Mit starkem Zeichen den Helfern helfen

Artikel vom 13.06.2024

Friederike Liebscher

Melanie Blinzler, Harald Lesch, Michael May und Thomas Riekhoff (von links) unterzeichneten die Resolution. Bild: Friederike Liebscher

Komme ich heute gesund von der Arbeit? Das müssen sich Einsatzkräfte in den Rettunsgdiensten und Feuerwehrleute in Oldenburg immer häufiger fragen. Sie werden als Helfer Opfer von Gewalt – das soll sich ändern.

Oldenburg - Was ist das für ein Gefühl, wenn man nicht weiß, ob man gesund von der Arbeit zurückkehrt? Einsatzkräfte von Feuerwehr und Polizei, aber auch Mitarbeiter im Krankenhaus und in Pflegeheimen sind von zunehmenden Anfeindungen und körperlicher Gewalt betroffen. „Es gab eine Umfrage unter niedersächsischen Feuerwehrleuten, die ergab, dass 78 Prozent von ihnen schon Gewalt erlebt haben, sowohl körperlich als auch psychisch“, sagt Michael May, Geschäftsführer beim Gemeindeunfallversicherungsverband (GUV) in Oldenburg. „Man kann fragen: Was hat das mit uns zu tun? Die Antwort ist: sehr viel. Denn viele Mitarbeiter in den Rettungsdiensten, in der Pflege oder im Jobcenter sind über die Kommunen bei uns versichert. Wenn ein Rettungssanitäter aufgrund von Gewalt im Einsatz nicht mehr arbeiten kann, ist das ein Arbeitsunfall“, erklärt er.

Null Toleranz

Doch nicht auf diese finanzielle Seite der Risiken für Einsatzkräfte zielt er ab. „Wir haben uns der Resolution der GUV Deutschland angeschlossen, die besagt, dass es null Toleranz für Gewalt gegen jene, die sich für uns einsetzen, gibt.“ Die Angriffe während Rettungs- und Einsatzsituationen seien nicht hinnehmbar und müssten konsequent strafrechtlich verfolgt werden. „Wir bieten außerdem allen Rettungskräften ein Deeskalationstraining an“, so Michael May.

Helfern helfen

Unterstützt wird die Resolution der GUV vom Präventionsrat Oldenburg, der das Papier in dieser Woche unterzeichnet hat. „Anstelle von Aggressionen und Gewalt braucht es Wertschätzung und Unterstützung für diejenigen, die sich um die Rettung von Menschenleben kümmern“, sagte Harald Lesch, Vorsitzender des Fördervereins des Präventionsrates. „Was wäre, wenn die Einsatzkräfte ihren Beruf nicht mehr ausüben wollen? Es geht hier um Menschen, die anderen helfen wollen“, betonte Thomas Riekhoff, Vorsitzender des Präventionsrates. „Unser Rechtsstaat, die Demokratie und die Offenheit für Kulturen sind Dinge, die immer wieder erkämpft werden müssen. Das ist kein Selbstgänger. Zur Prävention von jeglicher Gewalt gehört deren Ächtung.“

Zivilcourage nicht gefährlich

Zur Ächtung von Gewalt kann jeder beitragen: Mit Zivilcourage. „Je mehr Bürger mit Zivilcourage ein Land hat, desto weniger Helden wird es einmal brauchen“, zitiert Melanie Blinzler, Geschäftsführerin des Präventionsrates, die spanische Journalistin Franca Magnani. „Da ist so viel Wahres dran“, sagt sie. Sie bedauert, dass es aufgrund von manchen Medienberichten manchmal so wirke, als sei Zivilcourage gefährlich. „Das ist sie nicht. Man kann in den meisten Fällen etwas tun, ohne sich in Gefahr zu begeben, zum Beispiel die Polizei rufen oder andere Menschen um Hilfe bitten.“ Was man nicht tun sollte: einfach weggehen. „Das ist ja Privatsache, könnte man denken. Aggression ist aber keine Privatsache.“


Weitere interessante Artikel

Neuer Verein spricht für 235 Betriebe und Akteure

Der neue Verein „Gemeinsam für Oldenburg“ vereint 235 Betriebe und Akteure aus Einzelhandel, Hotellerie, Gastronomie und Kultur. Was das Ziel ist und wie es erreicht werden ...

