Mehrweg-Schale statt Styropor-Müll in Oldenburg

Artikel vom 16.01.2023

Karsten Röhr

Zeigt die Pfand-Mehrweg-Schale von Mepal: Gustav-Grün-Mitarbeiter Cemal mit (v.li.) seinen Kunden Marc und Andree am Donnerstag im Lokal in der Haarenstraße. Bild: Torsten von Reeken

Oldenburger Gastronomen bieten auf Wunsch statt Kunststoff-Einwegverpackungen für die Essens- und Getränke-Mitnahme jetzt auch Mehrwegverpackungen, zumeist auch aus Kunststoff, an. Wie läuft das?

Gegen den Kunststoff-Müll von Essen und Getränken zum Mitnehmen gibt es jetzt eine Alternative: Mehrweg-Verpackungen, häufig als Pfandsystem organisiert, auch in Oldenburg.

Was gilt?

Denn der Gesetzgeber hat die EU-Verpackungsrichtlinie umgesetzt. Im Kern heißt das: Lizensierte Einwegverpackungen bleiben erlaubt, auf die Bitte des Kunden muss der Gastronom diesem nun statt einer Kunststoff-Verpackung – zum Beispiel aus Styropor – aber auch eine Mehrweg-Mitnahme-Verpackung anbieten. Das Essen darf dadurch nicht teurer werden.

Die Regelung ist seit knapp zwei Wochen in Kraft. Sie gilt grundsätzlich nur für Betriebe mit über 80 Quadratmeter Fläche und mehr als fünf Mitarbeitern im Gesamtunternehmen sowie nur für Verpackungen mit Kunststoff – also etwa nicht für Pizzakartons oder Aluschalen.

Ist die Regel in der Stadt angekommen, kommt die Gastronomie damit klar?

Was sagen die Gastronomen?

Beim Sushi-Team des „Moto Kitchen“ an der Nadorster Straße hieß es dazu am Donnerstag: „Wir nutzen dafür das App-System von Recup. Damit fahren wir gut, das nutzen auch immer mehr Kunden. Aber wir preisen das auch überall an.“

Das System dieses Anbieters funktioniert so: Der Gastronom leiht sich dort sein Mehrweg-Geschirr für 1 Euro Pfand pro Kunststoff-Getränkebecher (Recup) und 5 Euro Pfand pro Kunststoff-Schale (Rebowl). Für genau dieses Pfand gibt er es an den Kunden weiter, der es dort und bei jedem anderen Recup-Partner zurückgeben kann. Das Geschirr bleibt im Eigentum von Recup, das sich durch einen monatlichen Nutzungsbeitrag des Gastronomen finanziert, der je nach Laufzeit variiert. Bei Recup heißt es: „Ab einer Ausgabe von täglich 12 Recups oder sechs Rebowls ist der Beitrag refinanziert.“

Anton Benoua, mit seinem Bruder Kerim Gründer von „Gustav Grün“ und „Àro“, sagt: „Wir sind schon vor zwei Jahren damit angefangen. Mehrweg ist einfach das Sinnvollste.“ Aktuell kostet das Pfand für das hochwertige Mitnahmegeschirr mit „Gustav Grün“-Logo, das die Gastronomen von Mepal beziehen, aber noch 10 Euro. Anton Benoua sagt: „Die Nachfrage ist noch verhalten, ich würde sagen: Bei uns verlangt so jeder 20. Kunde danach. Wir haben aber ohnehin auch sonst kein Einweg-Plastik mehr.“ Für ihn spielt auch die Pfandhöhe bei den Schalen eine Rolle: „Wenn der Kunststoff dünner wird, wird es billiger. Er sollte aber schon 1000 Waschvorgänge halten.“

Ein großer Betrieb wie McDonalds, der auch längst weitestgehend mit Papp- und Papierverpackungen arbeitet, hat für die Becher, die bislang noch einen Kunststoff-Deckel hatten, ein eigenes, optionales Becher-Mehrwegsystem mit zwei Euro Pfand eingeführt. Die Becher können an jeder McDonald’s-Filiale wieder abgegeben werden. Das System werde schon ganz gut genutzt, die Becher kämen zurzeit aber nur spärlich auch wieder zurück, sagt der Oldenburger McDonalds-Chef Albert van den Bergh. Burger King nutzt das Recup-System. Dasselbe gilt fürs Woyton, das neben den Recup-Getränkebechern speziell für die Salate auch Rebowls-Schalen anbietet, die auch stark gefragt seien, heißt es.

Bei allen Verpackungen ohne Kunststoff muss keine Alternative angeboten werden. Ein Betrieb wie der Bümmersteder Krug, muss deshalb nichts ändern. Nico Winkelmann sagt: „Wir nutzen auch im Außer-Haus-Bereich unser Porzellan-Geschirr. Wir überlegen aber, ob Recup und Rebowl etwas für uns wären.“

Was sagt der Verband?

Hildegard Kuhlen, die Geschäftsführerin des Dehoga-Bezirksverbands Weser-Ems, sieht die Etablierung der neuen Alternative noch ziemlich am Anfang. Sie sagt: „Es geht eigentlich jetzt erst los. Betriebe mit viel Außer-Haus-Geschäft werden tendenziell auf Pfandsysteme größerer Anbieter setzen.“ Kritische Rückmeldungen gebe es kaum: „Das scheint machbar zu sein.“ Die Nachfrage halte sich allerdings auch noch „in Grenzen – da gibt es keinen ,Run’ drauf“.

Ein Problem könne im Mitbringen eigenen Geschirrs liegen, weil die Gastronomen hier „eigentlich verpflichtet sind, dieses Geschirr erstmal selbst zu spülen, das macht die Sache im Alltag kompliziert“. Der Ansatz insgesamt sei aber gut, sagt der Dehoga-Vorsitzende Holger Kruse: „Grundsätzlich geht das in Richtung Nachhaltigkeit, das sehe ich als sehr positiv an, die ganze Branche sieht das nicht negativ, das ist ja wie bei Pfandflaschen. Die Vermeidung von Abfällen wird von uns gut mitgetragen.“


 

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