Lieferdienst bringt Einkauf direkt nach Hause

Artikel vom 20.11.2021

Karsten Röhr

 Wer will, soll es künftig einfacher haben: Der lokale Einkauf kann – zum Auftakt aus sieben Geschäften der Haarenstraße – auch nach Hause gebracht werden. Bild: 123RF

Die Oldenburger Innenstadt hat grundsätzlich eine hohe Zugkraft. Doch die Folgen von Corona und externer Online-Bestellungen machen sich bemerkbar. Jetzt kommen neue Ideen

Keiner weiß, wie es hinter den Kulissen vieler Geschäfte in Oldenburg aussieht – nach fast zwei Jahren Ausnahmesituation. Aber: Der Einzelhandel hat den Kampf gegen die Folgen von Corona aufgenommen – und die Menschen kommen langsam zurück. Das zeigt der Blick in die Innenstadt.

jede Menge Substanz

Angesichts der Substanz, die Oldenburgs Kern zu bieten hat, wundert sich Dr. Sven Uhrhan darüber kaum. Der Baudezernent sagt – auch mitten im hoffentlich letzten größeren Corona-Anstieg: „Ich glaube, dass die Innenstadt ein hochattraktiver Anziehungspunkt für Oldenburg und das Umland ist und bleibt. Hier ist alles: Shoppen, Gastronomie, Kultur, die Stimmung, der Flair des Kaffeesierens, die schöne, gepflegte Bausubstanz, das Wasser, auch mit so etwas wie dem Tretbootfahren im Sommer. Das wird immer ziehen. Die Menschen grüßen sich. Oldenburg ist groß und klein genug gleichzeitig – es ist einfach charmant und schön.“ Ein ähnlich positives Zeugnis hatten 500 Befragte beim letzten Passantenmonitor der Jade-Hochschule der Innenstadt ausgestellt: die glatte Zwei ist ein bundesweiter Topwert (Teilnahme für 2021 unter https://kurzelinks.de/vy3o).

Stärkung nötig

Trotzdem ist Hilfe dringend nötig – wegen Corona und wegen der Folgen der Klicks bei den externen Händlern auf den Einzelhandel. Auch darüber ist sich Uhrhan im Klaren. Die Verwaltung schraubt bereits an verschiedenen Stellen: Innenstadtstrategie, Bündnis Innenstadt, Innenstadtmanager, Leerstandsmanagement. Hilfe kommt aber auch aus anderen Richtungen: von Investoren, die von der dauerhaften Anziehungskraft des Stadtkerns überzeugt sind. Sven Uhrhan sagt: „Es ist toll zu sehen, wie viele Menschen für diese Stadt als Vorhabenträger Verantwortung übernehmen wollen. Als Stadtverwaltung können wir da höchstens Leitplanken setzen und flankieren.“ Auch das Projekt von Vivum und Anima aus Hamburg auf dem ehemaligen Carl-Wilh.-Meyer-Gelände gehöre dazu: 121 neue Wohnungen mitten in der Stadt, dazu neuer Einzelhandel.

Der Handel gehe immer dahin, wo Menschen und Kunden seien, sagt Uhrhan. Die Stadt könne und müsse dafür den Rahmen schaffen: „Wir schauen, wie wir Menschen zum Wohnen in die Innenstadt bringen, wir schauen auch auf die Erreichbarkeit, und wir steuern dazu bei, was wir können, um das Einkaufserlebnis schmackhaft zu machen.“

Stadt-Einkauf wird gebracht

Dazu zähle auch die Möglichkeit eines Einkaufs mit freien Händen – und damit auch für den unbeschwerten und gemütlichen Abschluss in einem Café oder Restaurant: und zwar dadurch, dass der Einkauf nach Hause gebracht wird, auch am selben Abend noch. Der Weg in die Stadt mit Bus oder Rad werde dadurch ebenfalls attraktiver. Die Citypost habe ein Konzept entwickelt, das genau dafür eine Lösung bieten könne. Die Koordination zwischen Handel und Lieferservice laufe bereits.

