Mit mehr als 300 km/h gefilmt – Oldenburger sorgt mit Raser- und Autoposer-Videos für Aufsehen

Artikel vom 08.04.2024

Arne Erik Jürgens

Zu der Autoposerszene zählt wohl auch der Instagrammer „nachtschatten_qv“, der regelmäßig Videos von rasanten Fahrten in und um Oldenburg veröffentlicht. Bild: Symbolbild / Pexels

Der Instagrammer „nachtschatten_qv“ dokumentiert in seinen Videos rasante Fahrten in Oldenburg und umzu. Er zeigt auch die Treffpunkte der Autoposer-Szene. Warum die Polizei keine Handhabe hat.

Oldenburg - Ein ohrenbetäubendes Dröhnen durchbricht die Stille der Nacht, gefolgt von einem lauten Knattern – das dürfte vielen Oldenburgern bekannt vorkommen. Bereits seit Jahren werden der Ring um die Innenstadt und andere Straßen von Rasern und Autoposern als Rennstrecke missbraucht. Die Polizei steht dem teilweise machtlos gegenüber. Zu diesen Verkehrsrowdys zählt offenbar auch der Instagrammer „nachtschatten_qv“, der regelmäßig Videos von rasanten Fahrten in und um Oldenburg veröffentlicht. Mehr als 40.000 Menschen folgen ihm bei Instagram.

Zu schnell und gefährlich

Auf dem Account sind mutmaßliche Verkehrsverstöße zu sehen, zudem wird die Autoposer-Szene in Oldenburg glorifiziert. Der YouTuber dokumentiert selbst Geschwindigkeitsübertretungen, Driftfahrten und möglicherweise Rotlichtverstöße. Auch Beleidigungen gegen Polizeibeamte sind zu hören, so bezeichnet er diese als „überbezahlte Schülerlotsen“. Zwar schreibt der Mann unter dem Video „Fahrer und Auto unbekannt, Videoclips wurden mir zugesendet“ – es ist aber zu erkennen, dass es sich bei dem Fahrzeug und Fahrer im Video um dieselben handelt wie beim Rest des Accounts.

Der Mann trägt in allen Aufnahmen einen Motorsporthelm und ist deshalb nicht zu identifizieren. Mit dem Schutz seiner persönlichen Daten nimmt er es aber sonst nicht so genau. Die Kennzeichen mehrerer Fahrzeuge, auf die der YouTuber Zugriff hat, sind problemlos zu erkennen. In den meisten Videos fährt er einen Alfa Romeo Giulia, es sind aber auch ein BMW M2 Coupé G87, ein BMW Alpina D5 S und ein Alfa Romeo Stelvio Quadrifoglio zu sehen – alle mit Oldenburger Kennzeichen. Wie viel PS in den Autos steckt, zeigen dokumentierte Fahrten mit mehr als 300 km/h. Zu erkennen ist auch eine illegale Unterbodenbeleuchtung.

Keine Ermittlungen

Trotz der Aufnahmen ermittelt die Polizei nicht gegen den Mann. Bei der Betrachtung von zwei Videos seien keine strafrechtlich relevanten Verstöße festgestellt worden. „Mögliche geringfügige Ordnungswidrigkeiten in den beiden Videos werden mangels konkreter und tatsächlicher Anhaltspunkte (zum Beispiel Aufnahmedatum in Verbindung mit der Verjährung; tatsächliche Geschwindigkeitsüberschreitung pp.) nicht weiter verfolgt“, teilt ein Sprecher mit. Die Polizei nehme die Videos aber zum Anlass, um die Kolleginnen und Kollegen entsprechend zu sensibilisieren.

