Smarte Verkehrslenkung

Das Zeichen steht auf „Überflutung“: Annette Meyers, Jens de Boer und Yannick Tiemann (v. l. n. r.) präsentieren den neuen Prismenwender am Pferdemarkt. Bild: Julia Oberdörffer/OOWV

Neue Verkehrszeichen installiert

Oldenburg. Es ist früher Morgen in der Huntestadt. Eine kleine Gruppe Menschen geht aufmerksam die Alexanderstraße entlang. Ihr Auftrag: Die Kontrolle und Abnahme eines neu installierten Verkehrslenkungssystems. Gemeinsam sind die Stadt Oldenburg und der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) mit diesem Pilotprojekt im Rahmen des EU-Interreg-Projektes CATCH die Aufgabe angegangen, Folgen von Starkregen zu mindern. Denn wenn der Himmel seine Schleusen öffnet, steht die Alexanderstraße regelmäßig unter Wasser – mit Auswirkungen für Anwohner und Ladenbesitzer, wie Jens de Boer, OOWV-Regionalleiter der Stadt Oldenburg und des Landkreises Ammerland, weiß: „Die Alexanderstraße liegt in einer Senke. Das führt dazu, dass sich hier bei Starkregen so viel Wasser sammelt, dass das Kanalnetz die Niederschlagsmengen nicht mehr aufnehmen kann. Das steigende Wasser kann dann in Gebäude eindringen und Fahrzeuge beschädigen. Außerdem steigt die Unfallgefahr signifikant.“

Der OOWV führt den Generalentwässerungsplan als Basis für die mittel- und langfristige Entwässerungsplanung sowie für das Neu- und Ausbaukonzept des Kanalnetzes in Oldenburg kontinuierlich fort. Unterer anderem wurde das Kanalnetz im Bereich der Alexanderstraße und dem Pferdemarkt in den letzten Jahren deutlich vergrößert. Für seltene extreme Starkregenereignisse kann das Kanalnetz aus wirtschaftlichen und technischen Gründen aber nicht ausgelegt werden. Zum einen triebe das die Kosten der Abwasserbeseitigung für die Oldenburgerinnen und Oldenburger in die Höhe, zum anderen könnte das Abwasser an Tagen ohne Starkregen nicht mehr schnell genug abfließen, was zu erheblichen Geruchsbelästigungen führen würde.

Die Situation für die Anliegerinnen und Anlieger während der Überflutungen der Alexanderstraße wird durch fahrende Fahrzeuge weiter verschärft: Die Bugwellen der Autos treffen Gebäude, schwappen über Schwellen und sorgen für erhebliche Schäden. Und auch die Fahrzeuge trugen teilweise Defekte davon. Um das zu verhindern, stehen nun an verschiedenen Stellen neue Wechselverkehrszeichen, die den Verkehr im Fall der Fälle um die überflutete Alexanderstraße herumleiten sollen. Der Clou: Die Verkehrszeichen werden nur dann aktiviert, wenn es wirklich notwendig ist – doch dann gelten sie auch verbindlich. Yannick Tiemann, beim OOWV verantwortlich für die Maßnahme, erklärt, wie das geht: „Sobald das Wasser im Kanal infolge von Starkregen steigt und eine gewisse Höhe erreicht, wird das von eigens dafür installierten Sonden registriert und an die Verkehrszeichen gemeldet. Diese werden dann aktiviert leiten die Fahrzeuge um die überfluteten Bereiche herum.“ Zudem wird eine Meldung an die Stadt Oldenburg, die Feuerwehr, die Polizei, die Rettungsdienste, das für den Busverkehr zuständige Unternehmen und die Kläranlage Oldenburg gesendet. So sind alle informiert.

„Mit diesem Pilotprojekt beschreiten wir ganz neue Wege“, freut sich Annette Meyers, Leiterin des Amts für Verkehr und Straßenbau der Stadt Oldenburg, über den innovativen Ansatz des gemeinschaftlichen EU-Projekts. „Dass es zu Starkregen kommt, können wir nicht ändern. Aber wir können die Folgen mildern. Und das tun wir mit der situationsbedingten Verkehrslenkung vorbildlich.“

Insgesamt wurden rund um den kritischen Bereich sieben neue Verkehrszeichen aufgestellt: zwei Prismenwender, zwei LED-Tafeln und drei LED-Verkehrsschilder. Solange kein Starkregen niedergeht, bleiben sie inaktiv. Nur im Ernstfall werden sie automatisch aktiviert. Viele Fahrzeugführende werden sich daran noch gewöhnen müssen. Dass das gelingt, davon ist Yannick Tiemann überzeugt.

„Als wir die neuen Verkehrszeichen vor wenigen Wochen das erste Mal auf ihre Funktion geprüft haben, wurden sie von den motorisierten Verkehrsteilnehmern aus Richtung Pferdemarkt kommend zu 100 Prozent ignoriert“, erinnert er sich schmunzelnd. „Bei der Abnahme waren sie dann wieder aktiviert und dieses Mal haben Autofahrer darauf reagiert. Dass dort neue Schilder stehen, muss erst einmal bekannt werden. Außerdem war es ja offensichtlich, dass die Alexanderstraße nicht überflutet war. Wenn es ernst ist, wird das schon klappen.“

Auf eben diesen Ernstfall können allerdings sowohl die Stadt Oldenburg als auch der OOWV gerne verzichten. Auch wenn das System noch so gut ist: Am besten kommt es gar nicht zum Einsatz.
Wie das System genau funktioniert, das erklären der OOWV und die Stadt Oldenburg in einem gemeinsamen Video (https://youtu.be/8QoD-RdfNKE).

 


 

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