Optimismus trotz Fragezeichen

VON TORBEN ROSENBOHM

Pulitzer-Preisträger John Moore aus New York gewann den Wettbewerb 2019 und war im Februar 2020 zu Gast in Oldenburg. BILD: ANDREAS BURMANN

OLDENBURG – Mit einem Rekordbesuch endete am 8. März dieses Jahres die Ausstellung „World Press Photo“ im Oldenburger Schloss. Über 20.000 Menschen hatten sich die Schau der weltbesten Pressefotos nicht entgehen lassen. In der Folge indes machte sich bei den Verantwortlichen nicht nur ein Gefühl der Begeisterung über die Resonanz breit – sie kamen auch zu der Erkenntnis, durchaus eine Menge Glück gehabt zu haben.

„Wir haben am Abschluss-Wochenende die Verunsicherung gespürt“, blickt Claus Spitzer-Ewersmann jetzt, fünf Monate nach dem Ende der letzten Ausstellung und sechs Monate vor dem Beginn der nächsten, zurück. Denn: Das Thema Corona war in jenen März-Tagen bereits sehr präsent, wenngleich es bis dahin noch keine Schließungen, Absagen oder eine Maskenpflicht gab. Das alles kam, zum Teil rasch, zum Teil erst nach und nach, in den darauffolgenden Wochen hinzu.

Unsicherheit zum Abschluss

Spitzer-Ewersmann, Geschäftsführer der Oldenburger Agentur „Mediavanti“, hatte „World Press Photo“ 2016 erstmals nach Oldenburg geholt. Jahr für Jahr stiegen die Besucherzahlen an, da machte die letzte Schau keine Ausnahme: An allen Tagen habe der Zuspruch über dem von 2019 gelegen – mit Ausnahme des letzten Wochenendes. Corona hatte die Nachrichten zu diesem Zeitpunkt bereits beherrscht, viele mieden schon vor den offiziellen Einschränkungen größere Ansammlungen.

Während das Terminglück also im März auf Seiten der Verantwortlichen war, müssen Spitzer-Ewersmann und seine Mitstreiter mit Blick auf das Jahr 2021 erneut auch auf nicht beeinflussbare Faktoren hoffen. Denn: Bei aller guten Planung bleibt die Ausgangslage in Sachen Corona unberechenbar.

„Es ist sicher, dass es die Ausstellung gibt“, sagt Spitzer-Ewersmann trotz aller Fragezeichen selbstbewusst. Seine Kollegin Lisa Knoll ergänzt: „Wir erarbeiten unterschiedliche Konzepte und können dann hoffentlich das passende aus der Schublade ziehen.“ Die Vernissage ist für den 19. Februar 2021 angesetzt – nach aktuellem Stand mit entsprechenden Abstandsregeln und angepasstem Ablauf.

Ein inzwischen traditioneller Programmpunkt des Eröffnungswochenendes beispielsweise ist unter den momentanen Bedingungen noch nicht uneingeschränkt planbar: die Anwesenheit des aktuellen Preisträgers. Der heißt Yasuyoshi Chiba, ist gebürtiger Japaner und lebt und arbeitet vornehmlich in Afrika. Durchaus kniffelig in diesen Zeiten.

Zugesagt hat der Japaner, nur: Wird es gelingen, ihn auch tatsächlich einfliegen zu lassen? Claus Spitzer-Ewersmann und Lisa Knoll verbuchen auch diese Frage entspannt auf ihrer Liste der Herausforderungen. Panik kommt bei ihnen nicht auf, schließlich organisieren sie die Ausstellung zum inzwischen sechsten Mal. Die Routine wirkt sich positiv darauf aus, angesichts der besonderen Umstände den grundsätzlichen Optimismus zu wahren.

Im Grundsatz will das „Mediavanti“-Team am bewährten Programm der Ausstellung festhalten. Das zeichnete sich in den bisherigen fünf Jahren in Oldenburg insbesondere dadurch aus, es nicht beim bloßen Ausstellen der rund 150 Motive zu belassen. Ein umfangreiches Rahmenprogramm inklusive Einbindung von Schülern, Filmvorführungen und Diskussionsveranstaltungen an verschiedenen Orten in der Stadt sorgen stets dafür, dass Oldenburg für etwas mehr als drei Wochen ein Zentrum der Fotografie ist.

Ausstellung in Hannover um ein Jahr verschoben

Die Arbeit des Teams in Oldenburg hat sich längst auch andernorts herumgesprochen, beispielsweise in Hannover. Dort sollte eigentlich am 14. August die Vernissage stattfinden – unter Regie von „Mediavanti“. Daraus wurde nichts. „Die Entscheidung, ob abgesagt wird oder nicht, zog sich ein bisschen hin, aber Anfang Mai hatten wir Klarheit“, blickt Spitzer-Ewersmann zurück.

Nach konstruktiven Gesprächen mit den Organisatoren vor Ort und der „World Press Photo Foundation“ in Amsterdam wurde die Ausstellung in der niedersächsischen Landeshauptstadt um exakt ein Jahr verschoben, so dass es nun heißt: auf ein Neues in 2021.

Fragezeichen in Oldenburg, eine Verschiebung in Hannover: Die aktuelle Ausstellung der „World Press Photo Foundation“ ist natürlich nicht nur in Deutschland von der Pandemie-Situation betroffen. Von rund 90 geplanten Standorten haben nach aktuellem Stand nur knapp 20 „überlebt“.

Bis November, maximal Dezember könnten die Verantwortlichen in Oldenburg eine Entscheidung, wie die Ausstellung im Februar und März tatsächlich aussehen wird, hinauszögern. Danach wird es selbst für das routinierte Team etwas knapp.
Wer mehr erfahren möchte, findet Infos online unter www.worldpressphoto-oldenburg.de


 

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