Schmaler Geldbeutel nicht der einzige Grund

Artikel vom 20.06.2022

Katja Lüers

Steht seit Jahren hoch im Kurs: Der Kinderflohmarkt Piccolino in Oldenburg. Bild: Archiv

Beim ersten Kind ist alles neu. Da scheuen Eltern keine Kosten. Aber viele Mütter und Väter setzen inzwischen auf Secondhand, ihre Gründe erklären sie hier.

„Für mich ist Secondhand-Kleidung einfach die gesündere Wahl“, sagt Linda Holz aus Oldenburg. Sie ist Mutter von zwei Kindern: der dreijährigen Luna und dem drei Monate alten Max. Die Einstellung hat die 38-Jährige allerdings nicht immer so deutlich vertreten.

Nach der Geburt ihrer Tochter war alles neu: die Lebenssituation, das Kinderzimmer, die Spielsachen, der Kinderwagen „und irgendwie hatte ich da auch die Vorstellung, dass die Kleidung neu sein muss.“ So landete eine neue Erstausstattung im neu eingerichteten Kinderzimmer – und unzählige weitere zusätzliche neue Bodys, Strampler, Jäckchen und Höschen.

Verschwendung

Drei Jahre später sieht sie ihr eigenes „Neu“-Verhalten kritischer: „Der wichtigste Vorteil von Secondhand-Kleidung ist für mich, dass sie weniger Schadstoffe enthalten, denn in der Regel sind sie bereits herausgewaschen.“

Deshalb trägt der kleine Max fast ausschließlich Secondhand-Kleidung. Dabei profitiert er von der schwesterlichen Erstausstattung: „Die konnte ich für Luna ohnehin ja nur ein paar Wochen nutzen, bis sie Strampelanzug und Pulli schon wieder entwachsen war.“ Rückblickend für sie eine ziemliche Verschwendung.

Ihr Kaufverhalten von Kinderkleidung hat sie komplett umgestellt: „Ich kaufe fast alles Secondhand – bis auf Unterwäsche und Strumpfhosen, weil die Bündchen oft ausgeleiert sind.“ Und bei Schuhen würde sie sehr genau hinschauen: „Die Größe muss passen und die Schuhe dürfen noch nicht viel getragen sein.“

Veränderung

Sie sei immer wieder erstaunt, welche Kinder-Designer-Stücke nahezu ungenutzt in den Regalen der Secondhand-Läden landen. „Da habe ich schon einige Schnäppchen gemacht.“ Auf diese Weise schone sie ihren Geldbeutel und die Umwelt: „Das gesparte Geld kann ich zurücklegen“, fügt sie hinzu. Denn sie weiß von Freundinnen mit älteren Kindern: Je älter der Nachwuchs wird, umso schwieriger wird es, gute gebrauchte Kleidung zu finden. „Außerdem entwickeln die Kinder zunehmend einen eigenen Geschmack, das macht die Sache nicht leichter“, sagt sie.

Verdächtig

An diesem Tag hat sie Besuch von einer Freundin – ebenfalls zweifache Mutter von einer Vierjährigen und einem Zweijährigen: „Wir erben sozusagen die Kleidung.“ Ihre ältere Schwester gebe die Kleidung kistenweise an sie ab: „Da weiß ich dann sogar noch, wer die Hosen und Jacken vorher getragen hat.“

Aber auch sonst würde sie zusehen, Secondhand einzukaufen – auch für sich selbst: „Ich brauchte kürzlich für meine Tochter neue Leggings, die habe ich als Bioprodukt gekauft. Da war ich wieder überrascht, wie teuer zertifizierte Kinderkleidung ist“, so die Mutter. Umso glücklicher sei sie mit den „Erbstücken“ ihrer Schwester.

Dass Eltern ihren Babynachwuchs in Luxusmarken einkleiden, sieht die Mutter mehr als kritisch – unabhängig vom Einkommen: „Was will mir ein Elternteil damit sagen, dass er sein drei Monate altes Baby in einen neuen Versace-Strampler für 240 Euro steckt?“

Sie habe vor vielen Jahren in der Schule mit Begeisterung die Novelle „Kleider machen Leute“ gelesen, „aber man könnte den Eindruck gewinnen, dass manche Eltern meinen, Kleider machen auch Kinder!“


 

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