Denn jeder dritte Oldenburger hatte sich beim jüngsten Wahlcheck unserer Redaktion eine Stärkung lokaler Lieferdienste gewünscht. Das Konzept für einen Einkauf ohne Tütentragen steht und startet: Die Kunden erhalten im ersten (beteiligten) Geschäft auf Wunsch einen Liefercoupon, den sie ausfüllen. Jeder Coupon gilt für bis zu drei Einkäufe, die aus dem Laden an eine der (fünf bis zehn) Sammelstellen in der Fußgängerzone gebracht und von dort nach Hause geliefert werden. Die Kosten – pro Coupon zurzeit 6,50 Euro für einen Einkauf in bis zu drei Geschäften – kann der Einzelhändler, z.B. je nach Einkaufswert, zwischen sich und dem Kunden aufteilen. In der Haarenstraße wollen die ersten sieben Geschäfte zum 1. Advent beginnen. Die Koordination übernimmt Tobias Georg vom Spielwarengeschäft „Schaarmann’s“. Sven Uhrhan sagt: „Ich finde es gut, wenn man das Einkaufserlebnis auf diese Weise erhöht.“


 

Liveticker

Blaulicht-Ticker

Weitere interessante Artikel

So funktioniert die NWZ-Weihnachtsaktion

Wie kann ich für die NWZ-Weihnachtsaktion spenden? Wie kann ich ein Projekt anmelden? Und was ist in der Vergangenheit für den guten Zweck zusammengekommen? Hier gibt es Antworten!

Corona-Testzentren kommen nicht gegen Ansturm an

Nachdem aufgrund sinkender Nachfrage viele Teststationen geschlossen hatten, ist die Nachfrage nun, unter anderem wegen der 2G-plus-Regel größer denn je. Die Betreiber erweitern ihre ...

Kinder warten auf dem Lambertimarkt vergeblich auf Weihnachtsmann

Auf dem Lambertimarkt in Oldenburg hatte der Weihnachtsmann am Sonntag einen holprigen Start. Viele Kinder warteten vor der Bühne auf ihn. Dabei war er schon wieder weg. Zahlreiche Kinder haben ...

Mitarbeiter von C.W. Meyer erhalten die Kündigung

Der Insolvenzverwalter von C.W. Meyer in Oldenburg hatte sich ursprünglich optimistisch zur Zukunft geäußert. Nun wurde der Belegschaft gekündigt. Was bleibt, ist noch ein ...

Oldenburger „Rondell“ wird nach Brand zum Steakhaus

Die Zeiten sind nicht einfach - aber die Gastronomie in Oldenburg steckt nicht auf. Am Hafen wird das „Rondell“ wieder eröffnen, und der „Tortenprinz“ erweitert das ...

Unternehmen wollen nachhaltiger werden

Wie viele politische Vorgaben und Druck braucht die Wirtschaft auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit? Büfa-Chef Felix Thalmann will nur einen Rahmen. Wirtschaftsprofessor Hoppmann reicht das ...

Millionen-Förderung für Pius-Hospital Oldenburg

Das Pius-Hospital Oldenburg erhält für die weitere Sanierung eine Millionen-Förderung. Die brachte die Ministerin nach Oldenburg – und war von den jüngsten Neuerungen ...

Weniger Messen, weniger Geschäftsreisende - dafür mehr touristische Übernachtungen

Die Pandemie hat die Übernachtungszahlen in Oldenburger Hotels dramatisch einbrechen lassen. Seit diesem Sommer zieht die Nachfrage wieder an. Die Buchungen kommen aus einer überraschenden ...

Gemeinsam neue Wege mutig beschreiten

Mehr als 100 Tage ist Prof. Dr. Ralph Bruder schon Präsident der Carl von Ossietzky Universität. Am Donnerstag wurde er offiziell in sein Amt eingeführt. Und er hat viel vor Das ...

Bambus-Kunst für den Schulhof

Wie geht Kunst in Corona-Zeiten? Die Oldenburger Kunstschule hat einen Weg gefunden, wie man Künstler auch aus weiter Entfernung in Schulprojekte einbinden kann Reger Kunstbetrieb herrschte in ...

Wie nachhaltig ist die Wirtschaft?

Die Wirtschaft muss sich nachhaltiger aufstellen. Aber wie? Anspruch und Wirklichkeit stehen auf dem Prüfstand am Beispiel eines mittelständischen Oldenburger Unternehmens aus der ...

Stadt zieht Bilanz des Lambertimarkt-Wochenendes

Seit knapp einer Woche ist der Lambertimarkt in Oldenburg geöffnet. Vor allem am Wochenende war er gut besucht und laut der Stadt wurden die Regeln eingehalten. Das sehen jedoch nicht alle ...

Jedes Paar Schuhe steht für ein Leben

120 Frauen wurden in Deutschland in diesem Jahr Opfer von Femiziden. Sie wurden allein aufgrund ihres Geschlechts getötet. Daran wurde auch in Oldenburg erinnert 120 Frauen und Mädchen ...