Pächter von Vereinsheim suchen nach 30 Jahren Nachfolger

Artikel vom 09.11.2022

Susanne Gloger

Planen den Rückzug: Bodo und Carola Voß sind seit fast 30 Jahren Pächter des Vereinsheims im Kleingärtnerverein Stadtfeld. Bild: Susanne Gloger

 

Als junge Eltern haben sie das Vereinsheim des Oldenburger Kleingärtnervereins Stadtfeld übernommen. Nach 30 Jahren wollen Carola und Bodo Voß sich zurückziehen. Noch ist die Nachfolge ungewiss.

Sie wollten was schaffen, sich was aufbauen: Die Anfänge waren klein, als Carola und Bodo Voß vor fast 30 Jahren das Vereinsheim des Kleingärtnervereins Stadtfeld übernahmen. Ihr Plan ist aufgegangen. Die Gaststätte am Johann-Justus-Weg 156 ist ein beliebtes Lokal für Gesellschaftsfeiern aller Art geworden. Jetzt planen die Wirtsleute aber einen neuen Lebensabschnitt und wollen das Geschäft an neue Pächter übergeben. Das ist gar nicht so leicht.

Eigentlich wollte das Ehepaar schon vor zwei Jahren aufhören. Als Termin war der 30. Juni 2020 angepeilt. „Doch dann kam Corona. Und wer wollte sich da schon eine Gaststätte an die Hacken holen“, sagt Carola Voß, die sich bereits um einen neuen Job für die Zeit nach dem Wechsel bemüht hatte. Sie fand ihn auch und ist seither als Aushilfskraft in einem Pflegeheim tätig. Nach der Übergabe des Vereinsheims will die 55-Jährige dort ganz arbeiten.

Der Beginn

Erfahrung in der Gastronomie hatten die Hooksielerin und der Oldenburger mitgebracht, als sie am 15. März 1993 die Theke im Vereinsheim der Kleingärtner übernahmen. Die Restaurantservicekraft war 26, der gelernte Koch 35 Jahre, ihre zwei Töchter ein halbes Jahr und anderthalb Jahre alt. Bodo Voß hatte drei Jahre zuvor mit seinem Bruder ein Vereinslokal in einem Berliner Kleingarten geleitet. Als er und seine Frau die Zeitungsanzeige des Kleingärtnervereins Stadtfeld „Heim zu verpachten“ lasen, zögerten sie nicht, sich zu bewerben.

„Mit zwei kleinen Kindern war für uns klar, wir müssen uns selbstständig machen“, sagt Carola Voß. Ihr Mann erzählt eine Anekdote dazu: „Der Vorstand des Oldenburger Vereins hatte damals beim Vorstand des Berliner Vereins angerufen, um sich über mich zu erkundigen.“ Die Antwort hat er später erfahren, sie lautete: „Was Besseres könnt ihr gar nicht finden.“

Die Entwicklung

Und so begann die Ära Voß in Bürgerfelde. „Anfangs war es mehr Kneipe. Da standen die Gäste in Dreierreihen an der Theke“, erinnert sich Bodo Voß. Der Koch wollte aber kochen. „Wir haben erst das Mittagsgeschäft mit reingenommen und so wandelte sich Kundschaft. Im Laufe der Zeit haben wir uns in Richtung Essen entwickelt.“ Mit den Kleingärtnern sei man immer gut ausgekommen. „Sie akzeptieren auch, wenn hier eine ,Geschlossene Gesellschaft’ ist“, sagt Carola Voß.

Mit einem Kindergeburtstag mit Würstchen und Kartoffelsalat haben die Wirtsleute angefangen. „Mittlerweile haben diese Kinder schon ihre Hochzeit bei uns gefeiert“, weiß die 55-Jährige. Drei Töchter zog das Ehepaar nebenbei groß. Es wurde ein Wintergarten angebaut, so dass drinnen knapp 100 Gäste Platz haben – und im Sommer im Biergarten nochmal so viele. Auch mit Veranstaltungen wie Frühtanz, Osterfeuer, Maifeier, Silvesterparty, Spanische Nacht, Bayerischer Abend und mehr haben die Voß’ Gäste angelockt. „Gutbürgerlich – so soll es auch künftig bleiben. Das will der Verein“, sagt der 64-Jährige.

Die Zukunft

„Bis Corona hatten wir dienstags bis sonntags geöffnet und 14 Tage im Jahr Urlaub. Dennoch möchten wir nicht ein Jahr missen“, betont Carola Voß. Ihre Öffnungszeiten haben sie mittlerweile reduziert, das Auftragsbuch ist gefüllt. 2023 machen die Wirtsleute die 30 Jahre voll und wollen sich zurückziehen. Auch, um mehr Zeit für die zwei Enkel zu haben. Die Suche nach Nachfolgern war bisher erfolglos. „Hier kann man seine Sichtweise verwirklichen. So wie wir vor 30 Jahren“, sagen sie.


 

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