir in der Vergangenheit irgendeine Zahlungsverpflichtung nicht erfüllt hätten“, betont Hahn in der Mail, die unserer Redaktion vorliegt. „Ganz im Gegenteil. Die Firmen genossen immer den Ruf, äußert pünktlich und zuverlässig zu zahlen.“ Zum Zeitpunkt der Durchsuchung der Geschäftsräume durch Polizei und Staatsanwaltschaft am 8. Dezember habe die Gruppe einen „2-stelligen Millionenbetrag“ auf den Konten gehabt.

„Fehlerhaft und handwerklich schlecht gemacht“

Den Verdacht des Anlagebetrugs, den die Ermittler erheben, weist Hahn weit von sich. Die „Annahmen“ der Staatsanwaltschaft basierten vor allem auf „Gutachten der Gegenseite“, kritisiert der Unternehmer. Er habe diese Texte durchgearbeitet und sei „erschüttert“. Sie seien „so fehlerhaft und handwerklich schlecht gemacht“. Er verstehe nicht, „dass man auf dieser Basis die Firma faktisch eliminiert“. Die Mail macht klar: Von Selbstkritik oder gar einem Schuldeingeständnis ist Hahn weit entfernt.

„Was wir aufgebaut haben ist outstanding“

Im Gegenteil: Der Gründer will weiter für sein Lebenswerk kämpfen. Er werde „auch die nächsten Wochen alles dafür tun, die Firma noch zu retten“, schreibt Hahn. „Wir haben noch eine Chance uns zu verteidigen und diese werde ich natürlich nutzen.“ Einen Insolvenzantrag könne man „auch wieder zurücknehmen“. Für die Geschäftsidee der Deutschen Lichtmiete sieht Hahn eine glänzende Zukunft: „Das, was wir da aufgebaut haben, ist outstanding.“ Er wisse, dass „die Deutsche Lichtmiete in 5-6 Jahren sicher über 500 Mio. Euro wert“, sein werde. Seine Rolle auf diesem Weg lässt Hahn offen. Er werde „als Vorstand und als Geschäftsführer aller Gesellschaften zurücktreten müssen“, kündigt der Chef in der Mail an.

„Tut mir unendlich leid“

Zum Ende der Mail spricht Hahn seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erneut in vertrautem Ton direkt an: „Für Euch alle tut es mir unendlich leid, was da gerade passiert.“ Er habe nicht gewollt, dass „irgendjemand Kummer haben muss, weil er bei der Lichtmiete arbeitet, für die Lichtmiete als Lieferant oder Dienstleister tätig ist oder bei der Lichtmiete sein Geld angelegt hat“. Was Hahn stattdessen wollte und tat, klärt derweil ein Ermittlungsverfahren bei der Staatsanwaltschaft Oldenburg. Viele Anleger fürchten um ihr Geld; bundesweit bieten Rechtsanwaltskanzleien ihre Hilfe ab. Ein dreistelliger Millionenbetrag steht im Feuer.


 

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