75 JAHRE JUGENDHERBERGE SCHILLIGHÖRN: Pure Entspannung an frischer Nordseeluft

Anzeige

Wie künstliche Intelligenz Jugendlichen bei psychischen Problemen helfen soll

Künstliche Intelligenz soll Jugendlichen bei psychischen Problemen helfen – das ist das Ziel eines Projekts der Universität Oldenburg. Wie das funktionieren soll und warum ein solches ...

Im Kindergarten für Hörgeschädigte sorgen Meerschweinchen für Gesprächsstoff

Logopädie mit Herz: In diesem Oldenburger Kindergarten bereichern Meerschweinchen den Alltag hörgeschädigter Kinder. Wie wirkt sich der tierische Einsatz auf den Lernerfolg ...

Polizei sucht nach Überfall in Oldenburg mit Hubschrauber nach Tätern

Zwei bewaffnete Männer dringen in einen Kiosk in Oldenburg-Eversten ein und rauben Geld aus der Kasse. Die Polizei setzt einen Hubschrauber ein, um die Täter zu finden – doch ...

KBN NEUMANN: Modulhäuser: Qualität, Effizienz und Komfort für modernes Wohnen

Anzeige

Mit mehr als 300 km/h gefilmt – Oldenburger sorgt mit Raser- und Autoposer-Videos für Aufsehen

Der Instagrammer „nachtschatten_qv“ dokumentiert in seinen Videos rasante Fahrten in Oldenburg und umzu. Er zeigt auch die Treffpunkte der Autoposer-Szene. Warum die Polizei keine ...

Kanalisation in Oldenburg wurde versehentlich zu tief verlegt – Baufirma muss Fehler korrigieren

In der Flötenstraße in Oldenburg ist ein Regenwasserkanal zu tief verlegt worden. Die erneute Straßensperrung ärgert die Ohmsteder. Oldenburg - Eine Hinweisgeberin aus ...

„Kunden kehren zurück in die Innenstadt“

Die Stadt baut sich aus zahlreichen Messwerten eine Art „Fieberthermometer für die Innenstadt“, um die City vital zu halten. Hier sind die Zahlen. Oldenburg - Die Oldenburger ...

INHABERGEFÜHRTES UNTERNEHMEN SEIT 90 JAHREN IN TONNDEICH ZU HAUSE: Tonndeicher Traditionsbetrieb geht mit der Zeit

Anzeige

Eines der wohl ältesten Unternehmen in Tonndeich ist die Wäscherei Schrodin. Sie wurde 1931 von Fräulein Klara Schrodin gegründet und wird heute vom Textilreinigungsmeister Roger Meyer geführt.

K.O.-Tropfen-Verdacht in Osternburger Diskothek

Über Schwindel und Übelkeit klagten mehrere Gäste auf einer Feier in der Oldenburger Diskothek Alhambra. Der K.-O-Tropfen-Test schlug an. Die Polizei sucht Zeugen. Oldenburg - In ...

Mehr OPs und kürzere Verweildauer – EV schafft Steigerung der Patientenzahlen

Das Evangelische Krankenhaus Oldenburg hat keinen Träger, der es finanziell stützt, wenn die Bilanz nicht stimmt. Doch die Krankenhausfinanzierung deckt die Kosten nicht. Die ...

„Wir müssen weg von der Debatte um den Gender Pay Gap“

Warum der bereinigte Gender Pay Gap wenig aussagt, wie Algorithmen veraltete Rollenbilder zementieren und was passieren müsste, damit Frauen gleichberechtigt verdienen, erklärt die Autorin ...

BAUMASSNAHMEN AM STÄDTISCHEN KULTURDENKMAL: Neue Galerie für alten Galerieholländer

Anzeige

Endlich wird die Kopperhörner Mühle saniert. Sie ist älter als die Stadt Wilhelmshaven selbst und hat jetzt eine neue Galerie erhalten.

In dieser Grundschule lernen alle gemeinsam

Vier Lerndörfer für acht Klassen: Die neue Grundschule auf dem Fliegerhorst wird ziemlich anders aussehen, als gewohnt. Auch das klassische „Sitzenbleiben“ wird es dort nicht ...