Mitarbeiter von C.W. Meyer erhalten die Kündigung

Artikel vom 02.12.2021

Karsten Röhr

Carl Wilh. Meyer in Wechloy Bild: Karsten Röhr

Der Insolvenzverwalter von C.W. Meyer in Oldenburg hatte sich ursprünglich optimistisch zur Zukunft geäußert. Nun wurde der Belegschaft gekündigt. Was bleibt, ist noch ein kleines Fünkchen Hoffnung.

Tiefe Niedergeschlagenheit herrscht bei den 205 Mitarbeitern des Großhandels C.W. Meyer in Oldenburg. Alle sollen ihren Arbeitsplatz verlieren. Die Kündigungen sollen bereits ausgesprochen worden sein. Auch die Agentur für Arbeit war für erste Beratungen schon vor Ort.

Am 22. Oktober hatte sich der Insolvenzverwalter noch optimistisch geäußert, es würden „sehr positive“ Gespräche mit Interessenten geführt, man sei gut voran gekommen, ein Ergebnis sei bis Weihnachten zu erwarten.

Auf Anfrage hieß es dazu am Montagnachmittag aus der Kanzlei Fink-Rinckens-Heerma (Hamburg): Die Kündigungen seien wegen der schwierigen Lage unausweichlich gewesen – die letzte Hoffnung auf eine Fortführung sei aber immer noch nicht gestorben, so der Insolvenzverwalter Per Hendrik Heerma, er kämpfe weiter. Franziska Engels von der Unternehmenskommunikation Core Value Company sagte: „Eventuell geht es doch weiter. Jetzt hat sich das heute verändert.“ Klarheit gebe es aber noch nicht, die Entwicklung könne in beide Richtungen gehen. Mit einem Ergebnis sei in Kürze zu rechnen.

Nach den 150 Kündigungen – weitere 55 Mitarbeiter haben selbst gekündigt, vermutlich mit Aussicht auf etwas Neues, einige hatten sich auch schon direkt nach dem Insolvenzantrag neu orientiert – wird das Unternehmen zurzeit von knapp 100 Mitarbeitern weitergeführt, darunter die zwölf Azubis – (mindestens) für die nächsten drei Monate.

Die Geschäftsführung verwies am Montag auf den Insolvenzverwalter, aber einzelne Mitarbeiter äußerten sich. Einer sagte: „Wir fühlen uns hingehalten. Das zieht sich ja seit Monaten. Selbst am letzten Montag hieß es noch, es geht weiter, euer Arbeitsplatz ist sicher und dann jetzt plötzlich: Bamm, die Kündigung. Die Stimmung hier ist natürlich entsprechend. Dabei war das immer ein guter Laden, auch mit guter Stimmung unter den Mitarbeitern.“

Ein anderer mutmaßt, wie es soweit kommen konnte: „.Neben Investitionen, die nicht hingehauen haben, wurden vielleicht auch nicht genug Rücklagen gebildet. Wir wissen es nicht. Und erklärt wurde es auch nicht.“

Wie berichtet hatte der Fachgroßhändler für Bauzubehör und Werkzeug, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1880 reichen, vor einigen Wochen Insolvenzantrag gestellt. CWM-Geschäftsführer Matthias Kern hatte zu diesem Zeitpunkt die Hoffnung geäußert, dass die Chancen für eine Sanierung mit einem Investor gut stünden. Der Umsatz mit Sicherheitstechnik, Bauelementen, Baubeschlägen, Werkzeug- und Industriebedarf wurde 2017 auf 70 Millionen Euro beziffert – bei 250 Mitarbeitern. Der Kundenkreis umfasst das Handwerk in Oldenburg, Ostfriesland und Weser-Ems und die Bauindustrie im ganzen Norden, bis Bremen und Hamburg.


 

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