Oldenburger Malteser brauchen Hilfe aus der Ärzteschaft

Artikel vom 23.06.2022

Anja Biewald

In der Malteser Migranten Medizin (MMM) finden Menschen ohne gültigen Aufenthaltsstatus und Menschen ohne Krankenversicherung einen Arzt, der die Erstuntersuchung und Notfallversorgung bei plötzlicher Erkrankung, Verletzung oder einer Schwangerschaft übernimmt. Mittlerweile finden Patienten die MMM in 15 Städten in Deutschland. Bild: Malteser

Es sind Menschen, die sich illegal in Deutschland aufhalten, aber auch immer mehr Deutsche, die nicht krankenversichert sind. Trotzdem werden sie krank oder verletzen sich. Dann brauchen sie Hilfe.

Es sind Aussteiger aus der Gesellschaft, Obdachlose, Menschen, die sich illegal in Oldenburg aufhalten, und nicht selten sind es auch Studenten, die Mittwoch nachmittags bei den Maltesern an der Nadorster Straße auf eine ärztliche Untersuchung hoffen. Dort gibt es eine Sprechstunde für Menschen, die nicht krankenversichert sind und denen das Geld für eine privatärztliche Behandlung fehlt.? Möglich ist das Angebot dank der ehrenamtlichen Unterstützung verschiedener Ärzte – ein Netzwerk, das in der Vergangenheit belastbar war, nun aber immer weiter einbricht, weil beteiligte Ärzte nicht mehr praktizieren oder verstorben sind.

Gynäkologen fehlen

„Wir suchen händeringend Mediziner“, sagt deshalb Roland Keller, Stadtgeschäftsführer der Malteser in Oldenburg. Zwischen 120 und 150 Menschen in Not werden dort im Jahr medizinisch grundversorgt, darunter zwischen 35 und 50 schwangere Frauen. „Vor allem Gynäkologen werden deshalb dringend gebraucht“, so Keller weiter. Bei den Frauen gehe es häufig um die Feststellung und ärztliche Begleitung einer Schwangerschaft, aber auch um die normale Grundversorgung. Dabei könne sich jeder Arzt, der die Malteser Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung (MMM) unterstützt, sicher sein, dass er nicht zahlreiche Patienten behandeln soll. „Bei den Gynäkologen ist das vielleicht eine Patientin im Monat, bei Zahnärzten sind es etwa zwei Behandlungen im Jahr. Wir wollen da niemanden überstrapazieren“, so Keller weiter: „Aber wir brauchen mehr Ärzte, die uns unterstützen und zu denen wir Leute schicken können.“ Die Sprechstunden im Haus, immer mittwochs von 15 bis 17 Uhr in der Nadorster Straße 129, werden von Allgemeinmedizinern im Wechsel bestritten. Drei bis fünf Ärzte stehen hierfür derzeit zur Verfügung, die ebenfalls Verstärkung gebrauchen könnten.

Anonym und niedrigschwellig

Anonym und absolut niedrigschwellig soll das Angebot der Malteser sein. Was sich früher Malteser Migrantendienst nannte, ist heute die Malteser Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung. Die Umbenennung erfolgte auch, weil nicht mehr überwiegend Personen ohne gültigen Aufenthaltsstatus in die Sprechstunde kommen, sondern viele Deutsche: „Letzte Woche waren zum Beispiel drei von fünf Patienten Deutsche“, sagt Keller, Tendenz steigend. Das seien häufig Menschen, die am gesellschaftlichen Leben gar nicht mehr teilnähmen oder auf der Straße lebten, aber auch Selbstständige, die eine Pleite erlebt haben, nicht in die gesetzliche Krankenversicherung zurück können und sich nun irgendwie durchschlagen. Auch Studenten seien schnell in finanzieller Not. Keller: „Ab 25 müssen sie ihre Krankenversicherung selbst bezahlen. Das können sie sich manchmal nicht leisten.“ Ein Student aus China sei jüngst in der Sprechstunde gewesen: völlig abgemagert, krank und ohne Versicherung.

Keine Fragen

Kinder bekommen die Malteser in der Sprechstunde nur selten zu Gesicht. Was aus den Babys der Schwangeren wird, die Hilfe suchen, ist unbekannt. „Die verschwinden von unserem Radar“, sagt Keller.

Warum, wieso, weshalb: Die Malteser hinterfragen nicht die Schicksale der Klienten, sondern wollen den Betroffenen nur in der Not eine ärztliche Versorgung zukommen lassen. Einzige Ausnahme: „Wenn jemand kommt, der sich durchaus versichern könnte, es aber nicht will, der wird nicht behandelt.“

Der MMM ist spendenfinanziert, notwendige Laboruntersuchungen zahlen die Malteser, auch die Kosten für Medikamente werden im Einzelfall übernommen. Und, wenn nötig, wird für einen Arztbesuch ein Dolmetscher organisiert, der den Termin begleitet.

Fachärzte und Allgemeinmediziner, die sich vorstellen können, den Dienst der Malteser zu unterstützen, können sich auf der Internetseite www.malteser-oldenburg.de informieren und wenden sich am besten per Mail an roland.keller@malteser.org.


 

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