In einem Video mit dem Titel „Oldenburg bei Nacht“ nimmt der YouTuber die Zuschauer mit auf eine Reise durch die Stadt. Es geht vorbei an einer Polizeikontrolle für Radfahrer, mehrmals schlingernd mit überhöhter Geschwindigkeit über die Straße und entlang mehrerer Tankstellen, die als Treffpunkte für die Autoposer-Szene dienen: eine Hoyer-Tankstelle, die Oktan-Tankstelle an der Nadorster Straße, unter der Autobahnbrücke am Marschweg und Staples in Wechloy. Den Julius-Mosen-Platz kommentiert er im Vorbeifahren mit: „Hier fahren ein paar Bekloppte immer ihre besten Rundenzeiten.“

Kontrollgruppe „Tuning“

Um den Autoposern etwas entgegenzusetzen, wurde die Kontrollgruppe „Tuning“ mit speziell geschulten Beamten der Polizeiinspektion Oldenburg-Stadt/Ammerland gegründet. Diese führt Schwerpunktkontrollen der Tuningszene durch, zudem gibt es polizeiliche Maßnahmen aus dem regulären Streifendienst heraus. „Verstöße gegen die Rechtsordnung werden bei niedrigschwelligem Einschreiten unter Inanspruchnahme aller rechtlichen Möglichkeiten unterbunden und konsequent verfolgt“, so ein Sprecher.


 

Blaulicht-Ticker

Weitere interessante Artikel

Kanalisation in Oldenburg wurde versehentlich zu tief verlegt – Baufirma muss Fehler korrigieren

In der Flötenstraße in Oldenburg ist ein Regenwasserkanal zu tief verlegt worden. Die erneute Straßensperrung ärgert die Ohmsteder. Oldenburg - Eine Hinweisgeberin aus ...

„Kunden kehren zurück in die Innenstadt“

Die Stadt baut sich aus zahlreichen Messwerten eine Art „Fieberthermometer für die Innenstadt“, um die City vital zu halten. Hier sind die Zahlen. Oldenburg - Die Oldenburger ...

K.O.-Tropfen-Verdacht in Osternburger Diskothek

Über Schwindel und Übelkeit klagten mehrere Gäste auf einer Feier in der Oldenburger Diskothek Alhambra. Der K.-O-Tropfen-Test schlug an. Die Polizei sucht Zeugen. Oldenburg - In ...

Mehr OPs und kürzere Verweildauer – EV schafft Steigerung der Patientenzahlen

Das Evangelische Krankenhaus Oldenburg hat keinen Träger, der es finanziell stützt, wenn die Bilanz nicht stimmt. Doch die Krankenhausfinanzierung deckt die Kosten nicht. Die ...

„Wir müssen weg von der Debatte um den Gender Pay Gap“

Warum der bereinigte Gender Pay Gap wenig aussagt, wie Algorithmen veraltete Rollenbilder zementieren und was passieren müsste, damit Frauen gleichberechtigt verdienen, erklärt die Autorin ...

In dieser Grundschule lernen alle gemeinsam

Vier Lerndörfer für acht Klassen: Die neue Grundschule auf dem Fliegerhorst wird ziemlich anders aussehen, als gewohnt. Auch das klassische „Sitzenbleiben“ wird es dort nicht ...

Diakonisches Werk Oldenburg ruft um Hilfe

Die Diakonie kämpft mit wirtschaftlichen Problemen. Bereits zwei Einrichtungen mussten Insolvenz anmelden. Ein Defizit im vergangenen Jahr musste durch den Notverkauf der Zentrale gestopft ...

17.000 Menschen setzen in Oldenburg ein starkes Zeichen gegen Rechtsextremismus

Tausende auf dem Oldenburger Schlossplatz, schließlich sogar 17.000 Menschen bei einem Umzug durch die Stadt: Der Protest gegen Rechtsextremismus ist friedlich geblieben – aber ...

Ehemalige vom VfB Oldenburg wünschen sich neues Stadion in Donnerschwee

Ehemalige Spieler vom VfB und VfL Oldenburg sprechen sich für den Bau eines Fußballstadions in Donnerschwee neben der Weser-Ems-Halle aus. Dafür nennen sie viele ...

Was Fynn Kliemann zur Maskenaffäre sagt – und was Gründer und Sportler gemeinsam haben

Bei einem Treffen der Gründerszene in Oldenburg ging es um Erfolgswillen, mentale Gesundheit, aber auch darum, wie es für den Unternehmer und Youtuber Fynn Kliemann und sein Kliemannsland ...

Krogmann zu Flüchtlingszahlen: Auch bei uns sind Möglichkeiten endlich

Oldenburg habe bisher viel geleistet, um geflüchtete Menschen aufzunehmen und zu integrieren. Aber auch hier seien die Möglichkeiten irgendwann erschöpft, warnt Oberbürgermeister ...